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Das Opfer hatte »keine Chance«

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In Traunstein müssen sich drei Männer aus Kolbermoor wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Von einem massiven Faustschlag völlig überrascht worden ist ein 53-Jähriger, als er in der Nacht auf den 8. Juni 2013 seine Wohnungstür in Kolbermoor geöffnet hat. Er hatte eigentlich seine Verlobte erwartet und darum sofort auf das Klingeln reagiert. Dem Faustschlag folgten weitere Hiebe, dazu Tritte, die mehrere Schädelbrüche verursachten, Schnitte in einen Finger und ein lebensgefährlicher Messerstich in den Bauch. Drei Männer aus Kolbermoor im Alter von 45, 28 und 39 Jahren müssen sich seit dieser Woche wegen versuchten Totschlags beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten. Gestern kam das Opfer zu Wort.


Laut Anklage von Staatsanwalt Bernd Magiera hatte das Trio einen ersten Übergriff gegen 2.30 Uhr durchgeführt. Zwei der Angeklagten, der 45- und der 28-Jährige, kehrten eine halbe oder ganze Stunde später zurück, schlugen und traten weiter. Der 28-Jährige soll bei der zweiten Attacke den lebensbedrohlichen Stich geführt haben, bei dem der Dünndarm des Opfers sechsfach perforiert wurde. »Es waren drei Männer. Ich hab´ gewusst, ich hab’ keine Chance. Deshalb hab´ ich mich nicht groß gewehrt«, schilderte der 53-Jährige gestern.

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Vorfall in Lokal noch einmal beleuchtet

Er habe die drei Angeklagten von einem früheren Vorfall gekannt, als er in einem Lokal in Kolbermoor etwa zwei Wochen vorher Ärger mit einer Bedienung hatte – wegen seines Biers, das sie weggeschüttet hatte. Als er sich beschwerte, hätten ihn vier Gäste aus dem Lokal geworfen. Daraufhin habe er Strafanzeige gestellt und Schadensersatz gefordert. Der 53-Jährige wies gestern die Behauptung der Angeklagten zurück, die Bedienung des Diebstahls einer 20 000-Euro-Uhr bezichtigt zu haben. Er besitze keine teure Uhr. Seines Wissens sei der Lebensgefährte der Kellnerin, der 39-jährige Angeklagte, bedrängt worden, sich »zu rächen«.

Vor Gericht erinnerte sich das Opfer an fünf lange Stunden mit Misshandlungen – mit zahlreichen Schlägen, Tritten ins Gesicht, mit Schnitten in seinen Finger »oder ins Herz«, wie einer der Täter zur Wahl gestellt habe: »Da habe ich mich für den Finger entschieden.« Zum Messerstich in den Bau sagte der 53-Jährige: »Ich hatte großes Glück. Eine Bauchschlagader wurde verletzt. Ein Bluterguss verschloss die Wunde.« Der »große Blonde«, gemeint war der 28-Jährige, habe zugestochen. Schmerz gespürt habe er durch den Stich momentan nicht. Zuletzt habe er von dem »Dunkeln«, dem 45-Jährigen, einen Tritt mit einem schwarzen Schuh ins Gesicht bekommen.

Der »Dunkle« sei aus seiner Sicht der Haupttäter. Zwischendurch sei er in jener Nacht immer wieder bewusstlos gewesen. Irgendwie habe er sich gegen 5 Uhr morgens zur Wohnungstüre geschleppt und mit einer Flasche auf den Boden geklopft. Seine Vermieterin habe ihn endlich gegen Mittag gehört. Dann sei er ins Krankenhaus gekommen und dort operiert worden.

Opfer ist immer noch arbeitsunfähig

Zu leicht widersprüchlichen Angaben damals bei der Polizei meinte der 53-Jährige: »Ich hatte einen zermatschten Kopf. Ich bin froh, dass ich die Aussage einigermaßen hinbekommen habe.« Zu seiner zwischenzeitlichen Verfassung meinte der 53-Jährige, er könne zwar wieder schlafen, leide aber immer noch unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und sei momentan noch arbeitsunfähig. Seine linke Schädelseite sei wegen der Titanplatten darin taub. Ob sich das bessere, sei nicht abzusehen. Sein kleiner Finger sei etwas taub und krumm. Mit seinem Darm sei bis heute nicht wieder alles in Ordnung. Sorgen bereite ihm seine innere Unruhe, die ihn erheblich beeinträchtige – vor allem, wenn er nachts alleine in der Wohnung sei.

Der 45- und der 28-Jährige hatten am ersten Prozesstag (wir berichteten) Teilgeständnisse bezüglich jeweils mehrerer Schläge abgelegt. Der 39-Jährige berief sich darauf, er sei vor Beginn der Tätlichkeiten aus der Wohnung geschickt worden. Beim zweiten Komplex sei er gar nicht dabei gewesen. Alle drei gaben an, in der Tatnacht ziemlich betrunken gewesen zu sein und unter Drogeneinfluss gestanden zu haben. Von einem Messerstich wusste angeblich niemand etwas.

Geplant ist, den Prozess am 25., 26., 27. und 31. März jeweils um 9 Uhr fortzusetzen. kd