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Das Schwimmbad in Neukirchen ist gerettet

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Die Neukirchner hoffen nun, dass ihr Bad bald wieder ein Treffpunkt für Jung und Alt wird, wie es hier auf diesem Bild im August 2015 vor dem technischen Defekt der Fall war. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Mit Applaus bedankten sich die rund 30 Mitglieder der »Schwimmbadfreunde Neukirchen« für den Beschluss zur Sanierung ihres Bades in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats. »Besser hätt’s nicht laufen können«, zeigte sich Vorsitzender Johann Helminger nach der Sitzung zufrieden.


Mit 14 zu 3 Stimmen gab der Marktgemeinderat grünes Licht für die Sanierung des Bades für rund eine Million Euro. Zur Kostenminimierung tragen neben mehreren Zuschüssen maßgeblich die 30 000 Euro Kostenanteil des Vereins und die geplanten 3000 Stunden Eigenleistung bei.

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Die Gemeinde hatte im Oktober beschlossen, dem Förderverein und dem Planungsbüro in enger Kooperation miteinander freie Hand zu lassen und selbst bis zu eine Million Euro für die Badsanierung zur Verfügung zu stellen.

Zwei Varianten kamen in die engere Auswahl

Planer Markus Fritsche stellte nun die zwei Varianten vor, die in die engere Wahl gekommen waren: die günstigste Variante, die einen Umbau und eine Sanierung des Funktionsgebäudes mit Vormauerung der bestehenden Alubecken und Folienauskleidung für 1,217 Millionen Euro (jeweils netto) vorsieht, sowie als Alternative eine Variante mit Abbruch und Neubau des Gebäudes.

Nach Rücksprache des Vereinsvorsitzenden mit Handwerkern und genauem Durchrechnen der einzelnen Positionen zeigte sich, dass die Kosten bei beiden Varianten zusätzlich gemindert werden können: bei der Gebäudeneubau-Variante von 1,347 Millionen um 47 000 Euro auf 1,3 Millionen Euro und bei der Sanierungsvariante von 1,217 Millionen um 65 000 Euro auf 1,152 Millionen Euro. Nach Abzug der Zuschüsse – 100 000 Euro wurden durch die Berchtesgadener-Landesstiftung in Aussicht gestellt und 30 000 Euro trägt der Verein – bleiben im ersten Fall 1,170 Millionen Euro und im zweiten Fall nur 1,022 Millionen Euro.

Das Dach ist noch ganz gut erhalten

Große Einsparungen – in Höhe von fast 133 000 Euro – ergeben sich bei der Sanierungsvariante beim Gebäude selbst, weil das Dach noch ganz gut erhalten ist. Ein »Rückschlag« war laut Helminger, als sich zeigte, dass die Technik voraussichtlich 74 000 Euro mehr kostet als geplant. Dem Vorsitzenden ist die am Ende beschlossene Sanierungsvariante ohnehin lieber als die Alternative mit Gebäudeneubau, weil der Verein hier mehr Eigenleistung einbringen kann – 3000 Arbeitsstunden hat er sich vorgenommen. Und weil eventuell auf einen Eingabeplan verzichtet werden kann, da es sich um eine Sanierung im Bestand handelt, sodass das Ganze schneller geht.

Die Summe für die Marktgemeinde soll auf die Haushaltsansätze der kommenden Jahre verteilt werden. 2016 sind 430 000 Euro eingeplant, 2017 mit 520 000 Euro der höchste Teilbetrag und 2018 die übrigen 50 000 Euro. Durch eine Sanierung ergeben sich laut Gemeindeverwaltung »umfangreiche technische Verbesserungen und eine Neustrukturierung von Abläufen rund um den Badebetrieb, die ein jährliches Defizit stark mindern«. Die Bereitschaft des Fördervereins, aktiv und dauerhaft Aufgaben zu übernehmen, bringe zusätzliche Vorteile, und Aktivitäten des Vereins steigerten die Attraktivität des Bades.

Der Verein hat inzwischen 465 Mitglieder, davon 138 Kinder sowie Spenden in Höhe von 23 000 Euro gesammelt. Mit einer zugesagten Spende in Höhe von 5000 Euro durch die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung und eine Internet-Spendensammlung, für die eine heimische Genossenschaftsbank ein Portal zur Verfügung stellt, ist er zuversichtlich, die 30 000 Euro Eigenanteil stemmen zu können. Viele Firmen hätten außerdem Sachspenden zugesagt, berichtete er weiter.

Viele Gemeinderäte würdigten dieses große Engagement des Vereins, »eine gehörige Portion Initiative und Verantwortungsbewusstsein«, meinte zweiter Bürgermeister Norbert Schader (FWG). »Die Kostenaufstellung ist super«, zeigte sich Andreas Neumeier (CSU) begeistert. Auch die Grünen-Räte zollten den engagierten Neukirchnern in der Sitzung großen Respekt.

Schwimmbadreferent Thomas Prechtl (CSU) sieht »Potenzial, dass die Million deutlich unterschritten wird«. Er hofft, dass das Bad wieder ein Treffpunkt für Jung und Alt wird. Prechtl und Georg Quentin (SPD) legen Wert darauf, dass die Gemeinde nach außen als Bauherr auftritt; auf Bitte von Quentin wurde dazu ein Satz in den Beschluss aufgenommen.

Dem Antrag von Peter Schuhbeck, die Abstimmung zurückzustellen und zuerst ein Gesamtkonzept für die zwei Bäder in der Gemeinde zu erstellen, schlossen sich lediglich zwei weitere FWG-Räte – Anita Niederstraßer und Sissy Lang – an. Alle drei lehnten am Ende auch die Sanierung in Neukirchen ab. Niederstraßer begründete ihr Nein damit, dass sie der Meinung sei, dass sich die Gemeinde auf Dauer keine zwei Bäder leisten könne, und für ein Aus in Teisendorf könne sie nicht stimmen.

Im Idealfall soll alles nächsten Sommer fertig sein

Nach dem Ja des Gemeinderats hofft Vereinsvorsitzender Johann Helminger, dass die Gemeinde baldmöglichst einen Planer beauftragt. Im Herbst und Winter wollen die Vereinsmitglieder in Eigenleistung kräftig beim Innenausbau mit anpacken. Wenn die Technik dann im Frühjahr 2017 eingebaut werde, könne man das Bad im Idealfall in der nächsten Saison wieder eröffnen. »Und wenn es ein Jahr später wird, werden sie mich auch nicht lynchen«, meint Helminger schmunzelnd. Wichtig sei, dass es mit dem Neukirchner Bad weitergeht. vm