China als wichtiger Handelspartner für Firmen im Landkreis

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Berge werden abgetragen, um Flächen für Industrieansiedlungen zu schaffen. So soll zum Beispiel eine »German Eco City« entstehen. Dort durften die Mitglieder der deutschen Wirtschaftsdelegation symbolisch Bäume pflanzen. Unser Bild zeigt Thomas Eberl beim Pflanzen »seines« Baumes.

Eine Reihe von Unternehmen aus dem Landkreis Traunstein pflegen intensive Geschäftsbeziehungen zu China. Für die Firma Brückner Maschinenbau in Siegsdorf zum Beispiel ist China der wichtigste Handelspartner. Andere Unternehmen wie etwa die Fridolfinger Firma Rosenberger haben mehrere Niederlassungen im Reich der Mitte.


Weitere Firmen mit China-Kontakten sind zum Beispiel Alz-Chem und BASF in Trostberg, Alzmetall in Altenmarkt, Bosch-Siemens, Siteco und Heidenhain in Traunreut sowie neben Brückner zwei weitere Firmen in Siegsdorf: Ecolab und Nowofol. Aber auch kleinere und weniger bekannte Unternehmen haben intensive Kontakte zum Reich der Mitte; zum Beispiel die Firma Caspary in Chieming, für die unter anderem die Firma Pöschl-Anlagenbau in Hart Sudhäuser und Molkereitechnik fertigt.

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Chinesen besuchen regelmäßig den Landkreis

Mehrmals im Jahr kommen Wirtschaftsdelegationen aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde in den Landkreis Traunstein. Sie pflegen hier den Kontakt zu ihren Geschäftspartnern oder versuchen, neue Beziehungen zu knüpfen. Organisiert werden diese Besuche von der Industrie- und Handelskammer, die den Verkehrsfachwirt Thomas Eberl meist mit der örtlichen Organisation beauftragt. Thomas Eberl leitet zusammen mit seinem Vater Jürgen das gleichnamige Logistikunternehmen in der Gemeinde Nußdorf.

Thomas Eberl hatte nun Gelegenheit, auf Einladung der chinesischen Regierung an einer Reise des Bundeswirtschaftsministeriums nach China teilzunehmen. Ziel der 13-köpfigen Delegation war es, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen sowie Möglichkeiten neuer Geschäftsbeziehungen zu erkunden. Was für viele Teilnehmer aber zumindest genauso wichtig war: Sie konnten sich ein Bild davon machen, »wie der Chinese tickt«, wie er es mit dem Umweltschutz hält und wie hierarchisch es bei Geschäftstreffen zugeht.

In einer großen Reportage über China, die am 3. Dezember auf dem Bildungssender Phoenix gezeigt wurde, zog der Autor am Ende das wenig schmeichelhafte Fazit: »China fehlt es an Werten«. Und diesen Eindruck hätten, vor allem mit Blick auf die gigantische Umweltzerstörung, auch viele Teilnehmer der deutschen Wirtschaftsdelegation gewonnen, räumte Eberl ein.

Große Umweltschäden machten nachdenklich

Die großen Umweltschäden im vom Smog geplagten China gaben den Delegationsmitgliedern Anlass zum Nachdenken. »APEC-Gipfel in Peking – Luftkurort für eine Woche« berichtete der Spiegel. Drastische Maßnahmen wie die vorübergehende Schließung von Fabriken und Fahrverbote sollten Merkel, Obama und Co einen Stück blauen Himmel in China ermöglichen. »Is it real?« fragten die chinesischen Geschäftspartner den bayerischen Spediteur, der Bildbände vom Chiemgau als Gastgeschenke verteilte. Sie konnten kaum glauben, dass der Himmel im Chiemgau so blau und die Landschaft so schön ist.

Die Spedition Eberl empfängt jedes Jahr Reisegruppen im Rahmen des Manageraustausch- und -fortbildungsprogrammes des Bundeswirtschaftsministeriums. Nun lud das Ministerium Eberl ein, an der Chinareise teilzunehmen.

Um fit für das Chinageschäft zu werden, mussten die Teilnehmer zwei Tage in Bonn die Schulbank drücken. In einem Vorbereitungsseminar ging es um das Thema Geschäftsanbahnung. Wer die Menschen und die Märkte in China verstehen und dort Erfolg haben will, muss ihr Umfeld und ihren Hintergrund kennen.

Erste Station der Reise war Taicang in der Nähe von Shanghai, wo 11 500 Firmen, davon 200 aus Deutschland, ansässig sind.

Mit riesigem Aufwand soll am zweiten Besuchsort in Jieyang eine »German Eco City« geschaffen werden. Als Botschafter haben die Chinesen den im Dezember aus dem Amt geschiedenen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und den früheren Bundesminister Rudolf Scharping engagiert.

