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Christian Hümmer löst Wolfgang Berka als CSU-Chef ab

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In einer Kampfabstimmung setzte sich Christian Hümmer (links) gegen Wolfgang Berka durch und wurde zum neuen Vorsitzenden des CSU-Ortsverbandes Traunstein gewählt. Zu Beginn der Versammlung hatten Berka und Kreisvorsitzender Klaus Steiner den früheren Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Karl Irber für 50 Jahre Mitgliedschaft in der CSU geehrt.
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Traunstein. Christian Hümmer ist neuer Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Traunstein. In der Jahreshauptversammlung im Brauereiausschank Schnitzelbaumer gewann er die Kampfabstimmung gegen Wolfgang Berka mit 43 zu 31 Stimmen. Der promovierte Jurist Hümmer (Fachgebiet öffentliches Baurecht) ist 31 Jahre alt, gebürtiger Traunsteiner und seit mehr als zehn Jahren bei der CSU. Von 2004 bis 2009 war er Ortsvorsitzender der Jungen Union und von 2009 bis 2011 Bezirksvorsitzender der CSU-Nachwuchsorganisation.


Gescheitert ist mit der Abwahl Berkas auch die Initiative »Traunstein erneuern« innerhalb der CSU, die unter seiner Regie im letzten Jahr frischen Wind in die Traunsteiner Kommunalpolitik bringen wollte. Die Einladung Hümmers, im Ortsverband mitzuarbeiten, lehnten Berka und die meisten seiner Mitstreiter kategorisch ab. Für 50 Jahre Mitgliedschaft in der CSU wurde Karl Irber geehrt.

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Wolfgang Berka hat den Ortsvorsitz erst Ende September nach dem Rücktritt von Karl Schulz übernommen. Schon zuvor und erst recht seit seiner Wahl hatte er eine Gruppe vorwiegend junger Mitglieder um sich geschart und versucht, mit der Initiative »Traunstein erneuern« neue Wege in der Traunsteiner Kommunalpolitik zu gehen. Die meisten etablierten Christsozialen in der Großen Kreisstadt beobachteten die Aktivitäten mit Argwohn. Sie mobilisierten ihre Parteifreunde, die schließlich in der Versammlung am Freitag in der Überzahl waren und für den von Hans Zillner vorgeschlagenen Christian Hümmer stimmten.

Schon vor Berkas Rechenschaftsbericht und den Neuwahlen mokierte sich ein Mitglied darüber, dass das Einladungsschreiben für diese Jahreshauptversammlung nicht auf dem üblichen Briefpapier mit CSU-Emblem, sondern auf einem neu entworfenen Briefkopf »Traunstein erneuern« CSU in der Stadt Traunstein verschickt worden ist.

Berka sagte, er habe den Ortsvorsitz Ende September übernommen, weil er der JU-Initiative »Traunstein erneuern« Vertrauen geschenkt habe. Ziel sei es, »dass man auf den Bürger stärker hört«. In den vergangenen zehn Monaten habe man versucht, die CSU als starke politische Kraft zu positionieren. Die CSU habe ein offenes Ohr für die Bürger und es sei gelungen, sie als neue politische Kraft für Traunstein zu positionieren. Dafür lohne es sich, weiterzuarbeiten. Berka verwies auch auf einen »beachtlichen Mitgliederzuwachs« (6 Personen) in allen Altersbereichen. Ahnend, was kommen könnte, sagte Berka »Die CSU steht vor einer Richtungsentscheidung. Ich bitte um das Vertrauen für Traunstein erneuern«.

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Traunsteiner Stadtrat, Wolfgang Osenstätter, verwies in seinem Bilanzbericht für die Stadtratsfraktion auf die Leistungen, die man gemeinsam mit den anderen Fraktionen geschafft habe. Die CSU sei zwar die stärkste Fraktion, habe aber nicht die Mehrheit, weshalb es nicht immer einfach sei, seinen Willen durchzusetzen. Seine Aufzählung der Erfolgsbilanz betraf unter anderem den Schuldenabbau, die Verkehrsentlastung (Südspange), den Bau der zwei Kinderkrippen, den Hochwasserschutz, den Busbahnhof und die Sportanlage in Empfing. Mit der Sportanlage in Empfing »machen wir etwas Tolles«. Ausführlicher ging er auf die Pläne im Zusammenhang mit dem Kunstraum Klosterkirche ein. Seit Ende 2010 habe die CSU darauf hingewiesen, dass es so nicht funktioniere. Die CSU sei maßgeblich gewesen, dass das Projekt in der Form nach dem Architektenwettbewerb verhindert wurde. Das sehe er aber nicht als Erfolg. Ein Erfolg wäre es, würde man einen besseren Standort finden und das Projekt mit niedrigeren Kosten verwirklichen können.

