weather-image

"Das Ergebnis ist ein Super-GAU" – das sagen die Politiker aus dem Stimmkreis Traunstein

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Für den Wahlkreis Traunstein werden in den Landtag einziehen Klaus Steiner von der CSU und Gisela Sengl von den Grünen. Schaffen könnte es über die Liste auch Markus Plenk von der AfD. (Foto: Reiter)

Die mehr als 200.000 Wahlberechtigten in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land haben ihre Stimme abgegeben: Wieder in den Landtag einziehen werden für die CSU Klaus Steiner und Michaela Kaniber. Sie holten jeweils das Direktmandat in ihrem Wahlkreis. Den Sprung ins Bayerische Parlament schaffen wird über die Liste auch Gisela Sengl von den Grünen. Das könnte auch Markus Plenk von der AfD gelingen.

Anzeige

Im Stimmkreis Traunstein waren rund 114.800 Bürger aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Das waren rund 2000 Bürger mehr als bei der Wahl 2013. Die Wahlbeteiligung in der Region war hoch, sie betrug 72,58 Prozent.

Im Stimmkreis Berchtesgadener Land, zu dem auch die Städte und Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Tittmoning, Taching, Waging und Wonneberg gehören, durften 94.800 Bürger an die Wahlurne treten – rund 1000 mehr als 2013.

Als Erstes trafen am Sonntag um 19.47 Uhr im Landratsamt Traunstein die Ergebnisse aus der Gemeinde Schleching ein. Am längsten dauerte das Auszählen in Nußdorf. Das Ergebnis war um 21.32 Uhr da. Im Landratsamt in Bad Reichenhall lief das erste Ergebnis gegen 19.40 Uhr aus der Gemeinde Kirchanschöring ein.

 

 

MdL Klaus Steiner erhält 36,52 Prozent

Klaus Steiner (CSU) wird den Wahlkreis Traunstein in den kommenden fünf Jahren wieder im Landtag vertreten. Der Überseer holte das Direktmandat. Er bekam 36,52 Prozent der Erststimmen, deutlich weniger als noch bei der Wahl 2013. Ein gutes Ergebnis erzielten auch die AfD, die erstmals bei der Landtagswahl antrat, und die Freien Wähler. Deutlich zulegen konnten die Grünen, bei Gisela Sengl und ihren Mitstreitern herrschte Freude pur.

Anders sah das bei der CSU aus. Dem landesweitem Trend folgend verlor die Partei auch im Wahlkreis Traunstein. Klaus Steiner (CSU) hatte vor fünf Jahren 51 Prozent der Erststimmen bekommen, dieses Mal waren es 36,52 Prozent. Der Anteil der Zweitstimmen, den die CSU bekam, lag 2013 bei über 57 Prozent. Heuer lag der Zweitstimmen-Anteil der CSU bei 42,09 Prozent.

Klaus Steiner (CSU)

»Das Ergebnis ist für die CSU eine Katastrophe, ein Super-GAU«, betonte Klaus Steiner. »Der größte strategische Fehler war es, in dieser Situation nicht geschlossen aufzutreten.« Steiner kritisierte das Hick-Hack zwischen Söder und Seehofer. Gleichzeitig warnte er davor, »vorschnell den Rücktritt von CSU-Parteichef Seehofer zu fordern«. Die CSU habe viel erreicht, aber in der subjektiven Wahrnehmung der Bevölkerung sei das anders angekommen.

Gisela Sengl (Grüne): »Das Ergebnis ist überwältigend«

Große Freude herrschte dagegen am Wahlabend bei den Grünen. Gisela Sengl aus Sondermoning bekam 19,26 Prozent der Erststimmen (2003: 12,8) und der Zweitstimmenanteil der Grünen stieg von 8,78 Prozent auf 17,55. »Das Ergebnis ist überwältigend. Man sieht, Bayern ist ein weltoffenes, liberales Land. Wir haben es geschafft, ein Zeichen zu setzen.« Eine Koalition mit der CSU kommt für Sengl nur in Frage, wenn sich die CSU von ihrer autoritären, antieuropäischen Haltung verabschiedet.

Sepp Parzinger (SPD)

Die SPD mit ihrem Direktkandidaten Sepp Parzinger aus Bergen kam auf 7,48 Prozent der Zweitstimmen, und Parzinger erhielt 8,19 Prozent der Erststimmen. Zum Vergleich: 2013 kamen die Sozialdemokraten im Landkreis noch auf 18 Prozent der Zweitstimmen und ihr damaliger Direktkandidat Dirk Reichenau erhielt 13 Prozent der Erststimmen. Sepp Parzinger zeigte sich im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt nach den ersten Hochrechnungen in Bayern sehr enttäuscht. Trotzdem gibt er der Großen Koalition in Berlin noch eine Chance, »wenn sie endlich anfängt, die wichtigen Themen anzupacken, wie Rente, Pflege und den Arbeitsmarkt«. Für den stellvertretenden Landrat Sepp Konhäuser »war es ein Fehler, dass wir in die Regierung gegangen sind. Die Grünen konnten punkten, weil sie nicht in der Regierung sind«, ist Konhäuser überzeugt.

