weather-image

CSU diskutierte in Traunstein mit Claus Fussek über das Thema Pflege

5.0
5.0

Traunstein. »Schlechte Pflege ist Folter«, so lautet eine sehr provokante Aussage von Claus Fussek, der seit Jahren gegen Pflegemissstände kämpft, deren Ursachen analysiert und Lösungsansätze beschreibt. Auf Einladung des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU im Landkreis Traunstein sprach er zum Thema »Missstände in der Pflege« und diskutierte sehr kontrovers mit den Zuhörern.


Fussek befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema, hat zahlreiche Pflegeheime besucht und mit Pflegekräften gesprochen. Nach seinen Erkenntnissen kann es Pflegeheime ohne Mängel kaum geben, weil die Rahmenbedingungen nicht passen. Auch bei noch so engagierten Pflegekräften und bestem Willen sei die optimale Pflege einfach nicht zu schaffen. »Warum wehrt sich niemand dagegen, warum schreit niemand auf?«, stellte er die provokante Frage. Alle Menschen wüssten Bescheid, dass es Missstände in der Pflege gibt; niemand sei für schlechte Pflege, aber keiner traue sich, etwas zu sagen.

Anzeige

Die Pflegekräfte schwiegen, weil sie Angst hätten um ihren Arbeitsplatz. Die Angehörigen schwiegen, weil sie Angst hätten um den Heimplatz. Und die zu Pflegenden schwiegen, weil sie Angst hätten, dass sie es selber ausbaden müssten, wenn sie sich beschweren. Dabei wären die vielen Pflegekräfte, die zu Pflegenden und die Angehörigen zusammen mit Wohlfahrtsverbänden eine ungeheuer große Lobby, die doch in der Lage sein müsste, ihre Forderungen durchzusetzen.

Laut Claus Fussek könne es nicht sein, dass Pflege in Minuten berechnet wird. Es könne nicht sein, dass alte Menschen allein und einsam sterben, weil niemand die Zeit hat, sich zu ihnen zu setzen. Es könne nicht sein, dass Dokumentationen über die erbrachten Leistungen viel Zeit verbrauchen, die wichtiger und besser mit Pflege und Zuwendung genutzt werden könnte. Es könne nicht angehen, dass aus Personalmangel eine Nachtwache für 60 bis 70 Bewohner zuständig ist. Es könne nicht sein, dass alte Frauen in Pflegeheimen von Männern gewaschen werden, wo bleibe da das Anstandsgefühl. »Ich allein bin für meine Eltern verantwortlich und deshalb muss ich den Mund aufmachen«, meint Fussek, »ich sollte mich nicht erst für das Thema Pflege interessieren, wenn es mich betrifft, denn dann ist es zu spät.« Als drastisches Gegenbeispiel berichtete Claus Fussek von einem Besuch auf einem Gnadenhof für Tiere, wo die Kosten für die Versorgung der alten und kranken Tiere keine Rolle spielten und die Finanzierung durch Paten gesichert sei. Bei alten, pflegebedürftigen Menschen aber werde an allen Ecken und Enden gespart, es sei nie genug Geld zur Verfügung. Die Berufe in der Altenpflege seien Mangelberufe und müssten entsprechend gut bezahlt werden. Denn nur dann und wenn ausreichend Personal zur Verfügung stehe, sei eine gute Pflege auch wirklich machbar. Thomas Zugehör, Geschäftsführer der Diakonie Traunstein, stimmte dem Referenten zwar in vielen Punkten zu, verwahrte sich jedoch wie auch andere Zuhörer heftig gegen den kollektiven Rundumschlag gegen Pflegeeinrichtungen und den Vorwurf, die Verbände würden nichts tun, um die Situation in der Pflege besser in den Griff zu kriegen.

»Es passiert viel Gutes und Wichtiges in unseren Einrichtungen«, so Thomas Zugehör, »wir sind auf dem Weg und arbeiten gemeinsam am Wohl unserer alten Menschen.«

- Anzeige -