Das Seiboldsdorfer Wehr wurde für 500 000 Euro saniert

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Hans Siemer am Seiboldsdorfer Wehr, das die Kraftwerksbetreiber Ende vorigen Jahres mit großem Aufwand sanieren ließen. Ergebnis der Maßnahme ist, dass künftig die sieben Kraftwerke am Mühlbach deutlich mehr Strom aus umweltfreundlicher Wasserkraft erzeugen können.
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Am Seiboldsdorfer Wehr wird die Traun aufgestaut und es wird Wasser für den Mühlbach abgezweigt. In den sieben Kraftwerken, die der Bach speist, wird Strom für etwa 1500 Haushalte erzeugt. Die Luftaufnahme entstand während der Bauarbeiten im Herbst vergangenen Jahres.

Traunstein – Das Seiboldsdorfer Wehr ist mit großem Aufwand erneuert worden. Die Bauarbeiten wurden kurz vor Weihnachten abgeschlossen. Jetzt ist man dabei, die elektronische Steuerung zu optimieren. Ziel ist es, in den sieben Kraftwerken entlang der zusammengelegten beiden Mühlbäche, dem Haslacher Mühlbach und dem Traunsteiner Mühlbach, noch mehr umweltfreundlichen Strom aus Wasserkraft zu gewinnen.


Besserer Hochwasserschutz und höhere Stromausbeute

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Die Menge des erzeugten Stroms hängt von der Wasserführung der Traun ab. Im langjährigen Mittel haben die Kraftwerke im Stadtbereich bis zum Abschluss des Hochwasserschutzes Traunstein Süd im Jahr 2011 etwa 3,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugt. Das entsprach etwa drei Prozent des Strombedarfs im Netzgebiet der Stadtwerke Traunstein.

Nach Abschluss der Maßnahmen, dem Zusammenschluss der Mühlbäche und dem Neubau der Kraftwerke betrug die Erzeugung in den Jahren 2012 und 2013 jeweils rund 4,4 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht etwa vier Prozent des Jahresbedarfs.

Die tatsächlich erzeugte Menge ist jedoch höher, da ein Teil des Stromes zum Beispiel in der Kunstmühle Haslach selbst verbraucht und nicht ins Netz eingespeist wird. Mit der Energie, die entlang des fünf Kilometer langen Baches gewonnen wird, können 1500 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden.

Das Kraftwerk Steber ist das erste nach der Ausleitung des Mühlbaches in Seiboldsdorf. Hier werden etwa 1,5 Millionen kWh erzeugt. Es folgen die beiden Kraftwerke der Firma Gfaller mit zusammen rund 0,5 Millionen Kilowattstunden.

Die gleiche Strommenge erzeugt das Kraftwerk der Stadt am Triftweg; doppelt so viel das Unterwerk II. Die nächste Stromerzeugungsanlage ist am Kniebos das Kraftwerk Walzmühle und das letzte das Unterwerk I. Beide zusammen kommen auf rund 0,9 Millionen kWh.

Rund eine halbe Million Euro haben die Nutzer des Mühlbaches in die Erneuerung des Seiboldsdorfer Wehres investiert. »Bei einem der nächsten großen Hochwasser wäre das Wehr weggespült worden«, ist sich Siemer sicher. Während der Sanierungsarbeiten entdeckte man weit größere Schäden als zunächst vermutet. Allein deshalb sei die Entscheidung richtig gewesen, die Wehranlage zu sanieren. Dass die Kosten am Ende um rund 40 Prozent höher waren als veranschlagt, hat mehrere Gründe.

Um das Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen, war es notwendig, dass die Kraftwerksbetreiber, die projektierenden Ingenieurbüros sowie die beiden Genehmigungsbehörden Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt eng zusammenarbeiten. Vorbehalte und bürokratische Hürden mussten aus dem Weg geräumt werden. Deshalb dauerte die Genehmigungsphase länger als geplant und der vorgesehene Baubeginn, im Zuge des Wehrbrückenbaus im Oktober 2013 musste um ein Jahr verschoben werden. Während der Bauzeit haben die Hochwasser nochmals Schäden verursacht, was die Kosten weiter ansteigen ließ. Großes Augenmerk wurde mit erheblichem finanziellen Aufwand beim Bau auf den Schutz des Fischbestands in der Traun gelegt.

