»Da blutet jedem Brauer das Herz«

Bier
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Fassbier ist für viele Brauereien derzeit ein Problem, weil es bei geschlossener Gastronomie und ohne Volksfeste kaum verkauft werden kann. Foto: Armin Weigel/dpa

Traunstein – Alleine in der unmittelbaren Region gibt es sieben Brauereien. Noch. Denn Corona und in der Folge ausfallende Feste aller Art bescherten der Branche zum Teil enorme Umsatzrückgänge. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich bei heimischen Brauereien umgehört.


»Da wir stark in der heimischen Gastronomie und den Vereinen verwurzelt sind, trifft uns die Krise mit voller Wucht«, bestätigt etwa Bräu Maximilian Sailer vom Hofbräuhaus Traunstein. Viele der über 70 Mitarbeiter seien seit Monaten in Kurzarbeit. Aber man blicke gut aufgestellt optimistisch in die Zukunft – »und freuen uns, dass wir unsere gesamte Mannschaft an Bord halten konnten«.

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Derzeit habe man zwischen 50 und 60 Prozent Umsatzrückgang, wobei das Flaschenbier sehr gefragt sei. Überbrückungshilfen in begrenztem Umfang habe man erhalten. »Wir füllen aber seit über vier Monaten nur noch kleine Mengen frisches Fassbier ab«, sagt Sailer. Dass im letzten Sommer keine Feste stattfanden, war absehbar. Darum habe man nur sehr wenig Bier wegschütten müssen. Da die Biere je nach Sorte mindestens sechs Wochen lang lagerten, müsse man die aktuelle Lage genau im Auge behalten. Mit Blick auf erste Öffnungen um Ostern lagerten bereits frisch gebraute Biere im Keller.

Sailer: Gastronomie an Ostern öffnen

An die Politik appelliere er, angesichts hervorragender Hygienekonzepte und geringer Ansteckungswahrscheinlichkeit die Gastronomie ab Ostern zu öffnen. »Es geht hier um wirtschaftliche Nöte, soziale Bedürfnisse und die Wahrung großer bayerischer Traditionen.« Persönlich empfinde er die Zeit als sehr herausfordernd. »Mir hilft der Blick auf die Jahrhunderte alte Tradition unserer Brauerei und die zahlreichen bereits überstandenen Krisen meiner Vorfahren. Und das spüre ich auch beim Team.«

»Die bayerische Brauwirtschaft befindet sich in einer der schwierigsten Zeiten der Geschichte«, sagt Rudi Wochinger, »und das ist auch in unserer Traditionsbrauerei deutlich spürbar«. Dank der Kurzarbeit, die man zum ersten Mal nutze, habe man keinen der zehn Mitarbeiter entlassen müssen.

Wochinger: Zuwächse beim Flaschenbierverkauf

Der Umsatz in der Gastronomie fehle natürlich. Vier Monate lang waren die Gaststätten geschlossen, alle Feste fielen aus. Aufgrund des guten Sommers hielt sich der Ausstoßrückgang mit 16 Prozent aber in Grenzen. »Beim Flaschenbier können wir dank des regionalen Kaufverhaltens erfreuliche Zuwächse verbuchen«, sagt Wochinger. Da man aber keine 80 Prozent Umsatzrückgang habe, erhalte man keine November- und Dezember-Hilfen. Die Überbrückungshilfe drei überprüfe der Steuerberater derzeit.

Der gesamte Absatz für Fassbier sei von heute auf morgen komplett weggebrochen. Um zu helfen, habe man die Fässer der Wirte zurückgenommen und gutgeschrieben. Von November bis Februar wurde kein Fassbier abgefüllt. Einen Teil der bereits abgefüllten Ware habe man leider vernichten müssen.

Vom Brauvorgang bis zum Abfüllen brauche man sieben Wochen. »Wir hoffen im April auf Öffnung der Gastronomie und haben uns gut aufgestellt.« Gastronomie, Bier, Getränke- und Veranstaltungsbranche brauchten dringend einen klaren Fahrplan für die Wiedereröffnung. »Gemeinsam stark für den Chiemgau!«

Persönlich bringe die Situation definitiv neue Herausforderungen, es zeichneten sich tief greifende Veränderungen ab. »Dennoch hat unsere Brauerei in ihrer 433-jährigen Geschichte mehrere historische Krisen überstanden, was uns auch diesmal positiv in die Zukunft blicken lässt.«

Schnitzlbaumer: Ausfälle nicht kompensierbar

Philipp Frauendörfer beschäftigt in der Brauerei Schnitzlbaumer zehn Mitarbeiter und einen Lehrling – in Kurzarbeit. Die Einbußen beschränkten sich auf Fassbier für Gastronomie, Feste und Export. »Die Nachfrage nach Flaschenbier steigt erfreulicherweise, aber die Umsatzausfälle können damit nicht kompensiert werden«. Das stelle vor allem den Fuhrpark vor Herausforderungen.

Mit Coronahilfen könne man nicht sicher planen, da er auf die Schlussabrechnung warte. Die Soforthilfen aus dem Frühjahr musste man zum Jahresende zurückzahlen, da die Voraussetzungen dafür später geändert wurden »und wir, wie wohl sehr viele andere Gastronomen und Einzelhändler, nicht mehr antragsberechtigt waren«.

Im November habe man die Waren von den Wirten zurückgenommen und Fassbier vernichtet. »Wir werden ab dieser Woche wieder anfangen Fässer zu füllen, um für eine eventuelle Öffnung am 22. März vorbereitet zu sein«, sagt er. Dass auch heuer keine Feste stattfinden, sei bereits im letzten Jahr klar gewesen. Man plane in diesem Bereich mit null Umsätzen. Sehr stark hoffe man, dass vernichtetes Bier abgeschrieben werden kann. »Die Signale sind positiv, aber ich glaube erst daran, wenn wir es schwarz auf weiß vorliegen haben.« coho

Den gesamten Artikel lesen Sie in der heutigen Samstagsausgabe (13. März) des Traunsteiner Tagblatts.

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