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Das Gebäude ist auch noch zu hoch

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Ruhpolding. Die Planabweichungen in der sogenannten »Schwarzbauaffäre« in Ruhpolding nehmen kein Ende: Ein »Am Zellerberg« errichtetes Gebäude, bei dem in der Vergangenheit bereits festgestellt worden war, dass sich die Bauherrin in einigen Punkten nicht an den Plan gehalten hat (wir berichteten), ist außerdem noch zu hoch gebaut worden! Dies teilte das Landratsamt Traunstein in einem Schreiben an die Gemeinde Ruhpolding mit.


Der Ärger mit dem Neubau hatte mit der nachträglichen Einreichung eines Tekturplanes durch die Bauherrin, die eine leitende Position beim staatlichen Bauamt innehat, begonnen. Dieser Tekturplan enthielt gravierende Abweichungen zum ursprünglichen Bauplan und wurde darum vom Ruhpoldinger Bauausschuss einstimmig abgelehnt. Unter anderem waren ein frei stehender Aufzugsschacht und ein Eisengerüst für eine große Überdachung des Freisitzes errichtet worden. Der ehemalige stellvertretende Kreisbaumeister und jetzige Berater der Gemeinde in Baufragen, Christian Wurmannstätter, empfahl damals der Gemeinde, den Bau über das Landratsamt »förmlich einstellen zu lassen«, dem allerdings das Landratsamt nicht nachkam – mit der Begründung, die Arbeiten seien bereits abgeschlossen und könnten deshalb nicht mehr eingestellt werden. In einem jetzt bei der Gemeinde eingegangenen Schreiben ist die Bauaufsicht des Landratsamtes gar der Ansicht, dass von den zehn festgestellten Abweichungen einige durchaus nachträglich genehmigungsfähig seien. Allerdings könne die Änderung der Dachüberstände und die nun festgestellte Überschreitung der Wandhöhe – man spricht von 1,40 Meter – nicht hingenommen werden, so das Landratsamt.

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Jetzt muss die Bauherrin den Tekturplan aktualisieren lassen und bis zum 2. Juli bei der Gemeinde einreichen. Auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts bei Bürgermeister Claus Pichler sagte dieser, dass auch er auf die »korrekte Darstellung des Tekturplanes« bestehe und die Ortsatzung eingehalten werde. Auch das Landratsamt fordere die Berichtigung des Planes. Ihm sei wichtig, dass die einzelnen Bauwerber nicht schlechter, aber auch nicht besser behandelt werden, so Pichler. »Mit geht es in diesem Zusammenhang darum zu klären, was rechtlich möglich ist. Ich möchte von höchster Stelle wissen, was geht und was nicht«.

Auf die Frage, ob eine örtliche Bausatzung überhaupt noch einen Sinn mache, wenn man dann offenbar doch so bauen könne wie man will, meinte der Rathauschef: »Es wird momentan alles in Frage gestellt, aber wir pochen auf die Einhaltung und die tatsächliche Darstellung des Baukörpers.« Der Bauausschuss sei für alle Vorschläge offen, sich aber in diesem Fall einig. Er erwarte aber auch gerade von einer Fachfrau, dass die Vorschriften eingehalten werden. »Derzeit passt da gar nichts mehr zusammen«. Er halte es für ein »Husarenstück und Dreistigkeit, wenn in der Tektur solche Schnitzer drin sind«. Angesprochen auf die Verhältnismäßigkeit meinte Pichler, er halte sogar den Rückbau für möglich. »Ich kann aber noch nicht einschätzen, wie die Gerichte darüber entscheiden und was auf uns zukommt«. Es bleibt jedenfalls spannend! hab

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