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Das Kletzenbrot war früher etwas ganz Besonderes

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Das Kletzenbrot ist ein würzig-süßes Brot, bei dem Trockenfrüchte und Gewürze mit dem Brotteig vermischt werden. Seit einiger Zeit erlebt das Kletzenbrot wieder eine kulinarische Renaissance. (Foto: Schwaiger-Pöllner)
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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: das Kletzenbrot.


Das Kletzenbrot ist ein würzig-süßes Brot, bei dem Trockenfrüchte und Gewürze mit dem Brotteig vermischt werden. Es ist zu kleinen Laiben geformt, aber manchmal auch in Kastenform erhältlich. Das Brot ist dunkelbraun und hat einen saftig festen Teig mit sichtbaren Frucht- und Nussstücken im Anschnitt. Außen ist es meist mit braunen oder weißen Mandeln verziert.

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In unseren Breitengraden war das Kletzenbrot als eines der ältesten Weihnachtsgebäcke zu früherer Zeit eine absolute Delikatesse für Jung und Alt. Es wurde von den Bäuerinnen nur zur Weihnachtszeit gebacken und war vielfach auch ein beliebtes Geschenk. So bekamen zum Beispiel die Klöpfler, die in den drei Donnerstagen von Andreas (30. November) bis Thomas (21. Dezember) von Haus zu Haus zogen, um Glückwünsche für Haus und Hof zu bringen, als Gegenleistung unter anderem so ein Stück Kletzenbrot geschenkt. Der Name »Kletzeigehen« im Rupertiwinkel anstelle von »Klöpfeln« deutet heute noch darauf hin, welche Geschenke die Klöpfler auch dort erwartet und an der Haustüre bekommen haben.

Bauersleute schenkten es an Weihnachten dem Gesinde

Das Hausgesinde bekam das Kletzenbrot von den Bauersleuten direkt an Weihnachten geschenkt. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass in früherer Zeit Süßigkeiten zumindest in ländlichen Regionen absolute Seltenheit waren, von Schokolade und Südfrüchten erst gar nicht zu reden. Da war so ein fruchtig-süßes Brot schon etwas Besonderes.

Seinen Namen hat das Kletzenbrot von getrockneten und gedörrten Birnen, in Bayern »Kletzen« genannt. Die Zusammensetzung der Kletzenbrotmasse hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Waren es am Anfang von den Fruchtzutaten fast nur Birnen und Zwetschgen aus dem hauseigenen Obstgarten, so kamen mit dem Vorhandensein von Südfrüchten und anderen exotischen Früchten zum Beispiel Weinbeerl oder gar Sultaninen, aber auch Feigen und dergleichen mehr dazu.

Neuerdings wird diesem kleinen, feinen Brotlaib mit Frucht und Nussfülle wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie man an den zahlreichen Rezepten von Spitzenköchen sogar im Internet sieht. Auch in den Auslagen der Bäckereien hat sich das Kletzenbrot seinen angestammten Platz wieder zurückerobert.

Das heimische Volkslied besingt es ebenfalls mit treffenden Versen. So heißt es zum Beispiel in einem der Lieder: »Der Raufrost hat si am Fenster gricht, tuat scheene Bleamal maln, und s'Dirndl blast an d'Scheibn und spricht: 'Bua s'Kletzenbrot derfst holn.' Und wenn halt s'Dirndl woaß net recht, den welchern Buam dass's mecht, dann schneidt's halt rundrum s'Loabei o, denn Scherzl san gnua dro.«

Diese Strophe weist darauf hin, dass früher einmal der »Kletzenbrotscherz« – also das Anfangs- oder Schlussstück vom Laib – als Liebesgabe für den erhofften künftigen Bräutigam gedient hat. Die Bäuerin selbst hat sich auch nicht lumpen lassen und die Nachbarin eingeladen, um ihr zu zeigen, dass sie eine tüchtige Hausfrau und obendrein noch eine gute Bäckerin ist. Das beweist folgende Strophe: »Und wia's beim Kletznbrot so is, werd d'Nachbarin aa gladn, da kimmt da scheenste Loab am Tisch, dass's siegt, wia's Zeug is gratn. Und wias halt geht, aa sie versteht's und packt des seine aus. A Loabei hi, a Loabei her, des gibt an kloana Tausch.«

Kathi Greinsberger von den »Fischbachauer Sängerinnen« hat dieses Lied geschrieben, das mit folgender Strophe beginnt:

»Ja wenn's im Winter schee stad schneibt, in Berg und Tal is Ruah, denn um de liabe heili' Zeit geht's net so gnädi' zua. Da ruck ma halt a wengerl zamm und auf d'Nacht, da werd's fei'. Gibt's Kletzenbrot, so vui ma ham und an Johanniwei(n).« fb