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Dächer undicht durch Photovoltaikanlagen?

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Diese auf dem Dach des Bauhofs installierte private Photovoltaikanlage mit 16 Kilowatt Leistung ist laut Gutachten die Ursache dafür, dass es dort nass eingeht. Bevor aber der Schaden behoben werden kann, muss erst das, von der Gemeinde eingeleitete, juristische Verfahren abgewartet werden. (Foto: H. Eder)

Waging am See. »Gutmütigkeit wird ausgenutzt«, sagt Gemeinderat Willi Reiter zu den Dachproblemen auf Mittelschule und Bauhof – verursacht von offenbar unsachgemäß angebrachten, privaten Photovoltaikanlagen. Dabei handelt es sich, wie Georg Huber betont, um keine der zahlreichen Waginger Bürgersolaranlagen. Der Hintergrund: In der Finanzausschusssitzung wurde darüber berichtet, dass allein bei der Mittelschule geschätzte 20 000 Euro für eine Dachreparatur investiert werden müssen, deren Ursache die darauf montierte Solaranlage sein soll.


Haken ohne Zulassung verwendet

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Das allerdings will die Gemeinde nicht bezahlen. Denn die Tatsache, dass hier schon seit Jahren Wasser eindringe und damit erhebliche Feuchtigkeitsschäden entstanden seien, liege klar an der unsachgemäß installierten Anlage, hieß es. Das veranlasste Willi Reiter zu seiner Aussage von der ausgenutzten Gutmütigkeit, weil die Gemeinde seinerzeit ihre Dachflächen umsonst beziehungsweise zu symbolischen Preisen zur Verfügung gestellt habe.

Gemeinde-Bautechniker Franz Fenninger sagte bei der Sitzung: »Ich gehe davon aus, dass die Gemeinde Recht bekommt und die Anlage runter muss.« So seien beispielsweise Haken verwendet worden, die keine Zulassung gehabt hätten. Dadurch seien Schindeln zerdrückt worden, und so gehe es wohl schon seit dem Jahr 2006 »nass rein«. Drei oder vier Balken seien von der Feuchtigkeit schon erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden, und das teilweise an Stellen, an die man gar nicht so ohne Weiteres hinkomme.

Weniger dramatisch ist die Situation am Bauhof, auch weil die dortige Anlage viel kleiner ist. Aber auch da müssen etliche tausend Euro reingesteckt werden, meint Fenninger, um die Schäden am Dach wieder auszubessern. Ein gerichtliches Gutachten über die jeweiligen Schäden liege der Gemeinde bereits vor. Dessen Fazit: Bei der Befestigung der Anlage seien in beiden Fällen ungeeignete Haken verwendet worden und davon auch zu wenige.

Inzwischen sei, wie Bürgermeister Herbert Häusl informierte, von der Gemeinde ein Rechtsanwalt eingeschaltet worden, die Angelegenheit laufe bereits eine ganze Zeit lang. Auch der Bürgermeister fand es schade, dass die Großzügigkeit der Gemeinde hier so ausgenutzt werde. Man habe die Photovoltaik damals ganz bewusst von der Gemeinde aus unterstützen wollen: »Es musste seinerzeit nichts bezahlt werden. Jetzt, wo es zur Sache geht und Schäden entstanden sind, könnte man erwarten, dass der Betreiber der Gemeinde auch entgegen kommt. Das ist aber nicht der Fall«, betonte Häusl.

Derzeit aber bleibt – Schaden hin, Feuchtigkeit her – der Gemeinde nichts anderes übrig als abzuwarten. Denn natürlich kann die Gemeinde die Anlagen nicht einfach abbauen – zumindest nicht, bevor ein Urteil gefällt ist. Die Anlage abbauen kann nur der Betreiber, der jetzt aber offenbar selbst erst eine statische Berechnung der Anlage erstellen lässt. Somit kann sich das noch hinziehen.

Termin der Reparatur hängt vom Urteil ab

»Wir brauchen erst ein Urteil«, sagt Fenninger, bis dahin könne man nichts unternehmen. Termine gibt es derzeit noch keine, er hoffe aber, dass das Dach in den Sommerferien repariert werden kann. Immerhin ziehe sich die Sache jetzt schon über fast zwei Jahre hin. Bemerkt habe man den Schaden bei der Renovierung der Fassade am Schulhaus, »als unter der Dachschalung das Wasser daher kam«, so Fenninger. Beim Bauhof sei der Schaden noch nicht so groß, auch weil die dortige Anlage viel kleiner sei; aber auch hier müsse das Dach bald renoviert werden.

Vorsorglich sind im Haushalt der Gemeinde für das Jahr 2013 schon mal 80 000 Euro für das Schulhausdach eingestellt. Damit sollen die Schäden behoben und das Dach auch gleich energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. he