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Das eisige Wetter und seine Folgen

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Bisher ist am Chiemsee erst eine leichte Eisbildung zu beobachten, unter anderem am Hafen in Übersee. (Foto: Hohler)

Das eisige Wetter hat die Schifffahrt am Königssee zum Erliegen gebracht. Der Chiemsee ist dagegen noch fast eisfrei. Wenn es aber, wie vorhergesagt, nächste Woche tatsächlich wieder zweistellige Minustemperaturen geben wird, dann kann das auch am Bayerischen Meer dazu führen, dass die Schiffe nicht mehr alle Häfen anfahren können.


Die Schifffahrt am Königssee ist eingestellt – darüber informierte jetzt die Bayerische Seenschifffahrt. »Wir kommen nicht mehr durch das Eis«, sagt Geschäftsführer Michael Grießer. Nicht nur die Seelände ist von einer Eisschicht bedeckt, auch von Salet und St. Bartholomä her friert der See aktuell zu. Ebenso vereist ist der Bereich rund um die Echowand. »Von einer Begehbarkeit ist der See aber noch weit entfernt«, warnt der Chef der Seenschifffahrt.

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Anders sieht es am Chiemsee aus: Das Bayerische Meer ist noch fast eisfrei. »Momentan ist nur in den Häfen in Übersee und Bernau eine leichte Eisbildung zu beobachten«, erklärt Josef Kohlpointner von der Chiemsee-Schifffahrt. Die beiden Häfen würden im Winter aber sowieso nicht angefahren, so der Marketingchef weiter. Zurzeit fahren die Schiffe nur von Prien und Gstadt aus auf die Herren- beziehungsweise Fraueninsel.

Eine kurzfristige Prognose für die Schifffahrt auf dem Chiemsee traut sich Kohlpointner abzugeben: »Übers Wochenende sollte es noch keine Probleme geben.« Wenn die Wettervorhersage für die nächste Woche dann aber zutreffe und es »satte Minustemperaturen« gebe, dann könne es schon sein, dass die Schiffe nicht mehr jeden Hafen anfahren können. »Vor allem wenn es dann noch windstill ist«, erklärt der Marketing-Chef.

Exakt vor 46 Jahren ging zuletzt nichts mehr

Dass der Schiffverkehr auf dem Chiemsee komplett zum Erliegen kommt, so wie auf dem Königssee, das ist aber unwahrscheinlich. Auf den Tag genau vor 46 Jahren, am 13. Januar 1971, konnte zuletzt kein einziges Schiff auslaufen. Denn eigentlich, so erklärt Josef Kohlpointner, sei die Fahrrinne zwischen Gstadt und der Fraueninsel »eigentlich immer frei«.

2002 sei es zuletzt »ganz kurz davor gewesen«, dass gar nichts mehr geht. »Damals konnte nur noch der Nordsteg der Fraueninsel angefahren werden«, weiß der Marketing-Chef. Vor fünf Jahren, 2012, war es das letzte Mal, dass sich so viel Eis bildete, dass einige Schiffe nicht fahren konnten. Damals verkehrten keine Schiffe zur Herreninsel – weder von Prien aus noch von Gstadt.

Elf Jahre ist es her, dass der Königssee zuletzt komplett zugefroren war, damals sogar über mehrere Wochen. Zehntausende spazierten im Januar und Februar 2006 über die gewaltige, bis zu 40 Zentimeter dicke Eisdecke. Aktuell ist die Eisdecke erst drei bis vier Zentimetern dick. Damit sie trägt, braucht es mindestens 10 bis 15 Zentimeter. Für die Elektroboote sind allerdings drei bis vier Zentimeter Eis bereits zu viel, sie kommen nicht mehr durch.

Wie schnell der See bei den richtigen Wetterbedingungen komplett zugefriert, das weiß der Chef der Seenschifffahrt nur allzu gut: Vor elf Jahren seien in der Früh noch einige Jäger mit dem Boot hinter nach St. Bartholomä gefahren. Die Rückfahrt am Abend konnten sie aber nicht mehr antreten, da der See zu diesem Zeitpunkt bereits zugefroren war.

Zurzeit ist es generell so, dass die Gewässer zwar zufrieren, die Eisdecken aber meist noch nicht tragfähig sind. Deshalb sind die Warnungen der BRK-Wasserwacht eindeutig: »Die Gefahr auf dem Eis einzubrechen, ist zu groß.« kp/san