In seinem Kassenbericht verwies Hans Zillner auf einen satten Überschuss im letzten Jahr und ein gut gefülltes Konto für den nächstjährigen Kommunalwahlkampf. Einen kurzen Bericht aus dem Kreistag gab Gerhard Kotter und auch die Vertreter der Seniorenunion (Rainer Grimm für Dietmar Göger), der Frauenunion (Doreen Hänicke) und der Jungen Union (Florian Kick) berichteten kurz über ihre Arbeit. Bezirkstagskandidatin Annemarie Funke bewarb sich in einer engagierten Rede um die Stimmen ihrer Traunsteiner Parteifreunde.

CSU-Kreisvorsitzender Klaus Steiner, der zwischen den Wahlgängen aus der Arbeit im Landtag berichtete, wies die Versammelten darauf hin, dass der ganze Landkreis auf den Traunsteiner CSU-Ortsverband schaue, der ja auch der größte im Kreis sei. Die Wahlen unter seiner Leitung begannen mit dem eingangs erwähnten Paukenschlag. Zu Hümmers Stellvertretern wurden Franz Gruber, Ernst Harrecker und Martin Litwinschuh gewählt. Wolfgang Berka, der ebenfalls für einen Stellvertreterposten vorgeschlagen worden war, lehnte ab: »Ich trete ordnungsgemäß nicht an.« Später erklärte er in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, »unter diesen Voraussetzungen ist eine Mitarbeit nicht möglich«. Schriftführerin bleibt Andrea Kick und um die Finanzen wird sich auch künftig 2. Bürgermeister Hans Zillner kümmern.

Nachdem die dem Lager Berkas zuzuordnenden Mitglieder ihre Kandidatur um einen der neun weiteren Mitglieder im Vorstand zurückgezogen hatten, blieben nur noch zehn Kandidaten übrig. Gewählt wurden (geordnet nach der Zahl der Stimmen): Florian Binder, Josef Häusler, Christian Maaßen, Christa Fuchs, Hermann Koch, Gerhard Marino, Wolfgang Osenstätter und Christine Ahlheim sowie Gerald Berger. Da alle Wahlen schriftlich erfolgten, war das Auszählen der Stimmen eine langwierige Prozedur, sodass die Jahreshauptversammlung erst weit nach 23 Uhr zu Ende war.

Festlich begonnen hatte die Versammlung mit der Ehrung langjähriger Mitglieder. Neben dem langjährigen Vorsitzenden der CSU-Stadtratsfraktion, Karl Irber, der seit 50 Jahren Parteimitglied ist, wurden zehn Personen für 40 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet: Gerd Folkerts, Rainer Grimm, Willi Jäger, Georg Mayer, Peter Perseis und Christa Schneider. Nicht anwesend waren Dieter Burmeister, Engelbert Gruber, Konrad Hofmann und Eleonore Stolz, denen die goldene Ehrennadel für 40 Jahre Mitgliedschaft nachgereicht wird. Mit der silbernen Ehrennadel für 25 Jahre Parteizugehörigkeit ausgezeichnet wurden Franz König, Peter Mallmann, Gerhard Marino, Stefan Namberger und Katharina Polster.

Am Tag nach der Versammlung fand im Gasthaus Sternbräu ein CSU-Bürgerfrühschoppen statt, zu dem noch Wolfgang Berka eingeladen hatte. Er nahm nicht teil, so dass Christian Hümmer mit den rund 30 Besuchern diskutierte. Ein zentrales Thema waren dabei die Kindergartengebühren und deren Staffelung nach der Höhe des Einkommens der Eltern. -K.O.-