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Das Parkhaus ist in einem schlechten Zustand

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Das Parkhaus an der Scheibenstraße ist in keinem guten Zustand. (Foto: Reiter)

Traunstein – Das Parkhaus an der Scheibenstraße wird nicht saniert. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Traunsteiner Stadtrat. Der Zustand des Bauwerks aus dem Jahr 1996 wird als »noch ausreichend« bezeichnet, die weitere maximale Nutzungsdauer beträgt laut Stadtbauamt fünf Jahre. Das Traunsteiner Tagblatt fragte nach, wie es sein könne, dass das Bauwerk in einem so schlechten Zustand ist, dass sich eine Sanierung vermutlich nicht mehr lohnt.


Grundsätzlich sei die Dauerhaftigkeit von derartigen Bauwerken auf mehr als 20 Jahre ausgelegt, teilte die Stadt in einer schriftlichen Stellungnahme mit. »Es gibt aber keine absolute Gewähr dafür.« Denn es könnten immer wieder Schwachstellen im System entstehen, die den Eintritt von Chloriden ermöglichen und den damit verbundenen Angriff des Bewehrungsstahls fördern würden.

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»Das wirkt sich nun auf die Langlebigkeit aus«

»Aus heutiger Sicht wäre es bestimmt von Vorteil gewesen, zur Verlängerung der Lebenszeit eine sogenannte rissüberbrückende Beschichtung auf den Stahlbeton anzubringen«, teilte die Stadt in diesem Zusammenhang weiter mit.

Denn bereits 2012 waren die Sanierungskosten auf 655 000 Euro geschätzt worden, heute würden diese vermutlich noch deutlich höher liegen.

Um das Parkhaus damals möglichst kostengünstig herzustellen, sei dieses von der Stadt selbst geplant worden. »Auf die kostenerhöhende Fachkompetenz einer Fremdfirma wurde in Konsequenz des Stadtratswunsches nicht zurückgegriffen. Das wirkt sich nun auch auf die Langlebigkeit aus«, so die Stadt in ihrer Stellungnahme.

Das Parkhaus mit 200 Stellplätzen in der unteren Stadt wurde 1996 eröffnet. Die Baukosten für das vierstöckige Gebäude aus Stahlbeton betrugen 4,1 Millionen Mark.

»Das Material entsprach den Vorschriften sowie dem Stand der Technik zur damaligen Zeit«, teilte die Stadt mit. 2006, also zehn Jahre nach Fertigstellung, hat diese eine eingehende Prüfung der Dachkonstruktion durchgeführt. Nach dem Eishallenunglück in Bad Reichenhall seien alle Kommunen aufgefordert worden, ihre Gebäude mit größeren Spannweiten (Dachkonstruktionen) zu überprüfen. »Diesen Forderungen ist man von Seiten der Stadt unverzüglich nachgekommen. Als Schäden an der Konstruktion erkennbar wurden, hat man eine Überprüfung der Baukonstruktion in Auftrag gegeben«, so die Stadt weiter. In den folgenden Jahren seien dann jährlich Überprüfungen vom Stadtbauamt durchgeführt worden.

»Im Jahre 2011 wurde dann eine Sichtprüfung durch eine fachkundige Person durchgeführt. 2016 entstand der Prüfbericht mit eingehender Überprüfung der Bauwerkskonstruktion«, so die Stadt. In diesem wurden unter anderem auch die erheblichen Schäden durch das Eindringen von Tausalzen in den Stahlbeton festgehalten.

Auf die Frage, ob hier nur geprüft, aber nicht gehandelt wurde, teilte die Stadt schriftlich mit: »2012 wurde eine Sitzungsvorlage erstellt, jedoch nicht weiter verfolgt. Auf Veranlassung des damaligen Oberbürgermeisters Manfred Kösterke wurde das Thema nicht im Stadtrat am 26.04.2012 behandelt, stattdessen wurde eine Besprechung bei ihm vereinbart. Über die Ergebnisse der Besprechung liegen uns keine Akten vor.«

»Bauliche Versäumnisse«

Eine frühere Reaktion hätte nach Ansicht der Stadt aber nichts an der Tatsache geändert, »dass das Parkhaus aufgrund von damaligen, baulichen Versäumnissen Schäden erlitten hat. Eine Sanierung wäre immer noch möglich, jedoch stellt sich die Frage, ob dies angesichts der dortigen beengten Parkplätze (für die heutigen größeren Autos nicht zeitgemäß) und aus betriebswirtschaftlicher Sicht noch Sinn macht.«

Der Traunsteiner Stadtrat beschloss einstimmig, das Parkhaus vorerst ohne Sanierung solange zu betreiben, wie es möglich ist. Hinsichtlich der Möglichkeiten, wie mit dem Areal nach »Nutzungsende« des Parkhauses umgegangen wird, sollen Überlegungen angestellt werden. Es könnten laut Stadt folgende Varianten in Frage kommen: Parkhaus doch sanieren, neues Parkhaus errichten oder das Grundstück anderweitig nutzen – zum Beispiel für Wohnbebauung. Das ist zumindest ein Vorschlag im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK. KR

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