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Das »Waginger Lercherl« wird 85

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Zita Diehl aus Sprinzenberg, das einstige »Waginger Lercherl«, wird heute 85 Jahre alt.

Waging am See – In ihrer Zeit bezauberte sie mit ihrer glockenhellen Singstimme die Besucher zahlreicher Konzerte, Heimatabende und sonstiger Veranstaltungen in der gesamten Region und war sogar im Bayerischen Fernsehen zu hören und zu sehen; aber auch heute noch singt sie im Ottinger Kirchenchor mit. Die Rede ist von Zita Diehl aus Sprinzenberg bei Otting, die am heutigen Mittwoch ihren 85. Geburtstag feiert. In den 50er Jahren wurde sie als »Lercherl von Waging« weithin bekannt.


Unser damaliger Berichterstatter war begeistert, als er sie im Juni 1953 bei der Einweihung des Waginger Kurhauses, wo sie danach sehr häufig auftrat, erstmals erlebte: »Als Jodler-Solistin trat erstmals Zita Perschl auf. Mit einer selten schönen, glockenreinen Naturstimme, die in allen Lagen gleiche Fülle und gleichen Wohlklang hat, trug sie ihre Lieder und Jodler vor. Nicht nur die Waginger Zuhörer waren begeistert von der neuen Entdeckung, auch die auswärtigen Gäste zollten uneingeschränktes Lob und beglückwünschten die Waginger zu ihrem 'Lercherl'«, schrieb er. Dieser Ehrentitel »Lercherl« blieb ihr über all die Jahre erhalten.

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Fernsehen zeichnete im Kurhaus auf

Auch war einmal zu lesen, »wenn aber das Waginger Lercherl singt und jodelt, kann man eine Stecknadel fallen hören«, und selbst die Ankündigung ihrer Hochzeit las man unter der Überschrift »Waginger 'Lercherl' heiratet«. Und über einen »Heimat- und Werbeabend« der Stadt Traunstein in Rüsselsheim aus dem Jahr 1954 wird wie folgt berichtet: »Der Höhepunkt des Abends wurde die 17-jährige, frische, ungeschminkte Bauerntochter Cilla, die mit einer glasklaren, gottbegnadeten Stimme sich in die Herzen aller Rüsselsheimer sang.« Der Höhepunkt war dann, wieder im Kurhaus in Waging, ein Heimatabend der »Mühlberger Trachtler«, den das Bayerische Fernsehen aufzeichnete. Und da verstieg sich der örtliche Berichterstatter gar zu folgender Schwelgerei über das Jodler-Duo Zita und Sepp: »Ihre Stimmen schmiegen sich aneinander wie zwei zart Verliebte.«

In dieser Zeit kam sie viel herum, nahm an einem Wettbewerb des BR teil, bekam sogar einen Plattenvertrag in Aussicht gestellt, den sie aber ablehnte. Sie hatte Bedenken, die von ihrem Umfeld noch verstärkt wurden, dass sie sich mit solch einem Vertrag zu sehr binden würde. Aber immerhin ist von den Aufnahmen, die in den 1950er Jahren vom BR gemacht worden, noch Bild- und Tonmaterial erhalten geblieben, das beweist, dass Zita eine wirklich wunderschöne Stimme hatte.

