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Das »Ruinengrundstück« als Sorgenkind von Inzell

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Als »öffentliches Ärgernis«, das schädlich ist für das Image der Gemeinde, bezeichnete Willi Preinfalk den desolaten Zustand des Grundstücks des abgebrannten Hotels zur Post. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Deutliche Worte fand der Inzeller Heimatpfleger Willi Preinfalk bei der Vorstellung seiner Arbeit im Gemeinderat zum »Sorgenkind« des Ortes. Dabei handelt es sich um das Areal des im Mai 2007 abgebrannten Hotels zur Post: Das »Ruinengrundstück« sei ein »öffentliches Ärgernis und auch schädlich für das Image der Gemeinde«. Das zentrale Inzeller Grundstück, für Preinfalk ein Stück der »Seele des Dorfes«, könne unmöglich noch länger im jetzigen Zustand belassen werden. Der Heimatpfleger könnte sich zum Beispiel vorstellen, das Areal vorübergehend bis zu seiner endgültigen Verwertung in eine Grünfläche umzuwandeln, wie er auf Anfrage konkretisierte.


Als weitere künftige Projekte stellte er die angestrebte Haus- und Hofbeschilderung kurz vor. Zudem solle die Stoffsammlung für eine Fortschreibung des alten, bis Ende der 1960er Jahre reichenden Heimatbuches von Josef Höck, das inzwischen digitalisiert wurde, fortgeführt werden. Dafür brauche man ein Redaktionsteam mit einem Profi. In nächster Zeit will der 80-Jährige einen Nachfolger finden, den er einarbeiten kann. Jetzt ist er bereits im Gespräch mit Interessenten. Um in der Schule dem Thema Heimatpflege mehr Raum zu geben, könnte sich Preinfalk unter anderem einen Aufsatzwettbewerb mit einem kleinen Preis vorstellen.

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In Preinfalks Rückblick erhielten die Räte einen Einblick, wie umfassend die Aufgabe des Heimatpflegers ist. Ein Dauerthema bleibe die Wachhaltung der Erinnerung an den Inzeller Komponisten Anton Cajetan Adlgasser, »wobei die Verleihung des Kulturpreises modifiziert wieder auf die Tagesordnung sollte«. In Kürze werde die Gedenkecke für den Komponisten museumsgerecht gestaltet. Der Adlgasser-Freundeskreis habe einen Sponsor dafür gefunden. Für diesen Schaukasten hofft Preinfalk auch Literatur über Adlgasser, unter anderem von einer amerikanischen Musikwissenschaftlerin, sowie sein Taufbuch zu erhalten.

Öfters war auch die Hilfe des Heimatpflegers gefragt, wenn es darum ging, für Landwirte und andere Bürger aufgefundene alte Urkunden, zum Beispiel von Hofübergaben oder Tauschverträgen, oder Briefe in altdeutscher Schrift zu entziffern. Kürzlich tauchten unter anderem 50 bis 60 Briefe auf, die in der Zeit zwischen 1910 und Anfang der 1930er Jahre an Auswanderer nach Amerika geschickt wurden. Bei einem Familientreffen in den USA hatten einige Inzeller diese Briefe mit zurück nach Oberbayern gebracht.

Weiter trug er zur Beschaffung von Unterlagen über das während des Zweiten Weltkriegs am Bauhofgelände (heute Chiemgau-Stift) situierten Dornierwerkes bei, das Flugzeugmotoren produzierte. Die Dokumente seien inzwischen alle im Hauptstaatsarchiv in München.

Auch die Kreuze und Marterl liegen ihm am Herzen: So veranlasste Preinfalk die Restaurierung des Kreuzes am Kreuzbaum an der Bundesstraße (nördlicher Ortseingang), die kostenlos durch die Gebirgsschützen erfolgt sei. Beim »Angerer Kreuz« habe Franz Seibold die Schrift und Georg Koch den Zaun instand gesetzt. Alle Flurdenkmale will Preinfalk mit Unterstützung durch ein Team fotografisch erfassen lassen.

Zwischenzeitlich fotografierte Erwin Ried ehrenamtlich alle Gipfelkreuze der Inzeller Berge für eine Fotobroschüre mit dem Titel »Bergeweise Gipfelkreuze«, von der ein Musterexemplar gedruckt wurde. Hilfestellung leistete Preinfalk zudem für einen Höhlenforscher und Kenner des ehemaligen Bergwerks im Rauschberg aus Gröbenzell, Michael Läntzsch. Eine neue historische Erkenntnis sei, dass der Bergbau am Rauschberg (ab 1559) älter sei als der am Staufen (ab 1585). vm