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Damit mehr Kaufkraft in unserer Region bleibt

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»Damit mehr Kaufkraft in der Region bleibt« – das ist eines der Ziele des zweiten Teils der Service-WM. Eines ihrer Ziele ist es, Kunden besser an ihr Unternehmen zu binden. Bei der Auftaktveranstaltung im Brauereiausschank Schnitzlbaumer hielten die Brüder Norbert (rechts) und Johann Beck einen kurzweiligen Vortrag, in dem sie die Ziele der Aktion skizzierten.

Traunstein. »Kauf regional! – die Freundlichkeitsoffensive«: So lautet die Aufforderung des zweiten Teils der Service-WM in der Region Traunstein – Chiemgau – Berchtesgadener Land. Die Auftaktveranstaltung fand am Dienstagabend im Brauereiausschank Schnitzl-baumer statt.


Zahlreiche Geschäftsleute, vor allem Einzelhändler und Handwerker, waren zunächst skeptisch, als die Brüder Johann und Norbert Beck die hochgesteckten Ziele der Initiative skizzierten und die meisten Besucher davon begeistern konnten. Am Ende der Veranstaltung waren die meisten davon überzeugt, dass diese erreicht werden können.

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Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein

»Das Weihnachtsgeschäft 2013 ist gut gelaufen. Der Internethandel hat um 40 Prozent zugelegt, der des stationären Einzelhandels um etwas mehr als ein Prozent...« – spätestens diese Aussage machte den Besuchern klar, wo das Problem liegt: Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein, während die regionalen Einzelhandelsgeschäfte immer stärkere Umsatzeinbußen erleiden. Diesem Trend entgegenzuwirken ist ein zentrales Anliegen der Service-WM.

Dabei solle das Internet nicht als Feind angesehen werden, sondern als ein Medium, dessen Schwächen man ebenso nutzen kann wie seine Stärken. »Das Internet ist nicht freundlich zu den Kunden«. Diese Tatsache zu nutzen ist eines der Ziele der Service-WM. Aber wie bekommt man den Kunden in sein Geschäft, um ihm zu zeigen, dass man einzigartig positioniert ist gegenüber den Wettbewerbern im Netz?: Über das Internet! – lautet die verblüffende Antwort.

Eigene Plattform für den regionalen Handel

Einer der sechs Bausteine der Aktion, die vom Traunsteiner Tagblatt ins Leben gerufen wurde, besteht aus einer regionalen Angebotsplattform im Internet. Das Besondere an ihr ist, dass man die präsentierten Artikel nicht bestellen, sondern nur reservieren lassen kann und dann selbst in das betreffende Geschäft geht, um sie abzuholen. Ein Test in einer anderen Region Bayerns, so berichtete Norbert Beck, habe gezeigt, dass Kunden, die ein reserviertes Produkt abholen, Zusatzkäufe tätigen oder statt des bestellten Artikels auch höherwertige kaufen.

Oberbürgermeister: »ein spannendes Experiment«

»Das wird ein spannendes Experiment«, zeigte sich Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke am Rande der Veranstaltung überzeugt. Verleger Thomas Miller versicherte, mit der Service-WM wolle die Heimatzeitung ihren Beitrag leisten, die Region und ihre klein- und mittelständischen Betriebe zu stärken.

Johann und Norbert Beck schafften es in ihrem einstündigen kurzweiligen Vortrag, die vielen Besucher zu fesseln und für ihre Ideen zu begeistern. In den letzten acht Jahren haben sie in 110 Städten in Deutschland und Österreich die Service-WM organisiert; vor vier Jahren auch mit großem Erfolg in Traunstein, wo sich mehr als 70 Firmen beteiligt haben.

