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Corona-Verstoß? Frau füttert Igel und kassiert Bußgelder: Polizei zieht Anzeigen zurück

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Siegsdorf: Igelfütterung führt wegen Corona-Beschränkungen nicht zu Bußgeld-Anzeigen
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Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Siegsdorf – Eine unerwartete Wende nahm die am Mittwoch bekanntgewordene Igelfütterung einer Frau aus Siegsdorf, die von der Polizei Traunstein als Verstoß gegen die geltenden Ausgangsbeschränkungen bewertet wurde. Die Bußgeldverfahren gegen die Dame werden nun eingestellt. Die Polizei entschuldigt sich für die Fehleinschätzung.

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Da in der Bevölkerung bereits seit Längerem Verunsicherung über ausgelegte Fleischbrocken im Gemeindegebiet herrscht, führte die Polizei in der Vergangenheit immer wieder Kontrollen durch. So auch am Dienstag. Mehrere besorgte Bürger hatten sich an die Polizeiinspektion gewandt, da sie befürchteten, es könnten Giftköder ausgelegt worden sein.

Zum zweiten Mal hatten Polizeibeamte am Dienstag eine Frau aus Siegsdorf im Ortsbereich beim Auslegen von Futter für Igel angetroffen. Die Tierschützerin hatte angegeben, sie müsse Igel und andere Tiere füttern und habe daher einen triftigen Grund, ihre Wohnung zu verlassen. Gegen die Frau wurde bereits beim ersten Mal ein Bußgeldverfahren eingeleitet, am Dienstag folgte ein weiteres.

Der Vorfall wurde im Rahmen einer juristischen Bewertung durch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd geprüft. Dabei wurde festgestellt, dass die Tierfreundin, die in zwei der Polizei bekannt gewordenen Fällen im Wald Futter für Igel ausgelegt hatte, nicht gegen die geltenden Ausgangsbeschränkungen des Infektionsschutzgesetzes verstoßen hat. Somit hat sie auch kein Bußgeld zu befürchten. Daher hat die Polizei nun die Einstellung der beiden Bußgeldverfahren bei der zuständigen Behörde veranlasst.

Polizeivizepräsidentin Eva Schichl meldete sich am Donnerstag telefonisch bei der Betroffenen und drückte ihr Bedauern über den Vorfall aus. Die Frau freute sich sehr über den Anruf und das Ergebnis der rechtlichen Überprüfung durch das Polizeipräsidium.

Auch Polizeipräsident Robert Kopp gab eine Erklärung ab: »Die Beamtinnen und Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd führen seit dem 21. März tagtäglich tausende von Kontrollen zur Überwachung der Ausgangsbeschränkung unter einer sich ständig fortentwickelnden Lage durch und haben dabei Augenmaß und viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Dass es in diesem konkreten Fall nun zu einer Fehleinschätzung gekommen ist, bedauern wir ausdrücklich.«

Wie bereits am Mittwoch berichtet, geht von den ausgelegten Fleischbrocken keine Gefahr für Tiere aus. fb

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