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Das Heimathaus muss dringend saniert werden

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Von außen betrachtet gibt das Traunreuter Heimathaus kein schlechtes Bild ab. Im Inneren liegt aber viel im Argen. Untersuchungen ergaben, dass der Altbau und der Anbau erhebliche Mängel im Bereich des Brandschutzes und der Elektroinstallation aufweisen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Über die Mängel, die bei einer Überprüfung im Heimathaus aufgetaucht sind, staunte der Stadtrat nicht schlecht: Der Brandschutz weist erhebliche bauliche Mängel auf und die Elektroinstallation befindet sich in einem äußerst desolaten Zustand. Nach Ansicht des Projektanten Andreas Silberbauer vom gleichnamigen Traunsteiner Planungsbüro für Energietechnik müsste das Heimathaus aus Haftungsgründen sofort geschlossen werden. Nachdem aber nach Aussagen von Bürgermeister Klaus Ritter das Landratsamt bei der Haftungsfrage im Falle von Sofortmaßnahmen Rückendeckung gegeben hat, soll von einer Schließung Abstand genommen, zwingende Maßnahmen sollen sofort umgesetzt werden. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich die Kosten der Sofortmaßnahmen bei rund 30 00 Euro bewegen. Für weitere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurden insgesamt 320 000 Euro beschlossen.


Laut dem Mehrheitsbeschluss soll auch mit sofortiger Wirkung die Besucherzahl im Heimathaus auf maximal 200 Personen beschränkt werden. Nach Angaben des Heimathauses finden heuer noch über zehn fest gebuchte Veranstaltungen statt, darunter auch ein Kunsthandwerkermarkt. Das Heimathaus besteht eigentlich aus drei Gebäuden: Dem Altbau, einem aus der Gründerzeit Traunreut stammenden sogenannten P-Haus, einem Verbindungsbau und einem Anbau, der in den 1970er Jahren als Provisorium gebaut wurde.

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»Dass es aber so weit fehlt, hätte ich nicht gedacht«

Wie die Verwaltung mitteilte, seien bei einer Überprüfung nach der Versammlungsstätten-Ordnung verschiedene Mängel festgestellt worden. Bei einer daraufhin durchgeführten Nachkontrolle/Feuerbeschau seien zusätzliche Mängel aufgetaucht, die in einem Mängelbericht dokumentiert worden seien. Daraufhin habe die Stadtverwaltung die Ausarbeitung eines Konzepts zur Mängelbeseitigung und zum Brandschutz in Auftrag gegeben. Ergänzend dazu sei auch der Bereich Elektroinstallation untersucht worden. Die Ergebnisse der Untersuchungen für den Brandschutz beziehungsweise der Elektroinstallation, die von den jeweiligen Planungsbüros anhand zahlreicher Fotos vorgestellt wurden, schockten sowohl das Stadtratsgremium als auch die Vertreter des Heimathauses: »Wir wussten, dass Maßnahmen anstehen. Dass es aber so weit fehlt, hätte ich nicht gedacht«, sagte Fritz Bantscheff dem Traunsteiner Tagblatt. Auch Johannes Danner (Bürgerliste), seines Zeichens auch Ortsheimatpfleger, äußerte sich verwundert. »Wir sind davon ausgegangen, notwendige Sofortmaßnahmen durchführen zu lassen und uns hernach Gedanken über eine Grundsanierung zu machen.«

Kettenreaktion ausgelöst

Die bei der Kontrolle festgestellten Mängel sowohl im Bereich des Brandschutzes als auch bei der Elektroinstallation hätten gewissermaßen eine Kettenreaktion ausgelöst, sagte Silberbauer. Vor allem der Stromverteilerkasten stelle nach seinem Ermessen eine Gefahr dar. »Mich wundert, dass der noch nicht ausgebrannt ist.« Nach ersten Schätzungen bewegen sich die Kosten bei der Ertüchtigung der Elektroinstallation auf 120 000 Euro und die Kosten für den Brandschutz bei knapp 200 000 Euro. Würden mehr als 200 Besucher pro Veranstaltung zugelassen, würden die Sanierungskosten wegen der Vorschriften der Versammlungsstätten-Vorschriften auf über 570 000 Euro steigen.

Gremium fühlte sich vor den Kopf gestoßen

Die rund einstündige Diskussion erweckte den Eindruck, dass die Kommunikation zwischen den Projektanten und der Stadtverwaltung zu wünschen übrig ließ. Das Gremium trieb vor allem die Haftungsfrage um. Während Silberbauer eindringlich darauf hingewiesen hatte, dass das Heimathaus aus Haftungsgründen eigentlich sofort geschlossen werden müsste, kam vom Bürgermeister erst viel später die Aussage, dass das Landratsamt bei der Haftungsfrage Rückendeckung gegeben habe, sofern die Stadt die Kosten für eine Gesamtmaßnahme sofort bereitstelle. Deshalb war es auch nachvollziehbar, dass sich das Gremium vor den Kopf gestoßen fühlte.

Für Roger Gorzel (Bürgerliste) ein zweischneidiges Schwert: »Das Landratsamt sagt ja zu einer Notlösung und trotzdem sollen 320 000 Euro eingestellt werden?« Auch Herbert Kusstatscher und Christian Stoib (SPD) sowie Dr. Michael Elsen und Bernhard Seitlinger (beide CSU) trieb die Haftungsfrage um. »Kann das Heimathaus gefahrlos weiter betrieben werden?« »Können die geplanten Veranstaltungen noch durchgeführt werden?« Auf Nachfrage von Ernst Biermaier (FW) wiederholte sich Silberbauer: »Es schaut wirklich nicht gut aus!«

»Ich bin geschockt genug«, sagte Ernst Ziegler (SPD). Bei einem Betrag von 320 000 Euro stelle sich für ihn die Frage, ob der Anbau überhaupt noch erhaltenswert sei. Deshalb sollte man für die Zukunft über einen zweistöckigen Neubau nachdenken, in dem auch das geplante Museum untergebracht werden könnte.

Dass das historische Gebäude (Altbau) erhalten bleiben soll, darüber war sich das Gremium grundsätzlich einig. Obermaier: »Das P-Haus soll erhalten bleiben, aber alles andere sollte weg und durch einen Neubau ersetzt werden.« Nachdem der Bürgermeister die Rückendeckung des Landratsamtes bezüglich der Haftungsfrage bestätigte und der Geschäftsführer der Stadtverwaltung, Josef Maier, darauf drängte, für den Fortbestand 320 000 Euro beziehungsweise für Sofortmaßnahmen 30 000 Euro zu bewilligen, nahm das Gremium die Beschlussvorschlag der Verwaltung bei fünf Gegenstimmen an. Mit der Umsetzung der dringendsten Maßnahmen soll sofort begonnen werden. »Es ist wirklich eine blöde Situation. Jeder weiß um die Wertigkeit des Heimathauses«, so Geschäftsführer Maier. ga