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»Das ist niederschmetternd, das frisst uns auf«

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Traunstein. Knapp 14,2 Millionen Euro muss der Landkreis nächstes Jahr für den Bereich Jugendhilfe aufbringen (wir berichteten). Die Ausgaben liegen bei rund 15,83 Millionen Euro, die Einnahmen bei lediglich gut 1,63 Millionen Euro. Der Kreisjugendhilfeausschuss unter Vorsitz von Landrat Hermann Steinmaßl befürwortete den Anforderungsentwurf gestern ohne Gegenstimme. Das letzte Wort spricht der Kreistag.


Der Landrat merkte an: »Das sind 14 Millionen Euro, die nicht gewünscht, sondern gebraucht werden.« Zu dem von Kreisjugendamtsleiter Franz Feil erläuterten Zahlenwerk stellte SPD-Kreisrat Ernst Ziegler fest: »Das ist niederschmetternd. Das frisst uns auf. Ich kann es nicht verstehen, habe aber auch keine Lösung.« Steinmaßls Antwort: »Wir sind relativ allein gelassen vom Gesetzgeber. Wir hoffen auf neue Chancen durch eine Sozialraumorientierung.«

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Mehrgenerationenhaus und Familienstützpunkte

Einige Haushaltsstellen beleuchtete Franz Feil, zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus in Traunreut. Erwarteten Einnahmen von 45 000 Euro stehen Ausgaben von 72 500 Euro gegenüber, hauptsächlich bedingt durch Personalkosten und Mieten. Dabei ist der von 40 000 auf 30 000 Euro sinkende Bundeszuschuss berücksichtigt.

Die Jugendhilfeverwaltung, deren Personalkosten der Jugendhilfeetat gar nicht enthält, benötigt rund 10 000 Euro zusätzlich für Informationsbriefe an Eltern mit Kindern bis zu 18 Jahren. Mehrausgaben von 80 000 Euro auf 400 000 Euro im Vergleich zu den Ausgaben 2012 verursacht die Jugendsozialarbeit an Schulen. Die fünf Familienstützpunkte, einer davon im Mehrgenerationenhaus, haben nach Feil ihre Arbeit voll aufgenommen. Der Kreis rechnet mit Nettoausgaben von 74 800 Euro bei einem Gesamtumfang von 121 400 Euro.

Das Kreisjugendamt betreute heuer in Vollzeitpflege 128 Kinder, neun mehr als im Jahr zuvor. Das zog Mehrausgaben von rund 200 000 Euro nach sich. Im nächsten Jahr fließen 1,35 Millionen Euro in die Vollzeitpflege, 28 000 Euro mehr als 2012. Der Jugendamtschef berichtete von derzeit 86 Pflegefamilien.

Immer mehr Kinder müssen ins Heim

Leider nicht zu stoppen war der Trend zu steigenden Fällen in der Heimunterbringung junger Menschen, fuhr Feil fort. Ambulante Hilfe reichte häufig nicht mehr aus. Wenn die Betreuung der Kinder zu Hause nicht mehr möglich sei, könne man sie »nicht auf der Straße lassen«. Oft sei es schwierig, ein Heim zu finden, das die Kinder aufzunehmen bereit sei: »Meine Mitarbeiter hängen oft tagelang am Telefon.« Derzeit seien Kinder stationär in Traunstein, Traunreut und Niedernfels, aber auch in Einrichtungen in ganz Deutschland untergebracht. Die Kosten erhöhten sich 2012 um 800 000 Euro auf 3,48 Millionen Euro. Für 2013 seien 3,4 Millionen Euro eingestellt, so Feil.

Finanzielle Folgen hatten »Begleitungen«, Teil der Eingliederungshilfe: »Immer mehr Kinder benötigen wegen ihrer Auffälligkeiten in ihrer Schulzeit einen Einzelbetreuer.« In allen Bereichen der Eingliederungshilfe, ob ambulant, teilstationär oder stationär, erhöhten sich die Fallzahlen. Insgesamt sind 2013 dafür 3,4 Millionen Euro erforderlich.

In der Diskussion forderte Hans Schupfner, Bayernpartei, mehr »Controlling« in der Jugendhilfe. Ein Beispiel sei, dass Heime ihre Bewohner so lange wie nur möglich behalten wollten. Zum enormen Finanzaufwand für die gesamte Jugendhilfe appellierte Burgi Mörtl-Körner, Bündnis 90/Die Grünen: »Das Geld geht an Menschen. Wenn sie ins Leben integriert werden, haben wir viel erreicht. Wichtig ist Prävention – so früh wie möglich.« kd

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