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Das Achental – kein weißer Fleck vor 4000 Jahren

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Der Hobbyarchäologe Emil Huber (rechts im hellen Hemd) erklärt seine Funde. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Noch vor wenigen Jahrzehnten galt das Achental als weißer Fleck auf archäologischen Fundkarten. Fachleute gingen davon aus, dass es bis zur bajuwarischen Besiedelung des Tals in der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts unbekanntes Ödland war – uninteressant für Archäologen. Dass dem keineswegs so ist, zeigt jetzt die Ausstellung des Amateurarchäologen Emil Huber aus Schleching im Kulturraum des Staatlichen Landschulheims Marquartstein. Ein Grund für die Ausstellung an diesem Ort ist es, dass heuer erstmals ein Archäologiekurs am Landschulheim unter der Leitung von Sandra Altmann zustande kam.


Bei der Vernissage erklärte der ehemalige Lehrer der Schule, Hartmut Rihl, wie Emil Huber Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Achental, dass das Landschulheim ganz nahe an Plätzen mit prähistorischen Funden liegt, was noch bis in die Mitte der 1990er Jahre kaum jemand wusste. Die Funde belegen, dass das Achental schon vor mehreren Tausend Jahren als Transportweg für Kupfer und Bronze in Form von Waffen, Schmuck und Zahlungsmitteln genutzt worden war.

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Charakteristische Häufungen von Funden auf den alten Saumwegen durch das Achental lassen vermuten, dass zum Beispiel am Streichen, aber auch anderen Orten Stützpunkte existierten, an denen die Bronzegegenstände gegossen und zum Weitertransport gesammelt wurden. Dabei gibt es im unteren Achental oder im südlichen Chiemgau Funde aus allen Epochen der Bronzezeit, aus der Hallstattzeit, der Keltenzeit, der Römerzeit, der Bajuwarenzeit und dem Mittelalter.

Die Präsentation von Emil Huber zeigt viele Beispiele historischer Funde – von historischen Werkzeug- und Gerätefunden bis zu Schmuck, Münzen und alten Schlüsseln. In Vitrinen übersichtlich und gut strukturiert angeordnet, sind Flößereiwerkzeuge, Hämmer, Messer oder Beile. Das älteste Fundstück ist ein Steinbeil noch aus der Jungsteinzeit.

Die Funde in der Ausstellung stammen zum überwiegenden Teil von Emil Huber. 1996 ist er erstmals mit dem Metalldetektor losgezogen – und das hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Er arbeitet eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologischen Staatssammlung in München zusammen.

Bei der Vernissage sprach auch Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika ein Grußwort. Er freute sich, dass die Archäologie im unmittelbaren Umfeld auch Eingang in eine Schule findet. Er wies auf die hohe Bedeutung der vor- und frühgeschichtlichen Funde für die Heimatforschung und Geschichtswissenschaft hin. Dank des unermüdlichen Einsatzes einiger Hobbyarchäologen aus dem Achental, wie Josef Bock aus Marquartstein, Emil und Michael Huber oder Hartmut Rihl aus Schleching, gibt es heute einen Fundbestand von über 400 Einzelobjekten, die weit differenziertere Aussagen über die Geschichte des Achentals erlauben, als es noch vor wenigen Jahren möglich war.

Die Ausstellung im Kulturraum der Schule ist an den Sonntagen 2., 9., und 16. November, jeweils von 14 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Dabei ist Emil Huber anwesend und steht für Fragen zur Verfügung. Für Schülergruppen gibt es eigene Führungen. gi