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»Das ist ein bitterer Tag«

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Übersee. Sichtlich betroffen verkündete Übersees Bürgermeister Marc Nitschke im Gemeinderat, dass der Konzern der Deutz AG seine Niederlassung in Übersee mit 157 Mitarbeitern schließt. Alle politischen Bemühungen, das Aus zu verhindern, seien erfolglos geblieben.


»Das ist ein bitterer Tag für die Mitarbeiter, ihre Familien und ganz Übersee«, sagte Nitschke. Die Folgen seien noch nicht absehbar, denn viele Betriebe hätten von der Deutz, einem der größten Arbeitgeber im Ort, profitiert. »Das wird uns alle vor große Aufgaben stellen.«

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Der Kölner Motorenhersteller Deutz mit seinem X-Change-Geschäft von Austauschteilen und -motoren hätte im kommenden Jahr in Übersee sein 70. Jubiläum gefeiert. Bereits vor drei Monaten hatte das Unternehmen angekündigt, eine mögliche Verlagerung des Werkes nach Ulm zu prüfen.

»Beschluss ist uns nicht leicht gefallen«

In der Erklärung des Konzerns, die der Bürgermeister in der Sitzung verlas, heißt es: »Nach einem gründlichen und umfassenden Analyseprozess hat der Vorstand der Deutz AG heute beschlossen, das Austauschmotorenwerk Übersee zu schließen und in das Werk Ulm zu integrieren.« Deutz-Vorstandsvorsitzender Helmut Leube ließ dazu verlauten, »dass uns dieser Beschluss nicht leicht gefallen ist. Aber mit der Konzentration der Austauschmotoren in Ulm schaffen wir die Basis für unsere Wachstumsstrategie im X-Change- und Service-Bereich. Deshalb ist dies aus strategischer Sicht für das Unternehmen die richtige Entscheidung.«

Gemeinsam mit Landtagsabgeordneten Klaus Steiner und Landrat Siegi Walch hatte Bürgermeister Nitschke in den vergangenen Monaten versucht den Standort zu erhalten. »Zuletzt hatten der Betriebsrat und die Gemeinde noch ein Gegenkonzept zur Schließung entworfen, damit das Werk mittelfristig einen Neubau in Übersee umsetzen könnte«, erklärte Nitschke. Noch in der vergangenen Woche seien alle guter Hoffnung gewesen, dass dieser Plan die Wende bringen würde.

157 Beschäftigte von der Schließung betroffen

Betroffen sind von der Schließung des Standortes 157 Beschäftigte. »Es ist unser Ziel, möglichst viele Mitarbeiter für einen Arbeitsplatz in Ulm zu gewinnen«, so die Firmenleitung in ihrer Erklärung. »Dazu werden wir mit dem Betriebsrat individuelle Arbeitszeitmodelle erarbeiten und einen finanziellen Ausgleich für beispielsweise Zweitwohnsitz und Fahrtkosten anbieten.«

»Das kann uns nicht trösten«, bedauerte der Bürgermeister, »denn die meisten Mitarbeiter sind hier verwurzelt und werden dableiben wollen.« Um ihnen zu helfen, stehe er bereits mit dem Verband für Wirtschaftsförderung und dem Landkreis im Gespräch.

Wie die Firmenleitung in Köln bekannt gab, wird die Verlagerung des Werkes nach Ulm stufenweise erfolgen und bis Ende 2015 abgeschlossen sein. bvd

Blattl Sonntag Traunstein