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Das »Christkindl« der Bedürftigen

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Von ihrem Bürgerbüro an der Höllgasse aus koordiniert Margret Pröbstl ihre Arbeit mit den Bedürftigen. Vor Weihnachten haben sie dort auch mehrere Wunschzettel erreicht. (Foto: Poschinger)

Traunstein. Das Fest der Liebe, das Fest der Geschenke – das verbinden wir mit dem Weihnachtsfest. Doch für einige Traunsteiner werden die Tage vor und nach dem Heiligen Abend selten zum Fest der Freude: Sie sind allein, haben kein Geld und oftmals nicht einmal regelmäßig ein Dach über dem Kopf. Die Rede ist von den Obdachlosen und Bedürftigen in der Großen Kreisstadt. Doch auch sie haben ein Christkindl, das an sie denkt: Margret Pröbstl.


Jedes Jahr kurz vor den Feiertagen organisiert die 75-Jährige eine Weihnachtsfeier im Café Intreff an der Leonrodstraße. Kerzenschein, Volksmusik, besinnliche Geschichten, ein gemeinsames Abendessen und auch eine Bescherung stehen dann im Mittelpunkt und lassen diese Stunden für die Teilnehmer zu den schönsten im ganzen Jahr werden.

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42 Traunsteiner kamen heuer: Bedürftige Familien und Einzelpersonen, Obdachlose und solche, die den Sprung zurück in eine eigene Wohnung geschafft haben. »Jedem Einzelnen von ihnen geht es finanziell nicht gut, das kann ich garantieren«, erklärt Margret Pröbstl. Seit 13 Jahren leitet sie das Bürgerbüro der Arbeiterwohlfahrt und kümmert sich in diesem Zusammenhang ehrenamtlich um die sozial Schwachen in Traunstein. Keine leichte Aufgabe, doch die frühere Sozialbetreuerin macht es mit viel Herzblut. »Das hält mich auch ein Stück weit jung«, sagt sie und hat wie fast immer ein Lächeln im Gesicht. Wie es ist, in Not zu sein, das weiß die mehrfache Großmutter aus eigener Erfahrung. Als kleines Mädchen kam sie während des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlingskind nach Traunstein.

Mit viel Einfühlungsvermögen und einem überdurchschnittlichen Engagement betreut Margret Pröbstl nun, zusammen mit den Verantwortlichen der Stadt und auch kirchlichen Einrichtungen wie der Diakonie, die bedürftigen Traunsteiner. Wichtig ist ihr dabei, dass man die Obdachlosen und sozial Schwachen menschlich behandelt und ihre Würde zu schätzen weiß, auch wenn vielleicht das Aussehen manchmal etwas Pflege bedürfte.

Veranstaltung wird durch Spenden finanziert

Umso mehr genießen vor allem die Obdachlosen die ungezwungene Atmosphäre bei der Weihnachtsfeier im Café Intreff. Finanzieren kann Margret Pröbstl die Veranstaltung dank mehrerer Spenden, die sowohl aus öffentlicher, als auch aus privater Hand kommen. Damit werden nicht nur Essen und Getränke bezahlt, sondern auch die Geschenke. Ganz viel Mühe gaben sich dabei im Vorfeld die Kinder und schickten an Margret Pröbstl ihre Wunschzettel. Diese versuchte das Traunsteiner »Christkindl« dann im finanziellen Rahmen zu erfüllen, besorgte aber zum Beispiel auch für die Familien Essensgutscheine von Traunsteiner Restaurants. »Sie sollen sich doch auch einmal im Jahr diesen Luxus des Auswärtsessens leisten können«, erklärt die 75-Jährige. Für die Obdachlosen gab es zudem etwas Geld. »Damit können sie selbst entscheiden, welchen Wunsch sie sich erfüllen wollen.«

Dass der Gedanke von Nächstenliebe aber nicht nur an Weihnachten eine Rolle spielt, das hat Margret Pröbstl vor einigen Wochen erlebt. Da wurde sie von Schülerinnen der Krankenpflegeschule angerufen, da an deren Raucherplatz trotz eisiger Kälte ein Obdachloser hinter einer Bank übernachtete. Die 75-Jährige schaute dort vorbei und brachte den Mann daraufhin im Traunsteiner Obdachlosenhaus unter.

»Nur durch die Hilfe der Schülerinnen hab ich überhaupt von ihm erfahren und konnte ihm helfen«, freut sich Margret Pröbstl. Der Mann war glücklich über das warme Bett in der kalten Zeit und zeigte sich auch beeindruckt von dem Engagement der jungen Frauen. Die hatten nämlich nicht nur die Leiterin des Bürgerbüros angerufen, sondern dem Obdachlosen zuvor auch die eine oder andere Wurstsemmel spendiert. apo