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»Das sind grandiose Zeichen«

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Monsignore Thomas Frauenlob ist auch für die großen deutschen Fernsehsender ein wichtiger Ansprechpartner. Zu Beginn des Konklaves gab er dem ZDF ein Interview (Foto), als sich der neue Papst das erste Mal zeigte, war er als Experte für die ARD auf Sendung.

Er bekommt alles hautnah mit: Monsignore Thomas Frauenlob, der frühere Leiter des Traunsteiner Studienseminars St. Michael, ist seit 2006 Mitarbeiter der Bildungskongregation im Vatikan. Im Telefoninterview mit dem Traunsteiner Tagblatt erzählt der gebürtige Pidinger, wie er die ersten Stunden von Papst Franziskus in Rom erlebt hat.


»Er hat die innere Freiheit des heiligen Ignatius, des Gründers des Jesuitenordens, er hat das Armutsideal des Franz von Assisi und die Entschiedenheit eines Petrus.« Monsignore Thomas Frauenlob zieht den Vergleich zu drei großen Heiligen, um auszudrücken, welchen Eindruck er vom neuen Pontifex, dem bisherigen Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien, bisher gewonnen hat.

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Frauenlob selber kennt den neuen Papst nicht persönlich, er hat auch nicht mit dessen Wahl gerechnet. Dennoch aber hat der Geistliche in der kurzen Zeit, die seit der Wahl vergangen ist, schon sehr intensive Eindrücke von Franziskus gewonnen. Zum ersten Auftritt des Heiligen Vaters auf dem Balkon des Petersdoms sagt er: »Das war erstaunlich. Er nahm nicht das Vorbereitete, sondern entschied eigenhändig, es anders zu machen.« Der neue Papst hatte nicht – wie bisher üblich – die rote Mozetta aus Samt angehabt, sondern war nur mit der weißen Soutane bekleidet gewesen. Und er hatte auch nicht das mit Edelsteinen besetzte Kreuz um, sondern sein eigenes einfaches Silberkreuz: »Das ist ganz erstaunlich«, so Frauenlob, dem man sowohl die Überraschung wie auch die freudige Zustimmung zu den Verhaltensweisen des neues Papstes anmerkt. »Ohne große Geste ist er nur da gestanden – in großer Schlichtheit und Einfachheit.«

Und mit den Überraschungen sei es nach dem Auftritt auf dem Balkon weitergegangen, so der Monsignore. Zunächst stieg der Papst am Abend nach der Zeremonie nicht in die päpstliche Limousine ein, sondern zusammen mit den anderen Kardinälen in den Bus. Und am Donnerstag früh sei er dann, so Frauenlob, in einem unauffälligen Auto in das Quartier gefahren, in dem er vor dem Konklave untergebracht war, habe dort eigenhändig seine Sache zusammengepackt und die Rechnung an der Rezeption bezahlt – mit seinem eigenen alten Geldbeutel. Dann sei er noch in die Küche gegangen und habe sich bei den Angestellten bedankt. »Das sind grandiose Zeichen«, sagt Frauenlob, »das ist einfach großartig. Da kommt eine klare Entschiedenheit und Selbstständigkeit zum Ausdruck.«

Viele Verantwortliche im Vatikan hätten nach der Vorstellung des neuen Papstes wohl nicht mehr besonders gut geschlafen, vermutet Frauenlob schmunzelnd. Andererseits hätten viele Angestellte auch große Hoffnung auf Veränderung.

Letztlich erfüllt es Monsignore Thomas Frauenlob mit Freude, dass jetzt ein Kardinal aus Südamerika auf dem Stuhl Petri sitzt. Das zeige die Flexibilität der Kirche. »Im Prinzip erinnert der neue Papst an Johannes XXIII. Wenn er seine Einfachheit retten kann, dann wäre das toll.« he