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»Couchsurfing« liegt im Landkreis im Trend

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Die »Couch« von Helga und Adrian Peill besteht aus einer blauen Schaumstoffmatratze, die im Wohnzimmer für die Gäste aus aller Welt aufgeklappt wird. Allergisch gegen Katzenhaare sollten die Gäste nicht sein, denn Kater Zorro wohnt ebenfalls in der Traunsteiner Wohnung. (Fotos: Poschinger)
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In einem Gästebuch haben sich die Couchsurfer aus aller Welt mit vielen netten Worten, Zeichnungen und Bildern verewigt.

Traunstein. Wenn Helga und Adrian Peill Übernachtungsgäste bekommen, dann kann es schon mal sein, dass sie denen vorher noch nie begegnet sind. Die beiden Traunsteiner sind Mitglieder bei der Internetplattform »Couchsurfing« und stellen darin kostenlos ihre Couch bzw. ihre Klappmatratzen für Reisende aus aller Welt zur Verfügung. Bezahlung nehmen sie dafür keine. »Darauf kommt es uns nicht an. Für uns zählen die Begegnungen mit Menschen, die wir sonst wohl nie getroffen hätten«, sagt der 41-jährige Adrian.


Allein in der Stadt Traunstein sind derzeit knapp hundert Personen – weltweit sind es über drei Millionen – bei der Plattform registriert. Knapp die Hälfte bietet über die Plattform die eigene Couch als Übernachtungsmöglichkeit an. Die Restlichen sind entweder selber verreist oder wollen sich lediglich mit jemandem auf einen Kaffee, zum Weggehen oder für eine Stadtbesichtigung treffen. »Mit Couchsurfing kannst du kinderleicht Freunde finden und mit ihnen überall auf der Welt Abenteuer erleben«, lautet das Motto der Internetseite.

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In zwei Jahren: 27 Gäste aus acht Nationen

27 Gäste aus acht verschiedenen Nationen haben in den vergangenen zwei Jahren per Couchsurfing bei den Peills übernachtet. Mit einem jungen Berliner Pärchen hat im Juni 2010 alles angefangen. Damals wohnte das Ehepaar noch in einem abgelegenen, großen Bauernhaus bei Weißbach an der Alpenstraße. »Wir hatten viel Platz im Haus und fanden es schade, wenn die Räume leer stehen«, erzählt Helga Peill. Als sie von der Couchsurfing-Plattform im Internet erfuhren, waren beide sofort begeistert und meldeten sich an.

Jeder Benutzer erstellt dort ein Profil, in dem er nicht nur seinen Wohnort eintippt, sondern auch Fotos hochlädt und eine Art Fragebogen über die eigene Person ausfüllt. Außerdem gibt er an, ob er eine Couch mit oder ohne Bettzeug stellt bzw. sucht, die Gäste ein eigenes Zimmer bzw. Bad zur Verfügung haben oder auch Frühstück möglich ist. Über Nachrichten kommen dann Reisende und Gastgeber, sogenannte »Hosts«, miteinander ins Gespräch. Dann wird nicht nur das Datum der Übernachtung abgeklärt, sondern es kommt im Fall der beiden Traunsteiner auch Kater Zorro ins Spiel, der bei den beiden lebt und so Allergiker und Hundebesitzer als Gäste ausschließt.

Schnell zeigte sich, dass die exponierte Lage des Bauernhauses sehr beliebt war und die Anfragen aus allen Altersgruppen im Laufe der Monate immer mehr wurden. Meist nur für wenige Nächte blieben die Gäste – unter anderem eine Vierergruppe aus Texas und eine Familie aus Ungarn – bei den Peills und nutzten die Tage meist für Wanderungen in den Berchtesgadener Alpen. Gegessen wurde morgens und abends meist gemeinsam. »Für mich und Adrian habe ich sowieso gekocht, da kann ich auch noch für ein oder zwei Leute mehr antragen«, erklärt die 45-jährige Helga, die einem neuen Gast gern mal ein Betthupferl auf die bereitgestellte Bettdecke legt.

Im Laufe der zwei Jahre wurde das Ehepaar aber auch einige Male von ihren Gästen bekocht. Eine junge Chinesin tischte etwa ein traditionelles Gericht ihrer Region auf, das aus Reis, süßen Eiern und Tomaten bestand. Ganz offen sprach die junge Frau während des Aufenthalts auch über den Alltag in der chinesischen Provinz. »Das hat uns sehr beeindruckt«, erinnern sich Helga und Adrian Peill.

»Gestohlen hat bei uns noch keiner was«

Auch der Besuch eines jungen Engländers im verschneiten Januar dieses Jahres in ihrer Wohnung in Traunstein ist ihnen besonders in Erinnerung geblieben. Er legte auf seinem Fußmarsch von Rotterdam nach Istanbul einen Zwischenstopp bei den beiden ein und erwähnte das Traunsteiner Paar wenig später auch auf seinem Blog im Internet.

Eine gewisse Angst, einen Fremden in ihr Heim zu lassen, hatten Adrian und Helga Peill von Anfang an nicht. Verräumt oder abgesperrt haben sie nie etwas – und ihr Vertrauen wurde während der letzten beiden Jahre auch nicht missbraucht. »Gestohlen hat bei uns noch keiner was«, sagen die beiden, die neben Englisch und Französisch auch noch gebrochen Italienisch und Spanisch sprechen. Für beide war es auch kein Problem, dass sie die Couchsurfer mal für ein paar Stunden allein im Haus ließen, um etwa zu einem Termin nach München zu fahren. Adrian Peill hatte bei seinen Aufenthalten in Regensburg, Hamburg und Zürich bereits am ersten Tag einen Schlüssel für die Haustür bekommen. Lediglich der Schweizer Gastgeber hatte dafür eine Kopie des Personalausweises verlangt.

Ehrlich währt am längsten, das gilt auch auf der Internetplattform des Couchsurfings. Auf der Pinnwand hinterlassen dort Gäste und Gastgeber danach fast immer Einträge über die Qualität ihres Aufenthalts. Wahre Lobeshymnen finden sich auf dem Profil von Helga und Adrian Peill, die ihre Besucher auch immer um einen Eintrag in ihrem privaten Gästebuch bitten. Dort finden sich neben schönen Zeichnungen und eingeklebten Fotos auch Rezepte und viele nette Worte.

In ihrem eigenen Urlaub reisen die Traunsteiner aber mittlerweile kaum mehr per Couchsurfing durch die Länder – sie haben sich einen eigenen Wohnwagen zugelegt. apo