Wie man zur regionalen Marke werden kann

»Artig oder einzigartig – so werden Sie zur regionalen Marke« – mit dieser Aussage, mit der mancher anwesende Einzelhändler zunächst nicht viel anfangen konnte, begann Johann Beck zu erklären, wie man sein Unternehmen einzigartig am Markt positionieren kann. Ziel müsse es sein, beim Kunden folgende Reaktion zu erreichen: »Ich kenne Dich + ich mag Dich = ich kaufe Dich.«

Dieses Ziel zu erreichen, in dem man der Billigste ist, wäre ein Irrweg. Am Beispiel von Kaffee legte er dar, wie Marken »funktionieren«: Ein Kilo »normaler« Kaffee kostet um die 10 Euro. Das ist der Preis, den man für einen Massenartikel bezahlt. Nespresso mit Schauspieler George Clooney als Werbefigur auf der Packung vermittelt Lebensgefühl (Lifestyle) und kostet 60 Euro pro Kilo. Im Luxussegment einzigartig positioniert ist der Kaffee Kopi Luwak mit Preisen von 600 bis 1000 Euro pro Kilo bzw. 70 bis 100 Euro pro Tasse in Luxusrestaurants und -cafés. Dass er aus den Exkrementen von Katzen gewonnen wird, soll hier nicht näher beleuchtet werden...

Beispiele für den Aufbau eines Markenstatus

»Um der Preisfalle zu entkommen, müssen Sie einen Markenstatus aufbauen!« – forderte Beck die Besucher auf. Als Beispiel nannte er eine Metzgerei in Hannoversch Münden. Sie hat Wurstpralinen kreiert, die sie jetzt in alle Welt exportiert, nachdem sie die »Weltmeisterschaft der Blutwurstritter« in Frankreich gewonnen hat.

Beck ließ eine Schachtel mit diesem Produkt durch die Besucherreihen reichen und die Gäste konnten die abenteuerlich anmutende Kombination von Schokolade und Blutwurst probieren – die meisten verzichteten auf diese Art von »Gaumenfreude«.

Neue Ideen auf dem Markt für Spielzeug

Das eben aufgeführte Beispiel taugt natürlich nicht für Einzelhändler. Aber auch diese können einzigartig werden, wie ein Spielwarenhändler in der Innenstadt von Hannover bewiesen hat. In seinem Betrieb mit fünf Mitarbeitern, dessen Umsatz wegen der Konkurrenz aus dem Internet um zweistellige Prozentraten schrumpfte, führte er Spieleabende für Männer ein, die über Monate im voraus ausgebucht sind und dicke Gewinne abwerfen.

Freundlichkeit ist die stärkste Waffe

Ebenso kurzweilig wie diese Beispiele präsentierten die beiden Referenten ihre Thesen, wie das Verkaufspersonal Kunden vom eigenen Betrieb begeistern kann. Freundlichkeit sei dabei eine der stärksten Waffen gegen das Internet. Das Motto dürfe nicht lauten: »Behandle den anderen so, wie Du behandelt werden möchtest«, sondern: »Behandle den anderen so, wie er behandelt werden möchte«.

Beck erläuterte das am Beispiel von Persönlichkeitstypen. Auf Details einzugehen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Wer an der Service-WM teilnimmt, kann bis zu drei Mitarbeiter kostenlos zu einem Schulungsabend für Verkäufer schicken. Das ist einer der sechs Bausteine der Veranstaltung.

Ein weiteres Modul ist das Freundlichkeitsjournal. Es wird am 3. Mai in hoher Auflage erscheinen und alle teilnehmenden Firmen können darin sich und ihre Vorzüge präsentieren. Im Rahmen der Service-WM gibt es für die teilnehmenden Firmen auch ein Medienpaket und Abstimmungskarten für die Kunden, flankierende Anzeigen und eine Zertifizierung für Unternehmen, die von ihren Kunden positiv bewertet werden.

Auswertung der Daten bleibt streng geheim

Die Auswertung ist natürlich streng geheim und wird nicht veröffentlicht. Nur die Firmeninhaber bekommen die Ergebnisse zugestellt und können daraus ihre Schlüsse für die künftige Unternehmenspolitik ziehen. Wer sich für eine Teilnahme an der Service-WM interessiert, bekommt nähere Auskünfte und Anmeldeunterlagen in der Anzeigenabteilung des Traunsteiner Tagblatts an der Marienstraße. -K.O.-

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