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»Das Gedächtnis und der Appetit san guad«

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Bürgermeister Franz Parzinger reihte sich in die Gratulantenschar zum 90. Geburtstag von Agnes Kneffel ein. (Foto: Rasch)

Traunreut. Wie schafft man es, so alt zu werden, so adrett auszusehen und so fit zu sein? Denn die 90 sieht man Agnes Kneffel nicht an. »Ich habe meiner Lebtag Leute um mich gehabt, habe in der Raiffeisenkasse gearbeitet und die Umstellung zur Bäckerin hat gut geklappt.« Am Dienstag feierte die Seniorchefin der Bäckerei Kneffel in Matzing bei bester Gesundheit ihren 90. Geburtstag. Auch Bürgermeister Franz Parzinger gratulierte mit Blumen.


Bis vor sechs Jahren hat Agnes Kneffel noch fest in der Bäckerei mitgearbeitet, die sie zusammen mit ihrem 1990 verstorbenen Mann Paul vor 55 Jahren übernommen und aufgebaut hatte. Nebenbei zog sie drei Söhne groß und kümmerte sich um den Haushalt. Auch heute versorgt sich die rüstige Seniorin noch weitgehend selbst und erfreut sich bester Gesundheit. »Die Knie mögen nicht mehr so recht, aber das Gedächtnis und der Appetit »san guad.«

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Auch der Doktor sei recht zufrieden mit ihr, sagte sie dem Traunsteiner Tagblatt, das sie seit Jahrzehnten abonniert hat. Die Tageszeitung ist für sie eine wichtige Informationsquelle, auf die sie keinen Tag verzichtet. »Jeden Tag kommt sie Punkt sieben Uhr früh ins Geschäft und liest zuerst die Zeitung«, verriet ihr Sohn Hans, der seine Mutter auch als Stadtrat über das aktuelle kommunalpolitische Geschehen unterrichten muss. Und wenn Agnes Kneffel einmal nicht schlafen kann, schmiedet sie sich zu nachtschlafender Zeit Pläne für den nächsten Tag, die sie fein säuberlich schriftlich festhält. Bei ihrer letzten schlaflosen Nacht sei ihr der Gedanke gekommen, die Tischordnung für ihre große Geburtstagsfeier festzulegen. Schließlich muss alles seine Ordnung haben. Mit ihrer Familie, Freunden und Bekannten will sie ihren Jubeltag groß in Schloss Pertenstein feiern.

Geboren und aufgewachsen in Otterfing (Landkreis Miesbach), arbeitete sie in der örtlichen Raiffeisenbank. Dort lernte sie auch ihren, aus Ostpreußen stammenden, späteren Ehemann Paul kennen. Die Familie zog nach Matzing und pachtete zunächst die damalige Bäckerei Heindl. Später konnte das Ehepaar die Bäckerei dann erwerben. Ein schwerer Schicksalsschlag ereilte die Familie 1977, als ihr zweitältester Sohn bei einem Autounfall ums Leben kam.

Trotz eines arbeitsreichen und vom Schicksal geprägten Lebens hat Agnes Kneffel ihren Humor nicht verloren und blickt zufrieden auf ihr Leben zurück: »Mein Leben war ganz schön... und ist es auch noch«, bekennt sie bescheiden. Ihre große Liebe gilt ihren Vögeln – bis vor kurzem hatte sie auch einige Hasen – und nicht zuletzt ihren Garten, den sie leidenschaftlich hegt und pflegt. Bei den schweren Gartenarbeiten unterstützt sie ihr Sohn Hans, aber alles andere »mach´ ich schon noch selber.« ga