Mit aufwändigen Plänen und Broschüren will man hier deutsche Firmen zu einer Ansiedlung bewegen. Damit sie sich heimisch fühlen, sehen die Pläne deutsche Architektur und Landschaftsgestaltung vor.

Am dritten Tagungsort in Chengdu, einer Stadt mit 14 Millionen Einwohnern, wurden die Deutschen vom Generalkonsul empfangen und der Vizewirtschaftsminister Chinas lud sie zu einem Staatsempfang ein. Auf der vierten Station traf man sich mit chinesischen Austauschpartnern von Managerprogrammen.

Erst zum Essen gehen, dann übers Geschäft reden

Teilnehmer der Reise berichteten nach ihrer Rückkehr unter anderem, dass das Anbahnen von Geschäftsbeziehungen in Fernost ganz anders verläuft als bei uns. In Deutschland gehen die Partner nach Abschluss des Geschäftlichen zum Essen. In China geht man erst zum Essen und der Chinese macht mit ihm nur Geschäfte, wenn ihm sein Gegenüber sympathisch erscheint.

Es wird allergrößter Wert auf Höflichkeit gelegt und darauf, dass bestimmte Rituale eingehalten werden. Geradezu grotesk muten diese an, wenn es um das Überreichen der Visitenkarten geht. Bei Geschäftsterminen oder -essen sitzt die Nummer eins auf chinesischer Seite immer mit dem Gesicht zur Tür, die Nummer zwei immer mit dem Rücken zur Tür. »Wenn der Teufel kommt, holt er sich nämlich den, der am nächsten bei der Tür sitzt«, erzählte ein Reiseteilnehmer mit einem Schmunzeln.

Mit der Errichtung kompletter Fertigungswerke in China und Indien nützt die Fridolfinger Firma Rosenberger einerseits die Wettbewerbsvorteile im internationalen Vergleich, leistet andererseits aber auch einen Beitrag zur industriellen Entwicklung aufstrebender Länder. In Peking beschäftigt Rosenberger rund 2000 Personen. Weitere Standorte sind in Shanghai und Dongguan.

Bereits seit Ende der 1970-er Jahre ist Brückner Maschinenbau in China aktiv und verkauft Anlagen zur Produktion flexibler Kunststofffolien dorthin – bisher rund 300. Im Jahr 1985 hat man eine Verkaufsniederlassung in Hongkong eröffnet und später in Shanghai und Suzhou. Beide hat man mit chinesischen Mitarbeitern auch für den Service erweitert.

Seit 2003 unterhält Brückner in China auch eine Produktionsstätte für Bleche, Konstruktions- und Rahmenteile. Seit April 2012 sind die Aktivitäten in China durch die Eröffnung eines neuen Hauptsitzes in Suzhou konzentriert. Für Brückner Maschinenbau ist China der mit Abstand wichtigste Markt. Dorthin wurden in den letzten Jahren mehr als die Hälfte aller Anlagen verkauft.

China ist auf dem Weg, die USA als größte und führende Volkswirtschaft der Welt zu verdrängen. Ein rasant steigender Anteil der Bevölkerung gehört zur Mittelschicht, die dem gehobenen westlichen Lebensstandard zugeneigt ist. Lebensmittel und Luxusgüter werden in Supermärkten gekauft und der Anspruch an die verwendeten Verpackungen steigt. In den allermeisten Fällen wird Kunststofffolie verwendet, welche auf Anlagen von Brückner produziert wird. Und schließlich ist Chinas Wirtschaft nach wie vor eine Exportmacht und die produzierte Ware wird dort auch verpackt – sehr oft in Kunststofffolie.

100 Mitarbeiter regelmäßig in China unterwegs

Durch eine sehr gute Geschäftsentwicklung in China in den letzten drei Jahren sind im Schnitt an die 100 Brückner-Mitarbeiter in China unterwegs, manche nur für ein paar Tage, die meisten aber für Wochen oder auch Monate, wenn es um die Montage und Inbetriebnahme der Anlagen und um die Schulung der chinesischen Kunden geht.

Keine Angst davor, dass alles ausspioniert und nachgebaut wir?«, fragten wir Geschäftsführer Ludwig Eckart. Seine Antwort: »Brückner Maschinenbau ist sich bewusst, dass die Führungsposition im Weltmarkt nur durch die Technologieführerschaft gesichert werden kann«.

Deshalb werden im eigenen, weltweit einzigartigen Technologiezentrum anhand umfangreicher Grundlagenforschung und permanent wachsendem Prozesswissen die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens stetig weiterentwickelt. »Immer einen Schritt voraus zu sein ist in unserem Geschäft der beste Schutz vor Nachahmern und Kopien«, betont Eckart. Klaus Oberkandler

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