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»Das ist für Inzell eine einmalige Chance«

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Inzell. Der Kreis scheint sich zu schließen: Franz Scheurls Vater Sebastian war bei der Gemeinde Inzell im Fremdenverkehrsbereich tätig. »Ich habe den ganzen Aufbau des Fremdenverkehrs mitgekommen«, erzählt Franz Scheurl im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt von seiner Kindheit und Jugend in Inzell. Nun hat er selbst das 2007 durch Brand stark beschädigte Hotel zur Post, einst ein touristisches Aushängeschild des Ortes, gekauft. Der gebürtige Inzeller könnte damit eine Wende im Inzeller Tourismus herbeiführen, der sich wegen der desolaten Ortsmitte derzeit schwer tut.


Die ersten 20 Lebensjahre verbrachte der heute 61-Jährige in Inzell; später war er in der ganzen Welt unternehmerisch tätig. Jahrelang beriet er unter anderem Unternehmen in Japan und Fernost, bevor er in den USA ins Uhren-Geschäft einstieg. 1993 gründete der Marketingfachmann die Fossil Europe GmbH mit Sitz in Grabenstätt und baute die Tochterfirma des US-Unternehmens Fossil als Geschäftsführer (bis 2001) erfolgreich auf.

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Jetzt, wo er ein bisschen mehr zum Durchatmen komme, sei ihm erst aufgefallen, wie die Inzeller Ortsmitte immer mehr verödet, sagt Scheurl. Er sei »von Grund auf Inzeller«, betont er. Auch das Grab seiner Eltern sei in Inzell. »Natürlich hängt man an so was.« Bedauerlicherweise sei der Ortskern inzwischen ziemlich entvölkert. Viele Inzeller hätten außerhalb des Dorfes gebaut, zum Beispiel in Gschwall. Das Posthotel habe er weniger aus wirtschaftlichen Interessen, sondern »mehr aus Liebe zur Heimat« gekauft.

»Es wird alles getan, dass alles sehr einvernehmlich mit dem Umfeld gebaut wird«, verspricht der Investor. Bis er der Öffentlichkeit die ersten Modelle und Vorentwürfe präsentieren kann, bittet er noch um zwei bis drei Monate Geduld. »Das Ganze ist sehr schnell gegangen.«

Nach der Urlaubszeit, in der es sehr schwierig sei, jemanden zu erreichen und etwas voranzubringen, möchte er »richtig anpacken« und als ersten Schritt das Erscheinungsbild des Grundstücks attraktiver gestalten. Bauen wolle er in jedem Fall etwas, das Inzell voranbringt, erklärt er. Ob es wieder ein Hotel werde, sei »sehr in der Schwebe«. Bezüglich anderer möglicher Nutzungen – wie beispielsweise ein Wohn- und Geschäftshaus – wollte er sich noch nicht festlegen.

Nach den Vorgesprächen mit dem von der Gemeinde mit einem Gesamtkonzert für die Ortsmitte beauftragten Büro der »Arc Architekten« aus Bad Birnbach, die auch die Fußgängerzone im Umfeld des Hotels Edelweiß in Berchtesgaden gestalteten, hat er ein gutes Gefühl. »Für Inzell ist das eine einmalige Chance«, ist der Käufer überzeugt. Er hofft, dass das Nehmen dieser »ersten Hürde« eine »Initialzündung« ist, »dass wieder mehr investiert wird«.

Wenn alle zusammenarbeiten, könne man innerhalb von ein paar Jahren etwas schaffen, das man dem internationalen Publikum in Inzell präsentieren könne, stellt Scheurl fest. Im Hinblick auf die Beteiligung des Chiemgaus an der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 will er keine Zeit verlieren und hofft auch auf zügige Genehmigungsverfahren. Hier sicherte Bürgermeister Martin Hobmaier gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt bereits jedwede Unterstützung zu. vm