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Das neue BRK-Gebäude wurde offiziell eingeweiht

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Bürgermeister Rudi Jantke (Mitte) wurde von Kurt Stemmer (links), Kreisgeschäftsführer des BRK Traunstein und Jakob Goess, Rettungsdienstleiter mit der silbernen Ehrenplakette ausgezeichnet. Die gleiche Auszeichnung erhielt auch Hans Hornberger. (Foto: T. Eder)

Grassau – Nach der Unterbringung in einem 25 Jahre währenden Provisorium können der Bereitschaftsdienst und die Rettungswache nun in ihrem großen neuen Gebäude ihren Aufgaben nachgehen. Mit dem Neubau ist der Rettungsdienst für das Achental auf Jahrzehnte gesichert. Bei der Einweihung erinnerte Bürgermeister Rudi Jantke an die Geschichte des Sanitätsdienstes in Grassau. Zudem wurden Bürgermeister wie auch Architekt Hans Hornberger mit der silbernen Ehrenplakette des Bayrischen Roten Kreuzes ausgezeichnet. Vorgestellt wurde auch die Notarztgemeinschaft Achental und die Kleinkindbetreuung »Grassauer Hüpfer«.


Geschichtlicher Hintergrund

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1962 wurde eine Sanitätskolonne Grassau-Achental gegründet. Das erste eigene Gebäude wurde 1965 bezogen. Bis dahin hatte es als Kindergarten gedient. Als Einsatzfahrzeuge dienten damals zwei BMW-Isettas. 1992 zog die Wache in das von der Gemeinde erworbene Einfamilienhaus an der Staffenstraße, wo sie bis zum Einzug ins neue Gebäude blieb. Jantke berichtete über den schlechten Zustand des alten Gebäudes, das sowohl von den Hygiene-Vorschriften wie auch energetisch den Bedürfnissen nicht mehr entsprach. Auch eine Sanierung hätte sehr viel Geld gekostet.

Im Juli 2013 entschied sich der Marktgemeinderat für einen Neubau an gleicher Stelle. Neben den Räumen für Rettungsdienst, Bereitschaft und einer Notarztstation wurden auch Räume für die gemeindliche Kleinkinderbetreuung sowie ein öffentlich zugängliches Behinderten-WC gebaut. Architekt Hans Hornberger habe bewiesen, dass sich Funktionalität und traditionelle Bauweise hervorragend ergänzen, so Jantke. Mit dem Abbruch der beiden kleinen Häuser (BRK-Gebäude und ehemaliges Pfadfinderheim) sei im April begonnen worden. Einzugstermin war dann am 17. Dezember. »Für dieses mächtige Gebäude mit all seinen besonderen Anforderungen für die verschiedenen Nutzungen eine absolute Rekordzeit«, sagte Jantke. Bei veranschlagten 1,35 Millionen Euro Baukosten liege man mit 1,22 Millionen um rund 100 000 Euro unter der veranschlagten Summe.

Das Hochwasser habe manchmal auch etwas Gutes, sagte BRK-Kreisgeschäftsführer Kurt Stemmer. Für das alte BRK-Gebäude in Grassau sei es der Todesstoß gewesen und somit ausschlaggebend für den Neubau. In München sei diskutiert worden, ob der Standort des Rettungsdienstes im Achental zukunftsträchtig sei. In der Hilfsfrist von 12 Minuten müsse jeder Ort von der Einsatzstelle aus erreichbar sein – dies sei von Grassau aus möglich.

Er würdigte die ehrenamtlichen Leistungen in Bereitschaft und Rettungsdienst und lobte die kameradschaftliche Verbundenheit. Schließlich zeichnete er Bürgermeister Rudi Jantke wie auch Architekt Hans Hornberger mit der silbernen Ehrenplakette des BRK aus, da beide sich sehr für die Belange des Rettungsdienstes eingesetzt haben.

Provisorium wich Neubau

Dr. Felix Jahn konnte sich noch gut an die spartanisch ausgestattete Dienststelle im ehemaligen Kindergarten erinnern. »Die alte Wache am Birkenweg war saugemütlich«, schwärmte der Mediziner, der damals als Schüler mithalf. Die neue Unterkunft an der Staffenstraße sollte eigentlich nur ein Provisorium sein, denn die Gemeinde, strebte ein gemeinsames Gebäude für Feuerwehr, Bergwacht und Rotes Kreuz an. Nach einem Vierteljahrhundert habe der Rettungsdienst nun ein funktionelles und geschmackvoll eingerichtetes Haus mit Notarztstation.

Viele Jahre sei eine Notarztgruppe an der Beteiligung der Ärzte gescheitert. Die Kassenärztliche Vereinigung habe alle Ärzte im Achental angeschrieben und seit einem Jahr gebe es nun die Notarztgemeinschaft aus neun Ärzten, die stillschweigend ihren Dienst aufgenommen haben. Dabei engagieren sich zum Teil niedergelassene Ärzte wie auch Krankenhausärzte, Orthopäden, Chirurgen und sogar ein Professor. Seit gut einem Jahr könne der Notarztdienst lückenlos nachts- und auch tagsüber besetzt werden.

1000 Quadratmeter Nutzfläche

Der hauptamtliche Rettungsdienst verfügt laut Architekt Hornberger über 360 Quadratmeter. Im Parterre ist eine Fahrzeughalle für zwei große Fahrzeuge und eine Garage für den Notarzt. Im Oberschoß befinden sich Büro und Aufenthaltsräume (Wohnzimmer und Küche) sowie drei Ruheräume, das Notarztzimmer und ein Zugang zum Lehrsaal. Der Rettungsdienst habe einen eigenen Zugang und Treppenhaus.

Die Bereitschaft darf 165 Quadratmeter ihr Eigen nennen. Neben Büro, Duschen, WCs und einem 60 Quadratmeter großen Lehrsaal gibt es auch eine Gemeinschaftsküche. Das rund 300 Quadratmeter große Dachgeschoß ist über das Haupttreppenhaus erschlossen und hat noch keine Nutzung.

Ebenfalls integriert ist die Kinderbetreuung mit 95 Quadratmetern im Erdgeschoß. An den 60 Quadratmeter großen Betreuungsraum schließen sich eine Küche, ein kindgerechtes WC und ein Wickelraum an. Dieser Bereich sei direkt an den Spielplatz angeschlossen. Das Gebäude hat 1000 Quadratmeter Nutzfläche und 4800 Kubikmeter umbauten Raum, das Grundstück ist 1100 Quadratmeter groß. Durch diese Investition der Gemeinde sei es gelungen, den Rettungsdienst langfristig in Grassau zu halten. Ohne dieses Gebäude hätte es sein können, so Hornberger, dass die Rettung von Traunstein aus anfahren müsse. Was dies für das Achental bedeutet hätte, könne sich jeder vorstellen.

Schließlich erhielt das neue Gebäude noch den kirchlichen Segen von Pfarrers Andreas Horn und dem evangelischen Pfarrer Rainer Maier. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Grassauer Danzlmusik. Während des Tags der offenen Tür hatte die Bevölkerung die Gelegenheit, das Haus in Augenschein zu nehmen. Die Familienstelle im Rathaus wie auch die Mütter der Kleinkindspielgruppe sorgten für Bewirtung. tb