Kinder sollten in Bayern geboren werden

Bei all den vielen Auftritten im Kurhaus konnte es gar nicht ausbleiben, dass sich der eine oder andere Besucher das »Lercherl« mal genauer ansah. Und so kam es, dass ein junger Mann namens Gerhard Diehl aus Ludwigshafen, dessen Familie auf dem Waginger Campingplatz Urlaub machte, das Herz von Zita, geborene Perschl, eroberte. 1960 wurde geheiratet, und wenig später zog das Brautpaar nach Ludwigshafen. Zita fand dort, ebenso wie ihr Mann, eine Arbeit bei der BASF, an die sie aber keine gute Erinnerung hat: »Da haben wir mit einer Maske im Gesicht giftige Pflanzenschutzmittel abgefüllt.« Und noch etwas sprach für eine baldige Rückkehr in ihre Heimat: »Ich war dagegen, dass die Kinder in Preißn drausd geboren werden.« Also zog man wieder nach Sprinzenberg und wohnte im Zuhaus des Großhuber-Anwesens, aus dem Zita stammte, als 1961 Sohn Andreas zur Welt kam. Später kam noch Schwester Silvia dazu, und 1969 wurde das Haus gebaut, in dem Zita Diehl bis heute lebt. Ihr Mann hatte eine Stelle in der damaligen Bauunternehmung Hüttig in Traunreut gefunden – was mit sich brachte, dass vieles am Haus selber gemacht wurde und der Hausbau entsprechend lang dauerte.

Fürs Mozarteum keine Zeit

Die Gesangskarriere war allerdings mit Heirat und den beiden Kindern weitgehend beendet. Lediglich im Kirchenchor sang sie mit, und Jahrzehnte später gab es dann doch noch den ein oder anderen Auftritt. Was sehr schade war; denn schon ihr Lehrer in der Volksschule in Otting hätte es zu gern gesehen, wenn sie ans Mozarteum nach Salzburg gegangen wäre. Aber das war von zu Hause aus nicht möglich, sie wurde als Arbeitskraft in Haus und Stall dringend benötigt. »Zu Hause haben sie schon immer auch gewartet, dass ich heimkomm’, die Kühe melke und füttere.«

An ihre Zeit in der Schule und kurz danach erinnert sich Zita Diehl noch sehr gern zurück. Lehrer Josef Günzkofer, der schon die Musikkapelle in Otting gegründet hatte, förderte seine begabte Schülerin wo er nur konnte. In der Schule wurde offenbar viel gesungen: »jeden Tag in der Früh und am Schluss«. Schon mit zehn Jahren durfte die kleine Zita in der Kirche singen, und etwas später gab es einen von einem Kooperator gegründeten Kinderchor, bei dem sie natürlich dabei war: Dieser durfte sogar ab und zu beim Sonntagsgottesdienst singen. Und ihr erstes Solo trug sie mit etwa zwölf Jahren bei einem Heimatabend beim Wirt in Holzhausen vor: »Da waren alle recht begeistert«, meint die Sängerin im Rückblick. Schränkt aber gleich ein: »Das ist nicht mein Verdienst, ich hab die Stimme geschenkt gekriegt.«

Jetzt soll dann Schluss sein mit dem Singen

Das Singen war – neben dem Bergsteigen – ihre große Leidenschaft. Und so hat sie sich gefreut, als sie bei einer Pfarrversammlung vor etlichen Jahren für ihre langjährige Mitgliedschaft im Ottinger Kirchenchor geehrt worden war. Jetzt aber, nach ihrem 85., will sie den Kirchenchor zu einer Geburtstagsnachfeier einladen und damit müsse dann Schluss sein mit dem Singen, meint Zita Diehl und erwähnt dabei, dass sie im Frühjahr einen Schlaganfall erlitten hat, der ihre Gesundheit und Kraft doch erheblich beeinträchtigt. Ansonsten wird heute in Sprinzenberg mit der Familie gefeiert, und am Freitag lädt sie Freunde und Bekannte in die Moar-Alm bei Inzell ein, wo sie früher auch des öfteren als Sängerin aufgetreten ist.

Das musikalische Gen hat sich offenbar vererbt. Sohn Andreas spielte eine Zeitlang bei einer Band mit, und Enkel Alex macht ja mit seiner Musik zur Zeit Furore in ganz Deutschland und darüber hinaus. Die Oma freut sich über seinen Erfolg: »Jetzt hat er etwas, das ihn beschäftigt und was das Leben für ihn lebenswert macht.« In diesem Sinn wünscht sie ihm, dass der »Rummel« um ihn noch lange anhält. he