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»Das ist wahrscheinlich die schönste Loipe in ganz Bayern«

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Normalerweise ist Bernhard Mayer nachts unterwegs, um die Loipe am Hochberg zu präparieren. Für das Traunsteiner Tagblatt machte er eine Ausnahme und stieg morgens um 8 Uhr in sein »Baby«, eine 400-PS-starke umgebaute Pistenraupe. (Fotos: Reiter)
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Unter der Woche spurt der Traunsteiner nur eine Classicspur (links im Bild), am Wochenende zwei. Die Skater laufen auf der breiter präparierten Fläche.

»So eine Loipe wie jetzt, das ist einfach das Geilste überhaupt«, ist Bernhard Mayer mit seiner Arbeit zufrieden. Der 50-Jährige ist selbst begeisterter Langläufer und spurt jedes Jahr im Winter die Tobias-Angerer-Loipe am Hochberg. Das ist kein Job für Vielschläfer. Meistens ist Bernhard Mayer nachts unterwegs. Zwischen fünf und acht Stunden braucht er, bis die 14-Kilometer-Runde für die Langläufer perfekt hergerichtet ist.


»Das ist mein Baby«, sagt der Traunsteiner mit Blick auf seine Pistenraupe und lacht. Der gelernte Elektrotechniker und Maschinenbauer hat sich die Maschine gebraucht gekauft und entsprechend umgebaut, sodass damit die Langlaufloipe am Hochberg gespurt werden kann. Sein »Baby« ist 8,5 Tonnen schwer, hat 400 PS, zwölf Liter Hubraum, ist sechs Meter breit und zehn Meter lang. In der Stunde braucht die Raupe 30 Liter Diesel.

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»Loipen sollte man in der Nacht spuren«, weiß der Fachmann. »Nur dann wird die Strecke perfekt. Der Schnee muss durchfrieren, das geht nur nachts.« Bernhard Mayer ist im Moment jede Nacht im Einsatz. Denn egal, ob es schneit oder nicht, die Loipe muss hergerichtet werden. »Sonst wirst Du den Schneemassen nicht mehr Herr.« Die Skatingstrecke präpariert er jeden Tag, die Classicrunde alle zwei Tage. Dabei kann er die beiden unterschiedlichen Spuren nicht gemeinsam herrichten. »Das wird nichts Gescheites«, betont Bernhard Mayer, der im Moment nur wenig Schlaf bekommt. Denn morgens muss der 50-Jährige in seine Firma, er hat ein Skiservice-Unternehmen.

Der Traunsteiner präpariert Langlauf- und Alpinski – »ich mache 6000 Paar Ski im Jahr« – für verschiedene Sportgeschäfte und Skiverbände. Sogar aus Amerika bekommt er Rennski zugeschickt. Und auch dem Traunsteiner Langläufer Tobias Angerer hat Bernhard Mayer früher die Ski präpariert, wie der 50-Jährige erzählt. Er habe festgestellt, dass sich die Langläufer sehr voneinander unterscheiden. »Das sind komplett verschiedene Menschen. Der Skater macht Kilometer, schaut auf die Uhr. Der Classicläufer ist ein Genießer. Er hat auch Zeit zum Grüßen.« – Wie zum Beweis läuft in diesem Moment Langläufer Jonas Dobler »klassisch« vorbei – und grüßt. Bernhard Mayer betont, dass am Hochberg viele Profis trainieren, auch aus anderen Nationen.

»Das ist wahrscheinlich die schönste Loipe in ganz Bayern. Da hat der Herrgott einen guten Tag gehabt, als er diesen Platz geschaffen hat«, betont der Pistenraupenfahrer. Es gebe nur wenige Loipen mit einer so tollen Aussicht und einer so langen Strecke – und das für Classic- und Skatingläufer. »Die Leute kommen aus Mühldorf, Altötting, Salzburg und Rosenheim, um hier am Hochberg zum Langlaufen zu gehen. Am Wochenende haben wir 3500 Läufer am Tag.« Für sie schlägt sich Bernhard Mayer, der von der Stadt einen Stundenlohn gezahlt bekommt für seine Arbeit, die Nächte um die Ohren. »Geld kann man damit nicht verdienen. Wenn man nicht einen Vogel hätte, würde man das nicht machen«, sagt er und lacht. »Denn wirtschaftlich gesehen ist das ein absolutes Minusgeschäft.« – Das ihm aber trotzdem irgendwie Spaß macht. Bernhard Mayer ist am Hochberg aufgewachsen, vielleicht liegt es daran. KR