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»Das Geständnis war nicht richtig«

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Ein Mitarbeiter des Gerichts schiebt im Landgericht einen Wagen mit Akten und einem Dachgepäckträger als Beweismittel durch einen Gang. Ein Ex-Wachtmeister muss sich wegen Raubmords an einem Rentnerehepaar verantworten, er soll laut Anklage den Mann erstochen und die Frau mit dem Dachgepäckträger erschlagen haben. (Foto: dpa)

Traunstein – Im Prozess um den Mord an einem Rentnerehepaar haben Sachverständige der Tatversion des Angeklagten widersprochen. Sowohl das rechtsmedizinische als auch das blutanalytische Gutachten kommen zu dem Schluss, dass der Ex-Justizwachtmeister mehrmals mit einem Dachgepäckträger auf die Frau einschlug. »Das Geständnis war nicht richtig«, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag zu dem 58-Jährigen. »Sie haben nicht nur einmal auf die Frau eingeschlagen.« Der mutmaßliche Täter muss sich seit Ende Januar wegen Doppelmordes vor dem Traunsteiner Schwurgericht verantworten. Das Urteil wird für den 5. März erwartet.


Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte ausgesagt, das Metallteil nur einmal an den Kopf der 63-Jährigen geschlagen zu haben. Grundsätzlich gestand er aber, seinen langjährigen Hausarzt und dessen Ehefrau am Pfingstmontag 2014 in deren Ferienhaus in Aschau im Chiemgau getötet zu haben. Die Leichen versteckte er in einem Wald. Von einem Unbeteiligten ließ er 4000 Euro vom Konto des Mediziners abheben, den er mit einem Küchenmesser erstochen hatte. Der 58-Jährige sieht sich als Justizopfer, da ihm zu Unrecht die Betreuung seiner demenzkranken Mutter entzogen worden sei.

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Angeklagt ist der gebürtige Wolkersdorfer aber nicht nur wegen Doppelmordes, sondern auch wegen eines Überfalls mit einem Küchenmesser auf zwei Frauen in Brannenburg. Eine der Frauen war dabei gezwungen worden, ein Mittel zu trinken. Dazu informierte Gutachter Professor Dr. Randolph Penning vom Rechtsmedizinischen Institut an der Uni München, dass es sich dabei nicht um ein »klassisches K.O.-Mittel« handelte, aber um Schlafmedikamente. Bei dem 58-Jährigen hatte der Rechtsmediziner nach der Festnahme am 12. Juni 2014 am ganzen Körper Kratzer festgestellt, die zu Verletzungen beim Ablegen des getöteten Arztehepaares in einem Gebüsch in einem Waldstück bei Samerberg passten.

Seine Erkenntnisse aus dem Blutspurenbild in dem Ferienhaus, in dem Arzt-PKW, den der Angeklagte zum Transport der Leichen benützt hatte, und zum Beispiel auch an dem Auto-Gepäckträger, mit dem die Frau erschlagen wurde, trug der Biomechaniker Dr. Jiri Adamec von der Rechtsmedizin München vor. Eine Kampfhandlung habe es wohl nicht gegeben. Alles sei sehr schnell geschehen.

Zu Wort kam gestern auch ein Architekt, der von der Mutter des Angeklagten 2007 und 2010 jeweils ein Grundstück in Wolkersdorf erworben hatte. Der 57-Jährige zitierte die Mutter mit den Worten: »Mein Sohn braucht Geld.« 2010 verkaufte die Frau ein weiteres Haus, in dem sie selbst ein Wohnrecht hatte. Sie wollte dort weiterhin bleiben. Später wollte der Angeklagte das Wohnrecht für 10 000 Euro veräußern – »weil er Geld brauchte«, wie der Zeuge informierte. Bedenken, ob das rechtens sei, wischte der 58-Jährige vom Tisch. Er sei der Vormund. Doch der 57-Jährige lehnte ab. Der Frau das Wohnrecht weg zu nehmen, habe er als »ungut« empfunden. Seinen Geldbedarf habe der Sohn damals mit Steuerschulden von 700 000 Euro erklärt, weil er Spekulationsgewinne nicht richtig versteuert habe. Seiner Mutter gehörten einst drei Häuser in Wolkersdorf, dazu 15 Grundstücke und Bargeld in Höhe von rund zwei Millionen Mark. Ihr einziger Sohn soll die inzwischen verarmt in einem Pflegeheim lebende Mutter zu Immobilienverkäufen gedrängt und ihr Geld verjubelt haben. Damit war Schluss, als das Betreuungsgericht Rosenheim am 24. März 2014 einen Rechtsanwalt als neuen Betreuer einsetzte. kd