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»Das ist nicht wie bei CSI«

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Ein Großaufgebot von rund 100 Kräften suchte gestern in Bad Reichenhall nach den fehlenden Geldbeuteln der Opfer, der Handtasche der 17-Jährigen und eventuell einer Tatwaffe – in der Berchtesgadener Straße und am Saalachufer, Taucher durchsuchten die Saalach. (Foto: FDL/Kirchhof)

Bad Reichenhall. »Der Fall ist noch nicht geklärt«, sagte Polizeipressesprecher Stefan Sonntag gestern zu Gerüchten, die Polizei habe den Mörder von Bad Reichenhall bereits festgenommen. »Wir haben immer wieder mit Leuten gesprochen, vereinzelt werden dabei auch Zeugen zur Polizei mitgenommen und dort befragt.« Auch Polizeipressesprecher Jürgen Thalmeier, der noch direkter in den Fall eingebunden ist, warnt vor übertriebener Euphorie und zu schnellen Rückschlüssen. In der Nacht zum Montag hatte ein Unbekannter einen 73-jährigen Bad Reichenhaller in der Innenstadt brutal erschlagen und eine 17-Jährige, die mit dem Rad auf dem Heimweg war, schwerst verletzt.


Nach ersten Befragungen des 17-jährigen Mädchens – »wir müssen dabei natürlich immer Rücksicht nehmen auf den Gesundheitszustand« – habe man neue Ermittlungsansätze gewonnen. Aber auch diesen müsse man erst nachgehen, ebenso wie den vielen Hinweisen aus der Bevölkerung. »Die Menschen in Bad Reichenhall leben mit dieser Tat, das ist einerseits positiv, weil sie uns unwahrscheinlich viele Hinweise geben, andererseits sind sie natürlich sehr verunsichert.« Natürlich gebe es schon Hinweise auf Personen, aber »wir haben noch keinen konkreten Tatverdächtigen«, so Thalmeier. Auch die ersten Ergebnisse aus dem Labor seien bereits eingetroffen, und hätten den Verdacht bestätigt, dass es sich bei beiden Taten definitiv um denselben Täter handelt.

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Allerdings warnte Thalmeier im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt vor allzu schnellen Rückschlüssen in jedweder Hinsicht: »Wir haben DNA-Spuren sichergestellt, aber noch ist nicht sicher, dass es die vom Täter ist.« Die Spuren würden zunächst mit der Datenbank abgeglichen, um sie mit bereits straffällig gewordenen Tätern zu vergleichen oder zu sehen, ob sie im Zusammenhang mit anderen Straftaten aufgefallen sind.« Aber auch das muss erst abgeklärt werden: »Das ist nicht wie bei CSI, dass ich das nur vor mich halte und alles über die Tat und den Täter weiß. Das muss alles ganz genau und aufwändig untersucht und von einem Gutachter bestätigt werden, damit es gerichtsverwertbar ist.« Außerdem gebe es ja auch berechtigte DNA-Spuren, etwa von Ersthelfern oder Rettungsdienst. »Die Frage ist, wer hat die Spuren gesetzt und in welchem Zusammenhang?«

Knapp 100 Beamte der Bereitschaftspolizei, einer Tauchergruppe, der Alpinen Einsatzkräfte und Hundeführer waren gestern im Einsatz, um besonders den Bereich an der Berchtesgadener Straße nochmals abzusuchen. Gesucht waren die beiden Geldbeutel der Opfer, die Handtasche der jungen Frau und eine mögliche Tatwaffe.

Die Sonderkommission »14. Juli« wurde inzwischen mit Unterstützung von Beamten der Polizeipräsidien München und Niederbayern sowie des Landeskriminalamts auf etwa 40 Mitarbeiter erweitert. »Wir haben auch die Profiler da von der Operativen Fallanalyse«, so Thalmeier. Auch läuft die Fahndung nach dem Täter unter Führung der Polizeiinspektion Bad Reichenhall weiterhin auf Hochtouren. Daran sind neben den Einsatzzügen Traunstein, Rosenheim und Weilheim auch die Reiterstaffel des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, die Bereitschaftspolizei, die Bundespolizei und die Kollegen aus Salzburg und Tirol beteiligt. coho