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»Das Ergebnis ist offen«

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Gut ausgestattet mit Isomatten, Decken und warmer Kleidung und gegen den Regen geschützt durch Schirme saßen die Flüchtlinge auch gestern noch auf dem Dorfplatz in Bergen. (Foto: Effner)

Bergen – Auch gestern haben die 21 Flüchtlinge, die von Bergen nach Petting ziehen sollen, und Mitglieder des Helferkreises auf dem Dorfplatz ausgeharrt. Trotz Kälte und Regens wollen sie dort bleiben. »Das Ergebnis ist offen«, sagte Monika Berlitz vom Helferkreis.


Wie mehrfach berichtet, wurde der Vertrag mit der Asylbewerberunterkunft zum 31. Mai aufgelöst. Die Flüchtlinge hätten deshalb am Mittwochnachmittag mit dem Bus in eine neue Unterkunft nach Kühnhausen bei Petting gebracht werden sollen. Da sie Angst haben, dort abgelegen und ohne Integration leben zu müssen, wollen sie Bergen nicht verlassen und sind nicht in den Bus gestiegen.

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Auch der Helferkreis verbrachte Nacht im Freien

Schon in der ersten Nacht sei die Hilfsbereitschaft sehr groß gewesen, am Morgen wurden von einigen Bergenern Frühstück vorbeigebracht und Kaffee, so Monika Berlitz. »Aber auch wir vom Helferkreis haben die Nacht im Freien verbracht und dafür gesorgt, dass die Flüchtlinge mit Decken versorgt wurden. Mit uns fühlen sie sich sicherer.« Auch in den kommenden Nächten soll es so weitergehen. »Das soll ein Signal der Flüchtlinge an das Landratsamt sein, dass es ihnen ernst ist«, so die Helferin weiter. Die Flüchtlinge wollen in eine Unterkunft, wo es leichter sei, Kontakt zu anderen Menschen zu schließen. Laut der Helferin sei dies aufgrund der Lage in Petting nicht möglich.

Sollten sich die Flüchtlinge trotzdem entscheiden, nach Petting zu fahren, so müssten sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen, sagt Roman Schneider, Pressesprecher vom Landratsamt. »Eine neue kostenlose Fahrtmöglichkeit wird vom Landratsamt Traunstein nicht angeboten.«

Flüchtlinge erhalten keine Leistungen mehr

Das Haus in Petting sei laut Schneider jederzeit bezugsfertig. »Es entspricht einer angemessenen, sehr gut ausgestatteten Unterkunft für Menschen, die bei uns Schutz und Sicherheit suchen.« Die Unterbringung der Asylbewerber aus Bergen sei alternativlos.

Wie Schneider weiter mitteilt, ist inzwischen nicht mehr die Gemeinde Bergen, sondern Petting für die Flüchtlinge zuständig. »Das bedeutet, die Flüchtlinge erhalten in Bergen auch keine Leistungen mehr nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.« Die Auszahlung sei laut Schneider ausschließlich in der Gemeinde Petting möglich.

Inzwischen gibt es in Bergen aber nicht nur Zuspruch für die Helfer, sondern auch deutliche Kritik. Betroffen sind die Fußballer des TSV Bergen, bei denen einige Flüchtlinge Fußball spielen, und die diese jetzt unterstützen. Auf der Facebook-Seite des Vereins schrieb ein Unbekannter: »Sagt mal, seid ihr eigentlich auch bei deutschen Hartz-IV-Empfängern so solidarisch, die wegen einer zu teuren Unterkunft oder Miete in eine andere Wohnung müssen? Dass ich da noch nie was gehört habe von euch?« Die Fußball-Abteilung hat bereits reagiert und schreibt dazu, dass man sich immer für in Not geratene Mitglieder einsetzen werde. »Dies geschieht unabhängig von Herkunft, Nationalität und Hautfarbe der Person, sowie unabhängig von dem Missstand der dieser Person widerfährt.«

Dauer der Aktion hängt auch vom Wetter ab

Wie lange die Flüchtlinge noch auf dem Dorfplatz bleiben wollen, hängt laut Monika Berlitz auch vom Wetter ab. Man wolle es nicht in Kauf nehmen, dass jemand krank wird. Unklar ist bis jetzt auch, wie lange die Gemeinde Bergen diesen Zustand zulässt. Bürgermeister Stefan Schneider war gestern wegen anderer Termine telefonisch nicht erreichbar. jar/OH