weather-image

Damit es keinen Streit am Gartenzaun gibt

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Überhängende Äste können der Auslöser für einen Nachbarschaftsstreit sein. Damit dies nicht passiert, gibt Kreisfachberater Georg Unterhauser einige Tipps. (Foto: Unterhauser)
Bildtext einblenden

»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.« Schon Friedrich Schiller wusste das und auch jetzt noch gibt es immer wieder Streitigkeiten unter Nachbarn – oft auch wegen Unstimmigkeiten im Garten. Im vorerst letzten Teil unserer Serie »Gartenleben« gibt Georg Unterhauser, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Traunstein, deshalb Tipps zum Thema »Rund um die Gartengrenze«.


Genaue Regelung einhalten

Anzeige

Eines der Hauptprobleme sei, dass die Gartenbesitzer oft zu wenig Rücksicht aufeinander nehmen, sagt Unterhauser. »Die Gartenbesitzer wissen oft gar nicht, wie weit ein Baum von der Grenze wegstehen muss«, betont er. Von Bundesland zu Bundesland sei dies auch anders geregelt, hebt der Experte hervor. In Bayern gilt: Bäume, Sträucher, Hecken oder Weinstöcke müssen, wenn sie mindestens zwei Meter hoch sind, auch mindestens zwei Meter Abstand von der Grundstücksgrenze haben. Bis zu zwei Meter hohe Hecken müssen beispielsweise einen Grenzabstand von einem halben Meter haben. Pflanzt man hingegen Stauden wie den Rittersporn oder Sommerblumen, braucht man hingegen keinen Abstand einhalten.

Georg Unterhauser weist auch darauf hin, dass man unbedingt daran denken muss, dass die Bäume auch wachsen. »Ist der Abstand beim Pflanzen also noch akzeptabel, kann er es in ein paar Jahren nicht mehr sein«, so der Fachmann. Immer wieder gibt es auch Streitereien wegen dem sogenannten Grenzüberhang. »Äste können schon mal lästig werden, wenn sie zu weit rüberwachsen«, sagt Unterhauser. Doch Vorsicht ist hier geboten: Der betroffene Nachbar darf nämlich nicht einfach den überhängenden Ast abschneiden. Er muss dem Baumbesitzer zunächst eine Frist setzen, damit dieser den Ast selber wegschneiden kann.

Sorgt der überhängende Ast allerdings für eine wesentliche Beeinträchtigung – der Gemüsegarten bekommt etwa nicht mehr ausreichend Sonnenlicht – dann darf man diesen Ast auch ohne Rücksprache abschneiden. Eine solche Beeinträchtigung sei beispielsweise auch, wenn Wurzeln die Garage des Nachbarn aufheben und diese dadurch Risse bekomme, sagt der Experte. »Ist das der Fall, darf man sie auch ohne Rücksprache abschneiden.«

Ein leidiges Thema ist momentan auch das herunterfallende Laub. Auch hier gibt es eine klare Regelung. »Das Laub muss geduldet und hingenommen werden«, sagt Georg Unterhauser. Fällt das Laub also auf das Nachbargrundstück, muss nicht der Baumbesitzer das Laub entsorgen, sondern der Grundstückseigentümer. »Man darf das Laub auch nicht wieder rüberwerfen«, betont Unterhauser. Fällt das Laub in die Regenrinne des Nachbarn, muss ebenfalls der Hauseigentümer dafür sorgen, dass die Rinne wieder frei wird. Kommt es dennoch zum Gerichtstermin, »dann entscheiden die Gerichte in der Regel für den Baumbesitzer«, sagt er.

Diese Regel gilt übrigens auch für Früchte. »Fallen diese zu Boden, dann gehören sie demjenigen, dem der Grund gehört«, sagt Unterhauser. Es ist allerdings nicht erlaubt, die Früchte von den Ästen zu pflücken, weist er ausdrücklich hin.

Auch in Sachen Kompost gibt es eine klare Regelung: Hier sind keine Abstandsgrenzen einzuhalten. »Eine ordnungsgemäße Kompostierung ist natürlich vorausgesetzt«, betont Georg Unterhauser.

Ein strittiges Thema ist auch immer wieder die Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen. »Der Baumbesitzer muss dafür sorgen, dass der Baum gesund, standsicher und verkehrssicher ist«, betont Unterhauser. »Wie er das macht, ist seine Sache.« Georg Unterhauser rät aber, einen Fachmann hinzuzuziehen. Ist der Baum gesund und fällt bei einem Sturm dennoch auf das Dach des Nachbarn, dann trifft den Baumbesitzer keine Schuld. »Das ist dann höhere Gewalt«, sagt der Experte.

Die Tipps unserer Serie »Gartenleben« sind auch unter www.traunsteiner-tagblatt.de/gartenleben auf unserer Homepage abrufbar. SB