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»Das war für mich eine Lebenstherapie«

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»Das war für mich eine Lebenstherapie«, so Thomas Lapper bei einem Gespräch mit der Chefärztin der stationären Schmerztherapie, Dr. Helga M. Schuckall.

Ruhpolding – Nach einem Unfall vor vier Jahren bestimmte der Schmerz das Leben von Thomas Lapper. Dass er jetzt wieder arbeiten und mit seinen Kindern wandern kann, verdankt der Waginger einem 16-tägigen Aufenthalt im Vinzentinum in Ruhpolding. Über diese Zeit in der Abteilung für multimodale stationäre Schmerztherapie unter der Leitung von Chefärztin Dr. Helga M. Schuckall, Präsidentin der Interdisziplinären Gesellschaft für Schmerzforschung und Schmerzbehandlung, sagt Lapper: »Das war für mich eine Lebenstherapie.«


Locker und gelöst sitzt Thomas Lapper im Büro seiner Behandlerin. Es ist ihm ein Bedürfnis, über die für ihn so wertvolle Zeit in der stationären Schmerztherapie zu sprechen. Die Abteilung wurde erst im Januar in Ruhpolding eröffnet. »Ich wusste nicht mal, dass es so etwas wie Schmerztherapie gibt«, sagt der 44-Jährige. Er wollte sich in der Unfallchirurgie wegen zunehmender Schmerzen zum wiederholten Mal an seiner schwerverletzten Wirbelsäule operieren lassen. Dort habe man ihm gesagt, dass er für die einzige Option, eine Versteifung der Lendenwirbelsäule, noch viel zu jung sei. Deswegen solle er zunächst in die stationäre Schmerztherapie gehen.

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»Dann hatte ich das Glück, dass ein Patient abgesagt hat und ich drei Tage später aufgenommen werden konnte«, erinnert sich Lapper. Ihm habe die Ehrlichkeit Dr. Schuckalls gefallen. »Wenn ein Patient hier vollkommen schmerzfrei rausgeht, kaufe ich mir eine Insel auf den Bahamas und spiele Gott«, zitiert er mit einem Schmunzeln seine Behandlerin.

Ganz wichtig sei für ihn auch gewesen, dass diese die Medikation hinterfragt habe. Nun nehme er keine starken opiathaltigen Schmerzmittel mehr: »Ich bin viel frischer im Kopf.« Die Kombination aus neuer Schmerzmitteleinstellung, Physiotherapie mit Wassergymnastik und Nordic-Walking, dazu die Einzelgespräche mit einer Psychologin und die Schmerzbewältigungstherapie in der »guten Gruppe« mit ihrem tollen Zusammenhalt habe bei ihm unglaublich viel in Gang gesetzt. »Ich weiß heute, wie ich mit dem Schmerz besser umgehen kann«, so Thomas Lapper.

Seit er gelernt habe, sich den Schmerz für eine Zeit wegzudenken, könne er sein Leben besser gestalten. Dazu tragen auch die neuen Kenntnisse in Achtsamkeitstraining und Progressiver Muskelentspannung bei. Und die dank der besseren Schmerzbewältigung wieder entdeckte Freude an der Bewegung. »Es ist sehr wichtig, das Gelernte mitzunehmen und in das tägliche Leben zu integrieren, man muss selbst etwas tun«, weiß Lapper.

Ihm ist auch ein Stein vom Herzen gefallen, weil er nun wieder gut seine Arbeit als Fertigungskoordinator bewältigen kann. Die Arbeit bedeutet ihm nicht nur ideell eine Menge. Die Furcht, nicht mehr ausreichend für seine Familie sorgen zu können, hat in Thomas Lapper ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit ausgelöst und ihn sehr belastet.

In dieser für ihn sehr emotionalen Situation habe er sich bei Dr. Schuckall und ihrem interprofessionellen Team sehr gut aufgehoben gefühlt. »Es menschelt hier sehr und auch das ist mir sehr wichtig«, so der nach wie vor dankbare Patient. Wenn sein Schmerz wieder überhandnehmen sollte, ist für ihn klar, dass er sich erneut seiner seit Jahrzehnten erfahrenen Schmerztherapeutin, die auch ärztliche Kollegen in Schmerzkursen schult, anvertraut. fb