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Das Annette-Kolb-Gymnasium erhält eine »Mittelstufe Plus«

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Das Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein ist eines von 47 bayerischen Gymnasíen, die ab dem nächsten Schuljahr am Pilotprojekt »Mittelstufe Plus« teilnehmen. (Foto: Artes)

Traunstein – Das Annette-Kolb-Gymnasium (AKG) ist eines von 47 bayerischen Gymnasien, die ab dem kommenden Schuljahr die »Mittelstufe Plus« anbieten können. Im Bezirk Oberbayern Ost gehören dazu auch die Gymnasien in Laufen, Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Miesbach. Mit dem zweijährigen Pilotprojekt will das Kultusministerium Möglichkeiten der Umsetzung ausloten.


Bildungsminister Dr. Ludwig Spaenle berichtete dem Bildungsausschuss des Landtags von 71 Schulen, die sich beworben hatten. Zwei Drittel davon seien in einem regionalisierten Verfahren ausgewählt worden. »Es war uns wichtig, dass zum Beispiel sowohl große wie kleine Gymnasien einbezogen werden. Wir haben auch sichergestellt, dass Gymnasien in Städten, Großstädten wie auch im ländlichen Raum, Gymnasien mit unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen und Sprachenfolgen in den Pilotversuch einbezogen werden«, sagte er.

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Nachmittagsunterricht nur noch in der 10. Klasse

Die »Mittelstufe Plus« biete »Schülern mit pädagogischem Bedarf« ein Jahr mehr Lernzeit bei deutlicher Entlastung an Wochenstunden und in der Zahl der Fächer. Die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen werden in der »Mittelstufe Plus« alle vier Jahre in der Regel mit jeweils drei zusätzlichen Wochenstunden angeboten. Der Stoff wird von drei auf vier Jahre gedehnt. In der »Mittelstufe Plus« werden die Schüler in der Regel nur 30 Stunden (in den Jahrgangsstufen 8, 9, 9+) und 32 in der Jahrgangsstufe 10 besuchen – so gibt es erst in der 10. Klasse verpflichtenden Nachmittagsunterricht.

»Ich freue mich natürlich sehr – für die Schule, die Schüler und den gymnasialen Ausbildungsweg an sich«, sagt dazu AKG-Direktor Bernd Amschler. »Denn durch die Pilotphase bewegt sich wieder etwas. Wir haben jetzt die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und konzeptionell zu arbeiten.« Beworben habe sich das AKG aus der Tatsache heraus, »dass wir schon länger immer wieder über das G 8 diskutieren.« Mit dem G 8 könne man schon umgehen. Amschler spricht aus Erfahrung, kennt G 8 und G 9 als Lehrer und als Vater. Froh ist er, dass den Pilotversuch die gesamte Schulfamilie wollte – Lehrer, Eltern, Schüler und Sachaufwandsträger. »Wir können das jetzt mitgestalten, das ist sehr spannend, denn es braucht schon auch den Mut zum Experimentieren.«

Für ihn sei die zusätzliche Lernzeit der zentrale Vorteil der »Mittelstufe Plus«, denn »wir arbeiten ja nicht nur am Wissen, sondern an der gesamten Schülerpersönlichkeit.« Und dazu sei es gut, das Lernen zu Entschleunigen und individuelle Fördermöglichkeiten auszubauen. »Schulzeit ist auch eine 'Lebenszeit', wir bereiten unsere Schüler aufs Leben vor, und da haben wir im G 8 schon etwas eingebüßt.« In der »Mittelstufe Plus« könne man auch eine Art Kompetenzlehrplan einbauen, um etwa Sozialkompetenzen zu fördern, Prävention zu betreiben, Präsentation und Bewerbungstraining zu schulen.

Besonders der deutlich reduzierte Nachmittagsunterricht bringt dafür Spielräume: Im G 8 haben die Schüler in der 8. Klasse 32 Wochenstunden, in der 9. und 10. jeweils 34, also zweimal in der Woche Nachmittagsunterricht. In der »Mittelstufe plus« ist nur in der zehnten Klasse einmal in der Woche Nachmittagsunterricht vorgesehen.

Ganz großer Gewinn für die ganze Schulfamilie

»Das ist ganz interessant, da werden sich sicher wieder mehr Schüler sich für die Wahlfächer interessieren wie Chor, Orchester, Big Band, Robotics, Theater oder den AK Umwelt«, so Amschler. »Ich sehe das als ganz großen Gewinn an für die ganze Schulfamilie.« Den Schülern bleibe mehr Zeit für Familie, Freunde oder auch Vereine, »und auch Dinge wie zum Beispiel Auslandsaufenthalte sind wesentlich besser machbar«.

Natürlich gebe es auch immer wieder Schüler, die sich am G 8 gut aufgehoben fühlten und die sich auch in puncto Reife schneller entwickeln als andere. Aber als Schulleiter finde er es halt auch »schade, wenn man Kinder verliert, die einfach nur ein bisschen mehr Zeit bräuchten« und dann den Weg über Realschule, FOS oder BOS gingen, um zum Abitur zu gelangen.

Bei ersten Abfragen hätten sich etwa die Hälfte der derzeit 80 Schüler, die infrage kämen, für die »Mittelstufe Plus« interessiert. Details, etwa zu Wechselmöglichkeiten zwischen beiden Systemen, müsse der Versuch ergeben. »Diese Fragen werden sich sicher stellen, aber man muss einen solchen Versuch so offen wie möglich gestalten. Die Zweige bleiben auf alle Fälle bestehen.« Nächster Schritt sei es nun, die Eltern zu informieren und dann das Konzept zu konkretisieren. »Wir haben da eine Mannschaft, die das ganz gut machen wird. Wichtig ist, dass wir das alle gemeinsam wollen.

Das Chiemgau-Gymnasium hatte sich übrigens erst gar nicht beworben. »Ich gehe davon aus, dass das ab 2017 eh kommt, und wir haben gerade sehr viele innovative Projekte laufen«, erklärt Schulleiter Klaus Kiesl. »Da wollten wir uns nicht verzetteln. Außerdem geht es ja nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.«

In Laufen ist vorerst nur eine Klasse geplant

Auch der Leiter des Rottmayr-Gymnasiums Laufen (RGL), Alfred Kotter, ist nach anfänglicher Skepsis von der Idee überzeugt. Auch am RGL war sich die ganze Schulfamilie einig. 45 Prozent der infrage kommenden Schüler hätten sich für die »Mittelstufe Plus« entschieden – eigentlich zu viele, denn Kotter will nur eine der drei Klassen als Plus-Klasse konzipieren. Die Mehrheit sei aber für den kurzen Durchlauf. »Mit geht’s um meine Schüler«, fasst Kotter den Streit um Konzepte zusammen und mahnt zu Gelassenheit und Pragmatismus. coho/höf