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Das Messer mit Wucht in den Oberkörper gerammt

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Zusammen mit ihrem Verteidiger Dr. Markus Frank aus Rosenheim erschien die 34-jährige Hausfrau gestern vor Gericht. Sie muss sich wegen Totschlags verantworten. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Eine 34-jährige Hausfrau mit Alkohol- und Drogenproblemen soll einen 59-jährigen Bekannten in dessen Wohnung in Rosenheim mit einem einzigen Stich in den Oberkörper getötet haben. Die arbeitslose Rosenheimerin muss sich daher seit gestern wegen Totschlags vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten.


Die Angeklagte ließ gestern ihren Verteidiger erklären, sie könne sich aufgrund von Alkohol und Tabletten an nichts erinnern. Sie wisse nur von einem Streit. Der Bekannte habe Sex gewollt, sie nicht. Töten habe sie ihn jedenfalls nicht wollen, zitierte Dr. Markus Frank aus Rosenheim seine Mandantin. Der Prozess wird am 19. und 26. Oktober, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.

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Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs verwies auf einen Widerspruch: »Wenn die Angeklagte keine Erinnerung mehr hat – woher weiß sie dann, dass sie das Opfer nicht töten wollte?« Dazu wollte sich die 34-Jährige nicht äußern. Sie verweigerte gestern jegliche Angaben. Die Hartz-VI-Empfängerin führte nach Worten der psychiatrischen Sachverständigen Verena Klein bisher ein Leben zwischen Suchtmitteln wie Alkohol und Drogen wie Haschisch, Heroin und Fentanyl, mit Zeiten im Gefängnis und therapeutischen Maßnahmen.

Die Ermittlungen der Kripo Rosenheim nach dem Verbrechen gestalteten sich schwierig. Die mutmaßliche Täterin und ihr Opfer kannten sich nach gestrigen Angaben des polizeilichen Sachbearbeiters schon länger. Die Frau übernachtete immer wieder mal bei dem Bekannten. Eine Beziehung hatten die beiden wohl nicht.

Wohnung als Treffpunkt für das Trinkermilieu

Die Wohnung des 59-Jährigen war beliebter Treffpunkt für Leute aus dem Trinkermilieu. Häufig gab es Beschwerden über Lärm im zweiten Stock in dem Wohnblock. Als es dort zwei Tage auffällig still war, schauten zwei Nachbarinnen nach. Die Wohnungstür stand offen. Die Zeuginnen sahen den Mieter, nach dessen Vornamen sich dann die »Sonderkommission Miro« benannte, reglos am Boden.

Der Kripobeamte berichtete im Gerichtssaal von aufwändigen Ermittlungen und der Vernehmung vieler Zeugen. Erheblich geholfen habe ein Zeuge, »der sein Gewissen erleichtern wollte«: »Er hatte tags zuvor verschwiegen, dass die 34-Jährige zu ihm gesagt hatte, sie habe Miro das Messer rein gerannt. Außerdem sei sie nochmals in der Wohnung gewesen. Der Tote sei noch immer so da gelegen wie am Tag davor.«

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner geht in der Anklage davon aus, dass nach dem Saufgelage mit weiteren Leuten am Tattag gegen 17.30 Uhr noch drei Personen in der Wohnung waren – der 59-Jährige, die Angeklagte und ihr 39-jähriger Freund. Zwischen der 34-Jährigen und dem Mieter kam es zum Streit. Dazu der Kripozeuge: »Sie wollte Wodka. Er sagte, in der Tasse wäre Wodka. Es war aber nur Wasser drin. Es hat sie furchtbar geärgert, dass er sie verarscht hat.«

Klinge des Messers war 20 Zentimeter lang

Gemäß Anklage beruhigte sich die Lage für ein paar Minuten. Dann soll die 34-Jährige von einem Beistelltisch ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge geholt und »in Tötungsabsicht« mit Wucht ein einziges Mal gegen den Oberkörper des 59-Jährigen gestochen haben. Der Stich eröffnete den Herzbeutel und die Körperhauptschlagader. Das Opfer erhob sich, röchelte, fiel zu Boden, wurde bewusstlos und verblutete. Näheres wird der Rechtsmediziner Professor Dr. Wolfgang Keil in dem Prozess ausführen.

DNA-Spezialisten konnten an dem Tatmesser Genspuren nachweisen – an der Spitze Opferblut, am Griff DNA der Angeklagten und des Getöteten. Auch an der Kleidung der Frau fand sich die DNA des 59-Jährigen.

»Theoretisch könnte der Freund der Angeklagten der Täter sein und der 34-Jährigen alles in die Schuhe schieben«, stellte der Vorsitzende Richter gestern in den Raum. Der Kriposachbearbeiter widersprach: »Der Zeuge gilt als besonnen, gutmütig und macht einen guten Eindruck. Er war gegen ihren Konsum von Alkohol und Drogen. Die Angeklagte wird als jähzornig beschrieben. Sie tickt nach übereinstimmenden Aussagen immer wieder aus. Sie rastet grundlos aus und wird aggressiv. Ihr Freund und ein anderer Mann sind von ihr schon mit einem Messer angegriffen worden.«

Der 39-Jährige bestätigte im Zeugenstand, unter Alkohol und Tabletten sei die 34-Jährige »sehr streitsüchtig« gewesen. Sie sei dann »unberechenbar«. Konkret an jenem Nachmittag habe es eine Auseinandersetzung zwischen beiden gegeben – auch wegen des Wodkas. Seine Freundin habe das Messer gegriffen und zugestochen. Hinterher habe es ihr leidgetan, sie habe geweint. Danach habe sie ihn gehindert, die Polizei zu rufen. Am nächsten Tag habe sie ihn gefragt: »Ist er wirklich tot?« kd