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Das Ruhpoldinger St. Georgkreuz ging auf Reisen

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Das St. Georgkreuz hat normal seinen Platz über dem Volksaltar in der Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding. Jetzt wurde es für eine Sonderausstellung dem Diözesanmuseum in Limburg temporär überlassen. (Foto: Burghartswieser)

Ruhpolding – Leer ist der Platz seit einigen Tagen über dem Volksaltar in der Pfarrkirche St. Georg geworden. Das hochbedeutende, kirchliche Kunstwerk – das St. Georgkreuz – hat seinen Platz für einige Zeit geräumt und ging auf Reisen.


Wenn nämlich im Limburger Diözesanmuseum vom 4. April bis 28. Juni die Sonderausstellung »Karl Borromäus Berthold: Goldschmied für Gott – und den Teufel« stattfindet, wird das Ruhpoldinger Kreuz diese Ausstellung bereichern und ein »Botschafter aus Ruhpolding« sein.

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Einer der talentiertesten deutschen Goldschmiede

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres stellte der Direktor des Museums, Professor Dr. Matthias Theodor Kloft, bei Pfarrer Otto Stangl ein Leihgesuch für die temporäre Überlassung des St. Georgkreuzes für die Ausstellung, die an den »hervorragendsten Meister in der Geschichte der Goldschmiedekunst des 20. Jahrhunderts«, Karl B. Berthold, erinnert. Der Künstler, der am 21. Dezember 1889 in Rosenheim geboren wurde und am 26. September 1975 in Oberaudorf starb, gilt als einer der talentiertesten deutschen Goldschmiede.

Hauptwerk steht im Frankfurter Dom

Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden zahlreiche Arbeiten für die katholische Kirche, so zum Beispiel sein Hauptwerk im sakralen Bereich, der für den Frankfurter Dom angefertigten Bartholomäusschrein. Dies hinderte ihn jedoch nicht, sich der Ideologie des Nationalsozialismus zuzuwenden. So trat Berthold bereits in den 1920er Jahren dem »Kampfbund für deutsche Kultur« bei und fertigte 1930 einen Ring mit einem edelsteinbesetzten Hakenkreuz, den er Adolf Hitler als Geschenk überreichte.

1933 wurde er zum kommissarischen Leiter der Städelschen Kunstschule in Frankfurt ernannt und entließ postwendend dortige Professoren, wie Max Beckmann oder Willi Baumeister. Diese Karriere im nationalsozialistischen Kulturbetrieb wurde lange Zeit totgeschwiegen. Die jetzige Ausstellung versucht deshalb auch, beide Seiten seiner widersprüchlichen Autobiografie zu beleuchten.

Der damalige Pfarrer von Ruhpolding, Monsignore Roman Friesinger, lernte den Künstler kennen und beauftragte ihn, eine »crux gemmata«, also ein Gemmenkreuz, im Jahr 1969/70 für das Pfarrzentrum zu fertigen, das später seinen Platz über dem Volksaltar in der Pfarrkirche fand. Hunderte von wertvollen Steinen, wie Amethyst, Bergkristall, Rosenquarz oder Aventurin stellte der Seelsorger aus seiner Sammlung zur Verfügung.

»In wunderbar überlegter Stufung sind sie über die Kreuzbalken verteilt, wobei der Schnittpunkt, die Kreuzmitte, durch den bedeutungsvollen Akzent von Bergkristallen ausgezeichnet ist«, beschreibt Ulla Stöver 1970 das Kunstwerk in einer Sonderschrift der Goldschmied-Fachzeitung. hab