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»Das ist an Dummheit nicht zu überbieten«

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Traunstein. Wegen Widerstands gegen Polizeibeamte, zweifacher Beleidigung und fahrlässiger Körperverletzung kassierte ein 27-jähriger Techniker aus Traunreut gestern vom Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro, somit 6000 Euro. Der einschlägig vorbestrafte, damals doppelt unter offener Bewährung stehende Angeklagte war am Morgen des 5. Februar 2014 gegen 5.20 Uhr bei einer Riesenschlägerei vor einer Traunreuter Diskothek mit von der Partie gewesen.


Als zwei Beamte der Polizeistation Traunreut versuchten, die Streithähne zu trennen, mischte sich der angetrunkene Traunreuter ein und provozierte die Polizisten. Weil er keinen Ausweis dabei hatte, einen mutmaßlich falschen Namen und eine offensichtlich nicht existente Wohnadresse nannte, sollte er mit dem Streifenwagen zur Dienststelle zur Ermittlung seiner Personalien gebracht werden. Dabei kam es zu den angeklagten Delikten.

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Ein 54-jähriger Polizist bezeichnete die Schlägerei gestern im Zeugenstand als »brenzlige Situation«. Sein Kollege und er seien zu dem Lokal gefahren, um die Sperrstunde zu überwachen. Die Disko schließe um 5 Uhr. Je nach Besuch stünden danach 20 bis 50 Leute draußen auf der Straße. Der Zeuge: »Dann schlägt man sich.« So sei es auch an jenem Morgen gewesen. Acht bis zehn Leute hätten sich geprügelt. Mehrere Leute hätten auf zwei am Boden liegende Männer eingeschlagen und -getreten.

»Riesentumult« herrschte vor der Diskothek

Bei Ankunft der Polizei zogen einige Personen vor, zu verschwinden. Vier bis fünf Männer schlugen sich weiter. Der 54-jährige Polizist wollte die Kampfhähne trennen. Er griff sich einen. Das passte dem Angeklagten nicht. Er provozierte die Beamten. Darauf ließ der 54-Jährige den anderen Schläger los und forderte die Personalien des 27-Jährigen. Angesichts des buchstabierten, eigenartigen Namens und einer sicher nicht existenten Wohnanschrift sollte der angetrunkene Angeklagte in das Polizeifahrzeug einsteigen. Der Techniker weigerte sich und wurde in den Wagen geschoben.

Draußen herrschte – so der Zeuge gestern – »ein Riesentumult«. Mehrere Leute drängten sich um das Auto. Als er draußen einen seiner Kontrahenten erblickte, wollte der Traunreuter wieder raus. Der Beamte drückte ihn zurück auf den Rücksitz und wurde dabei leicht am Finger verletzt. Während der Fahrt zur Polizeistation Traunreut bekamen die Zeugen viele Beleidigungen zu hören, darunter: »Machst jetzt einen auf Muschi. Bist wohl ne Muschi. Ihr seid beide Muschis.« Die blutende kleine Wunde versorgte der 54-Jährige selbst mit einem Pflaster. Sein 44-jähriger Kollege bestätigte gestern die Fakten.

Im Gegensatz zu den Polizeizeugen behauptete der Angeklagte, er sei »sehr betrunken« gewesen. Wie viel Alkohol er konsumiert habe, wisse er nicht. Er erinnere sich nur an eine Streiterei. Anlass sei eine Beleidigung gewesen. Man habe herumgeschrien. Eine körperliche Auseinandersetzung verneinte der 27-Jährige.

Sein Vorstrafenregister enthielt 2010 und 2013 jeweils Freiheitsstrafen mit Bewährung wegen Aggressionsdelikten. Im Mai 2013, also vor der jetzt angeklagten Tat, hatte er außerdem nachts gegen 4.30 Uhr von einer Telefonzelle in Traunreut aus die Integrierte Leitstelle in Traunstein angerufen. Er teilte mit, er habe in zwei Lokalen »Bomben gelegt«. Das brachte dem 27-Jährigen im April einschließlich der vorherigen Sanktionen eine Gesamtstrafe von sechs Monaten mit Bewährung ein.

»Ich sehe keine Gründe, die mir Hoffnung geben«

Staatsanwältin Susanne Schatt plädierte gestern im Sinn der Anklage auf fünf Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung: »2013 hat das Amtsgericht ihm nochmals eine Chance gegeben. Dreieinhalb Monate später wird er erneut straffällig. Ich sehe keine Gründe, die mir Hoffnung geben, dass so etwas nicht wieder passiert.« Verteidiger Michael Vogel aus Traunstein beantragte, eine weitere Gesamtstrafe auszusprechen und die alte »nur maßvoll zu erhöhen«. Im »letzten Wort« fasste sich der Angeklagte kurz: »Es tut mir leid.«

»Die Polizeimaßnahmen waren rechtmäßig«, hob Richter Wolfgang Ott im Urteil heraus. Dass »Muschis« eine Beleidigung sei, bedürfe keiner Erörterung. Eine zu verbüßende Freiheitsstrafe, wie von der Staatsanwältin beantragt, sei »nicht unabdingbar notwendig«. Der Widerstand liege im untersten strafbaren Bereich, die Verletzung des Beamten sei geringfügig. Tat- und schuldangemessen sei aus seiner Sicht eine Geldstrafe, hob Wolfgang Ott heraus. Ob eine Gesamtfreiheitsstrafe zu verhängen sei – damit werde sich das Landgericht befassen.

Abschließend richtete Ott deutliche Worte an den 27-Jährigen: »Die Aktion mit der Bombe und jetzt diese Sache – langsam ist meine Geduld am Ende. Was Sie im Suff machen, ist an Dummheit nicht zu übertreffen. Ich möchte Sie hier nie mehr sehen.« kd