Hochwasser riss Teile der Baustraße in der Traun weg

Ende August hatte man im Flussbett genügend Kies für die Errichtung einer Baustraße. Das Hochwasser am 2. September schwemmte alles fort. Zwei kleinere Hochwasser im September überschwemmten die Baustelle komplett. Dramatisch wurde die Situation beim Hochwasser im Oktober. Ein Teil der Baustraße wurde komplett zerstört, Container mussten mit Ketten gesichert werden. Dann aber blieb das Wetter bis Weihnachten gut und man konnte die Arbeiten abschließen.

»Die Bauerei kostete wahnsinnig viele Nerven«, erzählt Hans Siemer. Den Geh- und Radweg entlang der Traun habe man im Bereich der Baustelle zwar vorschriftsgemäß abgesperrt; das hätten aber viele Radler und Fußgänger ignoriert und die Barrieren umgangen. Einmal wäre ein Fußgänger fast von einer Baggerschaufel erschlagen worden.

Auch Bahnkontrolleure waren im Einsatz. Einer stellte einen Radfahrer zur Rede, der die Baustellenabsperrung überwand und sein Rad am Abend auf dem Bahngleis schob. Als ihn der Mitarbeiter der Bahn zur Rede stellte, meinte der Mann nur, er wisse schon, dass an seinem Radl das Licht nicht an sei...

Von dem Sanierungsprojekt profitieren alle. Es verbessert den Hochwasserschutz; es wurden wertvolle Rückhalteräume geschaffen; eine neue Fischtreppe macht den Fluss für Wasserlebewesen durchlässiger; künftig bleibt mindestens ein Kubikmeter Restwasser in der Traun (bisher 0,8). Und wenn es die Wasserführung erlaubt, können künftig bis zu 10 Kubikmeter pro Sekunde (früher 7,5) für die Stromerzeugung genutzt werden. Der Mittelteil des Wehres ist zuletzt 1939 erneuert worden. Der Beton, den man damals verwendet hat, war nicht besonders gut. Die Jahrhunderthochwasser 2002 und 2013 haben der Wehranlage schwer zugesetzt. Beim Hochwasser am 2. Juni 2013 wurde die Wehrkrone komplett weggerissen. Jetzt schützen acht Zentimeter dicke Bohlen aus Lärchenholz das Betonbauwerk vor Steinen und Felsen. Würden sie auf den »nackten« Beton prallen, dann würden sie diesen beschädigen.

Den Beton mit Holz vor dem Geröll schützen

Solche Schäden zu beheben gelingt dauerhaft, weil man das beschädigte Holz problemlos auswechseln kann. Wenn bei Hochwasser das Geschiebe über das Wehr spült, dann sind besonders die Enden der Bohlen gefährdet. Sie werden jetzt mit Stahlkanten geschützt. Dabei zeigte sich Hans Siemer besonders erfinderisch: Die Stahlschienen, die das Holz auf der Dammkrone schützen, sind aus ausrangierten Eisenbahnschienen geschnitten, die man sich über die Firma Schaumaier besorgt hat.

Mit dem Projekt Mühlbach wurde die Nutzung der Wasserkraft im Landkreis Traunstein weiter gestärkt. Wie der Ehrenpräsident des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke, Regierungsbaumeister Anton Zeller aus Ruhpolding, mitteilte, gibt es jetzt im Landkreis Traunstein mehr als 200 Wasserkraftwerke. Sie erzeugen pro Jahr rund 250 Millionen Kilowattstunden Strom. Damit kann man rund 65 000 Haushalte mit sauberer Energie versorgen. Klaus Oberkandler

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