weather-image

»Das hier ist schon eine sehr große Hilfe«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Einige ehrenamtliche Helferinnen richten vor der Lebensmittelverteilung die Waren her. Wurst wird in Stücke geschnitten, Obst und Gemüse zum Teil in Tüten verpackt. (Foto: Artes)

Traunstein – Kurz vor Mittag im Pfarrheim St. Oswald. Vor einem Zimmer im 1. Obergeschoß stehen Frauen mit Kinderwagen, Rentner, alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern in einer Schlange. Sie alle warten auf den Beginn der Lebensmittelverteilung, den die Traunsteiner Tafel jeden Freitag für Bedürftige organisiert.


In der Reihe steht auch eine Jugendliche mit ihrer kleinen Schwester. »Heute sind wir am Anfang dran«, erzählt die junge Frau, die anonym bleiben möchte, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. In ihrer Familie leben sechs Personen: sie, ihre Eltern und drei Geschwister. Ohne die Traunsteiner Tafel würde diese Familie wohl nicht über die Runden kommen. »Das hier ist schon eine sehr große Hilfe«, sagt die Jugendliche.

Anzeige

Schon seit 1996 unterstützt die Traunsteiner Tafel Bedürftige in Traunstein und Umgebung, wie die Zweite Vorsitzende des Vereins, Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, berichtet. Rund 300 Personen, darunter viele Familien, alleinerziehende Mütter, aber auch Rentner werden Woche für Woche unterstützt. »Wir leben von Spenden«, sagt Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. Viele Unternehmen und Geschäfte unterstützen den Verein mit Geld- oder Lebensmittelspenden. Besonders dankbar sind die Verantwortlichen für die Unterstützung der Traunsteiner Metzgereien und der Discounter. »Manchmal müssen wir aber auch zukaufen. In letzter Zeit kommt das leider sehr oft vor«, berichtet die Zweite Vorsitzende weiter. Auch wenn der Verein finanziell gut da steht, reißen die Zukäufe ein Loch in die Kasse. Hinzu kommt, dass die Tafel auch den Tafel-Bus finanzieren und dieser regelmäßig betankt werden muss.

Eine große Unterstützung für die Vereinsarbeit sind die 50 bis 60 Ehrenamtlichen. Gerade auch an dem Freitag vor der Lebensmittelverteilung, schließlich müssen diese erst noch vorsortiert werden. Ab 10 Uhr stehen zehn Damen in den Räumen der Pfarrei und sortieren Obst und Gemüse, schneiden Wurst und Käse in Stücke und stellen alles auf Tischen aus. In drei Kühlschränken werden auch Milchprodukte wie Butter, Quark oder Joghurt und Metzgerei-Produkte aufbewahrt. »Die Waren sind alle frisch«, sagt Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. Manche Produkte seien zwar an der Haltbarkeitsgrenze, aber was abgelaufen oder faul ist, wird gleich weggeschmissen.

Im Kontakt mit den Bedürftigen erfahren die ehrenamtlichen Helferinnen viel über die persönlichen Schicksale der Betroffenen. Das sorgt auch bei den Ehrenamtlichen für große persönliche Betroffenheit, vor allem wenn Kinder mit dabei sind, so die Zweite Vorsitzende. Aber gerade aus diesem Grund, versucht die Tafel die Verteilung so anonym wie möglich zu gestalten. Wer auf Hilfe angewiesen ist, braucht lediglich einen Tafelschein, den man bei der Diakonie beantragen kann. Diese Scheine werden monatlich ausgestellt und sind vom Einkommen der betroffenen Personen abhängig. Mit dem Tafelschein kann man dann zur Tafel kommen und erhält dort Lebensmittel.

Viel Kontakt mit den Bedürftigen hat auch Paula Wahnschaffe aus Traunstein. Seit drei Jahren engagiert sich die Rentnerin ehrenamtlich bei der Tafel. »Als ich aufgehört habe mit dem Arbeiten, habe ich etwas gesucht, das Spaß macht«, erzählt sie. Dies hat sie nun mit der Arbeit bei der Tafel gefunden. Wer Interesse hat zu helfen, kann sich bei ihr unter der Telefonnummer 0861/23 48 122 melden. Julia Artes

- Anzeige -