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»Da ist erst einmal alles wieder auf Null«

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Petra und Christian Heiml aus Tittmoning haben ihren kleinen Engel verloren. Alina starb mit sechs Jahren an Leukämie. (Foto: Schwaiger)

Wenn ein Kind stirbt, bleibt nichts als Verzweiflung. »Die Welt bleibt von einer Sekunde auf die andere stehen«, erklären Petra und Christian Heiml. Sie haben ihre Tochter Alina verloren. Jetzt, über zwei Jahre nach dem tragischen Krebstod des einzigen Kindes, sucht das Ehepaar aus Tittmoning Menschen, denen das Gleiche passiert ist. Sie wollen eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern im Landkreis Traunstein ins Leben rufen.


»Die erste Zeit war komatös«, erzählt Petra Heiml. An die Monate nach dem Tod von Alina hat sie nur noch vage Erinnerungen. »Manches weiß ich gar nicht mehr.« Alinas Leidensweg hatte zwei Jahre zuvor begonnen. Sie war kränklich, müde, klagte, dass ihr die Füße wehtun. Die Diagnose: Leukämie. Doch die Chemotherapie schlug an, das Mädchen war wieder gesund. »Dann erlitt Alina nach nicht einmal zehn Monaten einen Rückfall.« Danach sei alles sehr schnell gegangen.

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»Da ist erst einmal wieder alles auf Null«, sagt Petra Heiml. Selber sei man wie gelähmt. Und dazu komme, dass auch die Menschen um einen herum sprachlos seien, erzählt die Tittmoningerin. Sie hat inzwischen dafür Verständnis: »Die Leute wissen einfach nicht, was sie sagen sollen.« Viele, das hat sie beobachtet, hätten Angst, »da wieder etwas aufzureißen«. »Aber da gibt es nichts aufzureißen. Die Gedanken kreisen sowieso die ganze Zeit darum.«

Halt fanden sie und ihr Mann Christian schon früh im Gespräch mit Eltern, die auch ihr Kind verloren hatten. Petra Heiml ist sich sicher: »Der Austausch mit ihnen war nach Alinas Tod das Allerwichtigste für mich.« Schon im Krankenhaus lernten die Heimls Eltern mit dem gleichen Schicksal kennen, später suchten sie auf einem geschützten Forum im Internet den Kontakt zu anderen verwaisten Eltern.

Jetzt will das Ehepaar aus Tittmoning auch in seiner Heimat Menschen zusammenbringen, die um ein Kind trauern. Dabei ist es völlig gleich, wie alt der Verstorbene war. »Eltern, die 60 sind und ihr 30-jähriges Kind verlieren, haben doch den gleichen Schmerz«, stellt Petra Heiml fest. Sie ist davon überzeugt, dass Menschen, die den gleichen Schicksalsschlag erlebt haben, eine große Stütze füreinander sein können.

Auf der Suche nach offenen Herzen und Ohren

Denn auch zweieinhalb Jahre nach dem Tod ihres Kindes befinden sich Petra und Christian Heiml noch im Ausnahmezustand. Für die Menschen in ihrem Umfeld ist das oft schwer zu verstehen. »Kaum noch jemand möchte mit unserer Trauer konfrontiert werden«, erzählt Petra Heiml. Doch sie und ihr Mann können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. »Die Trauer hört nie auf«, sagen sie. Und weiter: »Die Trauer verändert sich, man lernt besser damit umzugehen und integriert sie in das Leben.« Ein Leben, das beide so nie haben wollten. Oft fühlen sie sich alleine.

Die Selbsthilfegruppe, die sie im Landkreis Traunstein aufbauen möchten, soll nicht nur ihnen helfen. »Wir glauben, es ist für Betroffene wichtig, offene Herzen und Ohren zu finden, um gemeinsam durch das Auf und Ab der Trauer zu gehen.« Die Tittmoninger hoffen, sich in so einem Kreis in ihrer Trauer verstanden zu fühlen und durch den gegenseitigen Austausch Kraft und Mut zu finden.

Schon seit einigen Monaten versuchen sie, andere verwaiste Eltern für eine Selbsthilfegruppe zu finden. Bislang ohne Erfolg. Auf eine Zeitungsanzeige hin meldete sich immerhin das Selbsthilfezentrum Traunstein. Das koordinierte schon einmal eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern, doch die hat sich inzwischen aufgelöst. Die Mitarbeiter dort unterstützen jetzt das Ehepaar Heiml in ihrem Bemühen, andere Betroffene zu finden. Wo und wie oft die Treffen schließlich stattfinden werden, das wollen die Heimls erst gemeinsam mit denen ausmachen, die Teil der Gruppe sein wollen.

Wer sich für die geplante Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern interessiert, der kann sich im Selbsthilfezentrum in Traunstein unter Telefon 0861/2046692 melden. san

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