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Das Viadukt kann nicht mehr saniert werden

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Traunsteiner Rat der Weisen, Roten und Farblosen – diesmal ohne Schwarze, die standen für unser Gruppenbild aus der gestrigen Stadtratssitzung zu weit rechts außen. Die kleine Rundung mit Krawatte rechts unten auf dem Bild ist der Körpermitte des Oberbürgermeisters zuzuordnen, der aber nicht mehr ganz auf das Bild gepasst hat. Weil's am gestrigen Unsinnigen Donnerstag in der Stadtratssitzung zeitweise nicht ganz so ernst zuging, wie es der Würde des hohen Hauses zukäme, hat auch das Traunsteiner Tagblatt bei dieser Aufnahme nicht streng auf den Parteienproporz geachtet.

Traunstein. Das Viadukt wird abgerissen. Mit dieser Nachricht schockierte Oberbürgermeister Manfred Kösterke in der Stadtratssitzung am gestrigen Unsinnigen Donnerstag die versammelten Ratsmitglieder. Das Bauwerk, einer der großen das Stadtbild prägenden Objekte in der Großen Kreisstadt, ist marode und akut einsturzgefährdet.


Das haben die Untersuchungen der Bahn ergeben, über die er gestern kurz nach 11 Uhr von Bahnvorstand Volker Grube informiert worden sei. Ein umgehender Abriss sei unumgänglich. Seit Montag vergangener Woche hatten Ingenieure und Brückenbauspezialisten der Bahn die Untersuchungen intensiv vorangetrieben.

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Wie berichtet, ist deswegen die Kammerer Straße (Kreisstraße TS 1) im Bereich des Viaduktes komplett gesperrt worden. Nun sollen auch die Kunstschmiede östlich und das Vereinsheim der DJK Traunstein westlich des Viaduktes geräumt werden, damit kein größerer Schaden entsteht. Das jedenfalls hat das Traunsteiner Tagblatt bei eiligen Recherchen erfahren, die es unmittelbar nach der Stadtratssitzung angestellt hat.

Angeblich hat es schon seit längerem Hinweise gegeben, dass das aus dem 18. Jahrhundert stammende Brückenbauwerk aus Nagelfluhquadern einsturzgefährdet ist. Ex-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, den wir dazu kurz befragten, sagte nur vieldeutig: »Überlegt Euch doch einmal, warum die Nordostumfahrung so schnell gebaut worden ist...«

Aus dem Umfeld seines Nachfolgers Alexander Dobrindt verlautete vertraulich, die Bahnverbindung solle durch eine Tunnelröhre wiederhergestellt werden. Die Aufzüge im Traunsteiner Bahnhof, so teilte der Oberbürgermeister gestern im Stadtrat ergänzend mit, würden nach unten verlängert werden, wo die neuen Gleise nach dem Muster Stuttgart 22 in einer Doppelröhre installiert werden. Die frei werdenden oberirdischen Flächen sollen das Gelände der in Traunstein geplanten Landesgartenschau im Jahr 2022 ergänzen, freute sich das Stadtoberhaupt.

Notwendig werde die Untertunnellierung der Stadt wegen der am 11. November diesen Jahres in Kraft tretenden neuen EU-Umgebungslärmrichtlinie, die dann schon voll Anwendung finden wird.

Bahnreisende werden zwar nicht langsamer zwischen Traunstein und Freilassing unterwegs sein, wenn das Viadukt weg ist; allerdings müssen sie die Unannehmlichkeit des Umsteigens auf sich nehmen. Wie Kösterke gestern im Stadtrat sagte, werde ein Helikoptershuttle eingerichtet mit Stationen am Traunsteiner Güterbahnhof und der Freilassinger Lokwelt.

Die Frage, ob freigewordene ADAC-Hubschrauber, die nicht mehr für den Transport der Motorsportclubbosse benötigt werden, als Verkehrsmittel zum Einsatz kommen, wurde in der Sitzung nicht gestellt und folglich auch nicht vom Stadtoberhaupt beantwortet. Allerdings ließ Kösterke durchblicken, dass die Güterhalle statt zu einem sündteuren Jugendzentrum zu einem Terminal umgebaut werden soll. Da mit einer Bauzeit von elf Jahren gerechnet wird, rechne man auch mit elf Jahren Helishuttle, ließ er durchblicken.

Allgemeine Briefwahl zum Seniorenbeirat

In der Sitzung beschloss der Stadtrat auch, die Wahl des Traunsteiner Seniorenbeirats als allgemeine Briefwahl durchzuführen. Sepp Häusler meldete sich zu diesem Tagesordnungspunkt zu Wort. Er schlug vor, die Senioren sollten die Briefwahlunterlagen selbst austragen, was der Stadt helfe, Geld zu sparen. Für die älteren Mitbürger hätte es den positiven Effekt, dass sie an der frischen Luft sind und sich auch geistig fit halten, wenn sie sich zum Beispiel Namen und Hausnummern merken müssen. Eine Abstimmung zu diesem Vorschlag erfolgte nicht – vielleicht auch deshalb, weil Häusler sagte, die Idee sei ihm an diesem Tag um 11.11 Uhr gekommen.

Ein Dach für den neuen Allwetterplatz

Abgesegnet hat der Stadtrat auch den neuen Allwetterplatz an der Kohlbrennerschule. Das Patent darauf hat, wenn man der Wortmeldung von Waltraud Wiesholer-Niederlöhner glauben darf, natürlich die SPD-Fraktion. Eine diesbezügliche Anmerkung löste bei anderen Ratsmitgliedern wie meistens ein reflexartiges Hufescharren aus, das Ernst Harrecker für die CSU in Worte fasste. Er berichtete von einer Idee, die ihm in etwa zur gleichen Zeit gekommen sei als Sepp Häusler jene mit dem Austragen der Stimmzettel für die Seniorenbeiratswahl.

Man solle den Allwetterplatz doch einfach überdachen, beantragte er. Mit diesem Vorschlag erntete er allerdings nur ein mitleidiges Lächeln des in sportlichen Fragen sehr beflissenen Oberbürgermeisters: »Ein Allwetterplatz heißt Allwetterplatz, weil er bei allen Wettern genutzt werden kann. Deshalb können wir uns ein Dach sparen.« Damit war der Vorschlag abgebügelt. Über den weiteren Verlauf der Sitzung, also über die weniger ernsten Tagesordnungspunkte, werden wir noch vor Faschingsende berichten. -K.O.-