Landrat Siegfried Walch: »Ein bitterer Abend«

Landrat Siegfried Walch sprach von einem »bitteren Abend für die CSU«. Das sei ein wirklich herber Verlust. »Wir müssen wirklich schauen, dass wir das Vertrauen der Bürger wieder zurückbekommen. Da können wir jetzt nicht sagen, 'das passt schon'.« Es müsse vor allem geschaut werden, welche Umstände dazu beigetragen haben, dass das Ergebnis nun so aussehe. »Da darf es keine Denk- und Redeverbote geben«, betonte Walch, der es auch schade findet, dass die SPD so schlecht abgeschnitten hat. »Für die Demokratie ist es ganz schlecht, wenn eine sozialdemokratische Partei so schwächelt.«

Freie Wähler und AfD

FW-Kandidat Dr. Lothar Seissiger und AfD-Kandidat Markus Plenk waren am Wahlabend nicht zu erreichen. Seissiger war Briefwahlvorstand und Plenk im Landtag in München.

Dr. Lothar Seissiger von den Freien Wählern trat auch vor fünf Jahren schon als Direktkandidat an. Der Siegsdorfer bekam damals rund 9 Prozent der Erststimmen, dieses Mal waren es 11,90 Prozent. Der Zweitstimmenanteil lag bei 9,66 (2013: 5,03 Prozent) – ein großer Erfolg für die Partei.

Dr. Lothar Seissiger (Freie Wähler)

»Ich freue mich natürlich, dass die Freien Wähler so ein gutes Ergebnis erzielt haben«, betonte Seissiger im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Es ist schön, dass uns viele Wähler ihr Vertrauen geschenkt haben.« Trotzdem ist der Siegsdorfer etwas enttäuscht. »Nachdem ich nur auf Platz 22 der Liste stehe, wird es für mich für den Landtag nicht reichen«, so Seissiger. »Ich hätte mich gerne für die Region eingesetzt.«

Die meisten Stimmen bekam der Arzt in seiner Heimatgemeinde Siegsdorf mit 20,44 Prozent der Zweitstimmen und 11,46 Prozent der Zweitsimmen. Auf die Frage, was die Freien Wähler richtig gemacht haben, betonte Dr. Lothar Seissiger: »Wir stehen für Regionalität auf allen Gebieten. Das war unser Hauptthema. Und gerade bei einer Landtagswahl spielt die Regionalität eine ganz große Rolle.«

Erstmals zur Wahl angetreten ist die AfD. Markus Plenk aus Ruhpolding bekam 9,48 Prozent der Erststimmen und seine Partei kam auf 8,62 Prozent. Der Ruhpoldinger bekam die meisten Stimmen in Traunreut, gefolgt von Tacherting und Surberg. Leider war der AfD-Kandidat, der gute Chancen hat, über die Oberbayernliste in den Landtag einzuziehen bislang nicht für unsere Zeitung zu erreichen.

Bayernpartei

Die Bayernpartei ging mit Direktkandidat Markus Schupfner aus Anning ins Rennen. Sie erhielt 4,66 Prozent der Zweitstimmen, ihr Direktkandidat Markus Schupfner 5,47 Prozent (2013: 5,14/3,18).

FDP

Die FDP bekam 3,55 Prozent der Zweitstimmen und Dr. Walter Buggisch aus Bergen 3,78 Prozent der Erststimmen. Zum Vergleich: 2013 waren es 2,27 und 2,31 Prozent.

Die Linke

Die Linke erzielte vor fünf Jahren ein Ergebnis von 1,81 und 1,52 Prozent. Heuer kam Michael Reiter auf 2,82 Prozent der Erststimmen und Die Linke im Wahlkreis auf 2,60 Prozent.

Weitere

Die ÖDP mit Sven Krische aus Siegsdorf kam auf 1,12 Prozent. Der Vetriebsleiter konnte 1,03 Prozent der Erststimmen auf sich verbuchen.

Neu dabei waren im Wahlkreis Traunstein neben der AfD auch die Tierschutzpartei und die Partei mut. Sabrina Teifel (mut) aus Reit im Winkl bekam 0,55 Prozent der Erststimmen und ihre Partei 0,53 Prozent. Die Tierschutzpartei mit Manfred Reithmayer (1,00 Prozent der Erststimmen) aus Kirchheim erzielte 0,93 Prozent.

Der Stimmkreisausschuss tritt am Mittwoch um 17 Uhr im Landratsamt Traunstein zu einer Sitzung zusammen und stellt die endgültigen Ergebnisse der Landtags- und Bezirkswahl 2018 im Stimmkreis 130 Traunstein fest. Die Sitzung ist öffentlich. KR/jar/vew/red

 

Wetter