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»Das ist ein Unikat für Traunstein«

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Die Klangläuferpaare, hier Hornist David Fliri mit dem Inzeller Musikschulleiter Heinrich Albrecht, weckten die Neugier der Passanten. Wegen der dunklen Kleidung der Künstler mutmaßten einige Zuschauer aber, es sei jemand gestorben. (Foto: Mergenthal)

Traunstein. Etwas noch nie Dagewesenes war im Rahmen der Kulturtage in der Stadt Traunstein zu erleben: Die Uraufführung einer Komposition, die räumlich die gesamte Stadt und ihre geschichtsträchtigen Orte einbezieht. »Musik für eine Stadt – für sechs Gesangssolisten, sieben Instrumentalisten und eine Stadt« hat der Traunsteiner Patrick Pföß seine Komposition genannt. Das Stück begann an der Chororgel des Papst-Benedikt-Orgelwerks in St. Oswald und endete am Stadtplatzbrunnen, wo sich jeweils eine stattliche Zuhörerschar einfand.


In seiner Einführung erläuterte der Komponist, warum dieses Werk eigentlich nur in Traunstein eingeführt werden kann: Es greift die Töne der sechs Glocken der Pfarrkirche, die Sprachen der drei Partnerstädte Traunsteins und sechs wichtige Themen, die diese Stadt prägen, auf. »Das ist ein Unikat für Traunstein – das ist klar, dass man da als Stadt dahinter steht«, zeigte sich Oberbürgermeister Manfred Kösterke, der mit seiner Gattin zuhörte, begeistert von der Idee.

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Große Spannung baute sich auf, bis Pföß dem Organisten Manfred Müller den Einsatz gab. An der Chororgel stimmte dieser ein Präludium an, das die Grundtöne für das weitere Geschehen enthält. Diese Grundtöne sind die Töne der sechs Glocken der Stadtpfarrkirche. Nach und nach griffen je zwei Klangläufer, ein Sänger und ein Instrumentalist mit Blasinstrument, zwei Töne aus dem Präludium auf, davon jeweils einen Ton aus dem Geläut.

Ein Klangläuferpaar nach dem anderen verließ die Kirche und schlug einen speziellen Weg ein, auch passend zur Klangfarbe der Musiker. So schritten beispielsweise Altistin Christine Mittermaier und Vera Klug an der Piccoloflöte auf dem barrierefreien Weg zum Thema »Wasser« singend und flötend sieben Brunnen der Stadt ab. Andere Gruppen hatten auch Stufen zu überwinden. An einer langen Treppe gewährte Pföß, der selbst als »Zeitgeber« dem Paar »Brot und Bier« voranschritt, Tenor Christoph Hierdeis und Oboistin Inga Däubner eine kleine Verschnaufpause. Die sechs Zeitgeber waren auch als Lotsen und Wasserträger gefordert. Und sie wiesen an den Stationen durch kurze Ansagen auf zentrale Orte hin. So führte der »Salzweg« unter anderem zum ehemaligen Salzstadl und zum Salinengelände, und der Weg »Ämter« spannte einen Bogen vom Rathaus bis zur ehemaligen Festung Schaumburg.

Spontan entschieden die Zuhörer, welchem Paar sie folgen wollten. Der Inzeller Musikschulleiter Heinrich Albrecht verließ mit dem Salzburger Hornisten David Fliri als zweites Paar die Kirche. Mit sonorem, tragendem Bariton schritt er frühere und heutige Bildungszentren ab, darunter die Musikschule im ehemaligen humanistischen Gymnasium. Trotz der ungewohnten Tonfolgen folgte dem Paar eine treue Anhängerschar, wie beim Rattenfänger von Hameln. Aus langen Haltetönen auf die Vokale »a« und »e« entstanden von Station zu Station bewegtere Melodien und ganze Wörter. Bewusst schrieb Pföß keine zusammenhängenden Texte, um den Ort und die Musik stärker wirken zu lassen.

Besonders beeindruckte die Zuhörer die von Pföß dirigierte »Conclusio«, der sechs auf dem Stadtplatzbrunnen verteilten Paare. Selbst wer die Worte »Traunstein erklinge« nicht heraushörte, war bewegt, das Ineinander der Musik und des einkomponierten Angelusgeläuts zu erleben. vm

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