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»Das ist Werbung für die Region zum Nulltarif«

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Der Bürgermeister der Gemeinde Seeon-Seebruck, Bernd Ruth, hofft, dass Politik und Bürger wieder näher zusammenrücken. Hinter ihm liegen aufregende Monate der Planung. (Foto: Wannisch)

Seeon-Seebruck – Prall gefüllt mit E-Mail-Korrespondenz, Lageplänen und Informationsschreiben aller Art ist der CSU-Klausur-Ordner von Bürgermeister Bernd Ruth (CSU), der auf seinem Schreibtisch im Rathaus der Gemeinde Seeon-Seebruck liegt. Wenn am Mittwoch die Tagung der CSU-Landesgruppe im Kloster Seeon beginnt, liegen aufregende Monate der Planung für Ruth zurück. Seit es im Sommer, nach einem Besuch von CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, offiziell ist, dass die prestigeträchtige Klausurtagung 2017 erstmals seit Jahrzehnten nicht in Wildbad Kreuth, sondern im Kloster Seeon stattfindet, dreht sich in der Gemeinde und im Arbeitsalltag von Bern Ruth sehr vieles nur noch um das politische Großereignis.


Die Gemeinde steht hinter dem Großereignis

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Das Gemeindeoberhaupt präsentiert seine Gemeinde voller Stolz. »Kloster Seeon hat ein Bergpanorama, wie Kreuth es hat, gar nicht nötig, die Lage des Tagungshotels und der Inselcharakter sprechen für sich«, ist Ruth überzeugt. Dass die Bürger in der Gemeinde, und besonders im Ortsteil Seeon, hinter dem Großereignis stehen, daran musste Ruth nie zweifeln. Der Zuspruch sei von Anfang an da gewesen, »sonst hätten wir das in der Gemeinde auch gar nicht stemmen können«. Um die Außenwirkung der traditionellen Klausurtagung der CSU-Landesgruppe ist sich in Seeon-Seebruck jeder bewusst. Es werden rund 150 Medienvertreter aus dem In- und Ausland erwartet. Die Gemeinde lebt in vielen Bereichen vom Tourismus, »jetzt bekommen wir durch diese Veranstaltung Werbung für die Region zum Nulltarif«, freut sich der Bürgermeister. Die Kosten, die im Zusammenhang mit der Veranstaltung auf die Gemeinde zukommen, seien dagegen ein Klacks. »Wir rechnen mit Kosten in Höhe von maximal 4000 Euro, die vor allem im Bereich Verwaltung und Bauhof anfallen«, schätzt Ruth.

»Kloster Seeon kann das neue Wildbad Kreuth werden«

Natürlich wünscht sich das Gemeindeoberhaupt, dass die Klausurtagung kein einmaliges Gastspiel im Kloster Seeon bleibt. Bisher sei die Abstimmung mit der CSU-Landesgruppe, die die Tagung ausrichtet und auch die Kosten dafür trägt, sehr gut gelaufen. »Jetzt machen wir alles dafür, dass auch die Durchführung im Januar ein voller Erfolg wird«, so Ruth. »Wegen uns kann Kloster Seeon jederzeit das neue Wildbad Kreuth werden«.

Doch der Kommunalpolitiker Ruth knüpft an das Schaulaufen der bayerischen und internationalen Politikprominenz – es werden neben Bruno Kahl, dem neuen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes auch Julian King, der EU-Kommissar für die Sicherheitsunion und Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg erwartet – noch eine ganz andere Hoffnung. »Die Bürger sollen sich wieder mehr mit Politik auseinandersetzen«, wünscht sich Ruth. Die Klausurtagung im Kloster Seeon bietet in seinen Augen für die Bürger »Politik zum Anfassen«. Als Bürgermeister spüre er es in seiner Gemeinde, dass die Bereitschaft, sich auch politisch zu engagieren, sinkt.

Politikverdrossenheit der Bürger ist nachvollziehbar

Doch Ruth findet auch kritische Töne für die Politiker in Berlin. »Die Bundespolitiker aller Parteien müssen der Basis wieder mehr zuhören, viele verkennen, wie die Lage bei den Bürgern wirklich ist.« Entscheidungen würden auf Bundesebene zu oft nach langen, parteipolitischen Grabenkämpfen entschieden, manchmal mit gravierenden Folgen gerade für den ländlichen Raum. »Das sieht man gut am Verkehrschaos in Altenmarkt – seit der Einführung der Lkw-Maut steigt dort dank der vielen Mautflüchtlinge der Schwerverkehr, zum Leidwesen der Bürger.« Ruth könne den Frust und die Politikverdrossenheit an der Basis daher gut nachvollziehen. Daher hofft er auf den guten Geist, der von Kloster Seeon ausgehen, und der Politiker und Bürger in der Sache, jenseits der politischen Gräben wieder näher zusammenbringen möge. vew