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Peter Pauli überwacht mit seinem Team beim Weltcup in Ruhpolding die Strafrunden der Biathleten

"Das ist in Ruhpolding die fünfte Jahreszeit"

Peter Pauli achtet mit seinem Team darauf, dass alle Biathleten beim Weltcup auch ihre Strafrunden absolvieren. (Foto: Brenninger)

Über ein Wiedersehen mit Peter Pauli beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding dürften sich die wenigsten Athleten freuen: Bei den Wettkämpfen ist der 58-Jährige Chef der Strafrunde. Er muss mit seinem Team kontrollieren, dass kein Biathlet eine Runde auslässt.

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Die ehrenamtlichen Helfer – je nach Rennen sind es acht bis zehn – stehen dafür in Zweierteams verteilt an der Strafrunde und notieren die Startnummern der Biathleten, die an ihnen vorbeikommen. Peter Pauli muss diese Nummern dann mit den Protokollen vom Schießstand abgleichen. »Bis zum Zieleinlauf sollten wir damit möglichst fertig sein«, weiß er.

»Es ist äußerst selten, dass etwas nicht passt«

Damit das gelingt, vergleicht der 58-Jährige schon während des Wettkampfs immer wieder die Protokolle. So würde schon früh auffallen, wenn etwas nicht stimmt. Für jede ausgelassene Strafrunde erhalten die Sportler eine Zeitstrafe von zwei Minuten. Absolvieren müssen sie die Runden direkt nach dem Schießen, nachholen können sie diese später nicht mehr. »Es ist aber äußerst selten, dass etwas nicht passt«, erklärt Peter Pauli.

So etwas kommt dann eher bei kleineren Veranstaltungen vor – Peter Pauli ist das ganze Jahr über im Einsatz, wenn Biathleten – egal, ob auf Skiern oder Skirollern – in der Chiemgau-Arena Wettkämpfe austragen, insgesamt an vier bis sechs Wochenende im Jahr. Da kann es schon einmal passieren, dass ein junger Athlet in der Strafrunde wissen will, wie viele Runden er noch drehen muss. »Aber wir dürfen keine Auskunft erteilen«, sagt der ehemalige Abteilungschef der Ruhpoldinger Langläufer. Auch sonst dürfen die Frauen und Männer nicht helfen, wenn beispielsweise ein Athlet stürzt – außer, es ist ein Notfall: »Erste Hilfe leisten wir natürlich schon«, betont Peter Pauli.

Für den 58-jährigen Briefträger macht es keinen Unterschied, ob der Weltcup oder der Schülercup ausgetragen wird. »Die Arbeit muss immer gleich gemacht werden«, sagt er. »Ich muss mich auf mein Team 100-prozentig verlassen können.« Da ist es nicht nur hilfreich, wenn alle Helfer mit »Leib und Seele« dabei sind, wie der Strafrunden-Chef versichert. Wünschenswert sei auch, dass alle die Kampfrichterprüfung abgelegt haben – mindestens alle zwei Jahre müssen die Helfer nach ihrer Prüfung auch eine Fortbildung besuchen, um ihr Wissen aufzufrischen. »Ich gehe schon davon aus, dass die Mitarbeiter auch ein bisschen Ahnung haben«, stellt Peter Pauli klar – so können sie dann auch Fragen der Zuschauer beantworten.

Interesse am Biathlon müssen sie sowieso mitbringen. »Wenn die Leute kein Interesse hätten, würden sie sich nicht den ganzen Tag an die Strafrunde stellen«, ist Peter Pauli überzeugt. Denn dort stehen sie bei Minusgraden ebenso wie bei Regen. Trotzdem hat sich ein festes Team gebildet, das jedes Jahr wieder hilft und genau darauf achtet, welche Biathleten ihre Strafrunde absolvieren. Das kann bei mehreren Sportlern gleichzeitig schwierig sein – manchmal lösen sich zudem Startnummern oder sie sind durch die Bewegung schwer zu erkennen.

Deshalb gibt es natürlich auch eine elektronische Überwachung, dieses Jahr setzt die Mannschaft von Peter Pauli außerdem eine Videokamera ein. Die Aufnahmen sollen auf ein Tablet übertragen werden, damit den Helfern nichts entgeht. »Wir überlegen nach einem Wettkampf immer, was wir besser machen können«, sagt Peter Pauli.

Mit einer Videokamera begann 1994 auch seine Mitarbeit beim Biathlon-Weltcup: Damit half er in den ersten Jahren am Schießstand, mit dem Stadionneubau fiel die Aufgabe weg und er wechselte zur Strafrunde. Wenn in Ruhpolding die Weltcup-Woche ansteht, ist Peter Pauli aber nicht nur an der Strafrunde im Einsatz: Bei der Eröffnungsfeier ist er auch für den Einmarsch der Nationen verantwortlich.

Peter Pauli ist fasziniert vom Biathlon

»Biathlon fasziniert mich«, erklärt der 58-Jährige. »Das ist in Ruhpolding die fünfte Jahreszeit und gehört einfach dazu.« Schon bevor Peter Pauli eine Ruhpoldingerin heiratete – auch seine Frau hilft an der Strafrunde – ging er mit seinem Freund Peter Angerer zu Wettkämpfen. Als seine Tochter mit Langlaufen anfing, engagierte er sich im Skiclub, war Langlauf-Trainer und Abteilungsleiter.

Deshalb fiebert er natürlich besonders mit den Ruhpoldingern und den Stützpunkt-Athleten mit. Einen Einfluss auf die Arbeit an der Strafrunde hat das aber nicht. »Ich gebe mein Bestes und der Beste soll auch gewinnen«, betont Peter Pauli. Die Biathleten sieht der 58-Jährige dann lieber als Briefträger in Ruhpolding wieder. »Natürlich wünscht man keinem Athleten, dass er eine Strafrunde verpasst. Ein Erfolg ist für uns, wenn am Schluss alles gepasst hat.« jom