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»Das Problem Sucht ist so alt wie die Menschheit«

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Alkoholabhängigkeit ist eine ernst zu nehmende Krankheit, aus der Betroffene alleine oft nicht mehr herausfinden. Der Kreuzbund in Traunstein, eine Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und deren Angehörige, feierte jetzt sein 30-jähriges Bestehen.

Traunstein. Mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Heilig Kreuz und einer Feier in der Aula der Staatlichen Berufsschule I beging der Kreuzbund sein 30-jähriges Bestehen im Landkreis. Der Kreuzbund ist eine Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und deren Angehörige.


Sucht ist seit 1968 als Krankheit anerkannt

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Der Kreisgeschäftsführer der Caritas-Zentren in Stadt und Landkreis Rosenheim, Erwin Lehmann, teilte in seiner Festansprache die Entwicklung in den drei Jahrzehnten in verschiedene Phasen ein. Die erste Kreuzbund-Gruppe sei 1983 gegründet worden, nachdem Sucht bereits 1968 durch ein Grundsatzurteil als Krankheit anerkannt worden sei. Seit den 1960-er Jahren seien Suchtkranke von Caritas und Gesundheitsämtern betreut worden.

1978 sei der sozialpsychiatrische Dienst der Caritas zur Integration in die Gesellschaft gegründet worden. Die Langzeitbehandlung Suchtkranker habe eine hohe Rückfallquote gehabt. Chronisch Suchtkranke seien in der Regel in Heimen untergebracht worden. Suchtkranke sollten »trocken gelegt« werden, der Kreuzbund sie dazu motivieren.

Später habe es die Professionalisierung mit Suchtberatungsstellen gegeben. »Dabei wurde zunehmend auf die ambulante Behandlung gesetzt«, so Lehmann. Die Behandlungsgruppen seien hauptamtlich von den Fachambulanzen der Caritas und ehrenamtlich vom Kreuzbund geleitet worden. Damit habe man jedoch nur zehn Prozent der Suchtkranken erreicht. Die 90-prozentige »vergessene Mehrheit« habe Suchtprobleme gehabt, aber keine Hilfe in Anspruch genommen, weil sie ihre Probleme nicht erkannt habe. Für sie habe es ambulante und stationäre Formen der Hilfe gegeben, mit dem Ziel nicht nur einer Abstinenzentscheidung, sondern auch mit anderen Zielen, zum Beispiel bei Kraftfahrern, die nicht über lange Jahre abstinent leben wollten. Dies sei eine neue Herausforderung für den Kreuzbund gewesen. Seien die Kreuzbund-Gruppen bisher von der Tradition her klassische Abstinenzgruppen gewesen, so hätten sie jetzt auch Mitglieder mit einer vorübergehenden Abstinenzentscheidung.

Die Gründer seien Visionäre gewesen, sagte der Diözesanvorsitzende des Kreuzbunds, Franz Kellermann. »Ohne sie gäbe es den Kreuzbund nicht, weder in Traunstein noch anderswo«, betonte Kellermann. Sie hätten aber keinen Erfolg gehabt ohne Kirche und Kommune. Im Landkreis gebe es zwölf Kreuzbund-Gruppen. Bis heute bestehe eine enge Zusammenarbeit mit der Caritas.

Es sei ein »Grund zur Freude über diejenigen, die sich für die Sache eingesetzt haben«, sagte Oberbürgermeister Manfred Kösterke. »Es ist Zeit geworden, dass Menschen mit Suchterkrankungen selbst etwas für sich tun.« Deshalb sei es eine gute Entscheidung von Stadt und Landkreis Traunstein gewesen, den Kreuzbund zu unterstützen. Menschen, die sich selbst am Schopf gepackt hätten, bräuchten Hilfe. Aber ohne eigene Erkenntnis gehe es nicht. »Das Problem Sucht ist so alt wie die Menschheit«, so Kösterke.

Heuer schon 974 Hilfesuchende

Die Leiterin der Fachambulanz der Caritas, Emöke von Kotzebue-Thiombane, sagte, heuer waren schon 974 Hilfesuchende in der Fachambulanz. Im vergangenen Jahr waren es 1107 Betroffene und 85 Angehörige. Bei den Betroffenen ging es in etwa zwei Drittel der Fälle um Alkohol, das restliche Drittel verteilte sich auf illegale Drogen, Medikamente und Verhaltenssüchte wie Essstörungen oder Glücksspielsucht. »Im Durchschnitt waren es in den vergangenen drei Jahren etwa ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer, die Hilfe bei uns gesucht haben«.

Sucht sei keine Randerscheinung, sie könne jeden treffen, ließ Landrat Hermann Steinmaßl von Kreuzbund-Regionalsprecher Manfred Hirtes übermitteln. Der Kreuzbund bietet Hilfe in jeder Lebenslage an. Dies erfordere viel Motivation. Bei der Prävention und der Therapie sei die Selbsthilfe ein wesentliches Element. Bjr

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