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Chiemseerenken werden mehr und schwerer – Pachtvertrag der Fischer läuft aus

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Zum Gedenken an die toten Fischer und die gefallenen Fischersöhne legte der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Chiemsee, Thomas Lex, am Kriegerdenkmal auf der Fraueninsel einen Kranz am Denkmal nieder. (Foto: Thümmler)

Chiemsee – Eigentlich auf mehr politische Prominenz hatte die Fischerei-Genossenschaft Chiemsee zum Fischerjahrtag auf der Fraueninsel aufgrund der Landtagswahlen gehofft. Gekommen aber war aber nur MdL Klaus Steiner aus dem Wahlkreis Traunstein.


Vorsitzender Thomas Lex würdigte, dass der größte Teil des Chiemsees in Steiners Wahlkreis Traunstein liege und er Mitglied des Jagd- und Fischereiausschusses sei. Steiner sicherte der Genossenschaft seinen vollen Einsatz zu, musste aber einräumen, dass die Probleme mit dem Kormoran nicht leichter werden.

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Einen Wechsel gab es bei den Behördenvertretern. So geht Dr. Franz Geldhauser vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium in diesem Jahr in den Ruhestand. »Er hat immer ein offenes Ohr für unsere Probleme gehabt«, erklärte Lex. Ebenfalls in den Ruhestand gehe Ende des Jahres der Fachberater für Fischerei des Bezirks Oberbayern, Dr. Ulli Wunner. Lex lobte die stets vertrauensvolle Zusammenarbeit und die kompetente Betreuung in allen fischereitechnischen Fragen und Problemen.

Pachtvertrag mit dem Freistaat läuft aus

»So wäre es schön, wenn wir in deiner verbleibenden Amtszeit noch unseren neuen Pachtvertrag mit dem Bayerischen Staat für die fischereiliche Bewirtschaftung des Chiemsees unter Dach und Fach brächten«. Der Vertrag läuft in diesem Jahr aus. Als Dank für die gute Zusammenarbeit überreichte Lex Dr. Wunner eine geräucherte Renke.

Lex freute sich, dass mit Dr. Bernhard Gum ein würdiger Nachfolger bereitstehe. Beide gratulierten der Genossenschaft zu ihren hervorragenden Fangergebnissen, besonders bei den Renken. Die haben sich in den vergangenen zehn Jahren gut entwickelt. Sie seien wesentlich größer geworden, profitierten sie doch von dem guten und fettreichen Plankton.

»Unsere über 1000 Angelfischer sind mit ihren Fängen ebenfalls hochzufrieden«, bemerkte Lex. Hechte, Schied, Schratzen und vor allem Renken seien sehr gut geangelt worden. Bei so manchen sei das erste Renkenfangbuch schon voll – das seien immerhin 150 Stück, so Lex.

»Insgesamt steht die gesamte Chiemseefischerei mit Berufs- und Angelfischern auf dem Bayerischen Meer hervorragend da«, so Lex. Das Fangjahr 2017 schlossen die 16 Berufsfischer mit nochmals einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr ab. Den größten Anteil stellten auch hier die Renken dar.

Das gute Fangergebnis liege nicht nur am Einsetzen von Besatzfischen. »Wir haben das Glück, dass anscheinend genügend Nährstoffe im richtigen Verhältnis in den See eingetragen werden. Da werden wir von den Fischern der anderen Voralpenseen, besonders vom Bodensee und Starnberger See beneidet«, so Lex.

Der Aufwärtstrend setzte sich auch im ersten Halbjahr fort. So setzte das Planktonwachstum schon sehr früh ein. Die Renken legten schnell an Gewicht zu, sodass die Fischer bald auf eine größere Maschenweite der Netze übergehen konnten, erklärte Lex. Er freute sich über die hervorragende Qualität der Renken vom Fettgehalt und der Größe her. Der Absatz sei kein Problem. Dazu komme der große Bedarf von anderen Seen. »Die Kollegen müssen sich durch den Kauf unserer Renken über Wasser halten«, erklärte Lex.

Weit unter 20 Prozent Anteil am Gesamtfang haben die übrigen Fischarten wie Brachsen, Hecht, Zander, Aale, Karpfen, Schleie, Barsche, Rutten, Waller, Rotaugen und Mairenken. Sie würden aber trotzdem zur Vielfalt des Fischbestands beitragen.

Der Fangerfolg komme aber nicht von ungefähr. Um den Fischbestand zu mehren, habe die Genossenschaft im vergangenen Jahr Hechte, Zander, Maränen, Seeforellen und Glasaale im Wert von 60 000 Euro gekauft. Aus eigener Erbrütung in der Brutanstalt Harras habe die Genossenschaft rund 130 Millionen Renkenbrütlinge, davon 2,5 Millionen aus den schwimmenden Netzvorstreckkäfigen, in den See entlassen. Ebenfalls aus eigener Erbrütung wurden rund drei Millionen Hechtbrütlinge ausgesetzt.

»Dass wir damit auch eine Menge 'Vogelfutter' einsetzten, ist uns klar. Die Schäden an unseren Renkennetzen, das Herausreißen der Fische durch die Kormorane werden immer schlimmer«. Eigenartig fanden die Fischer, dass die Nester der Brutkolonie im Achendelta nicht alle belegt worden seien. Dagegen seien am Schafwaschener Winkel rund 40 neue Kormorannester beobachtet worden. Das Problem habe sich also nur verlagert. Lex erklärte: »Ich muss wieder bemerken, dass wir mit dem Kormoranproblem allein gelassen werden«.

»Da kann man die Ruhezonen vergessen«

Auch gebe es ein großes Ärgernis bei der Pflege der Ruhezonen entlang der Ufer. So seien 20 Bojen, die die Schutzzonen begrenzen sollen, untergegangen, oder vom Eisgang verzogen worden. Dagegen hätten die Fischereiaufseher ihre Wirkung gezeigt. Durch die Kontrollen gab es allerdings einige Anzeigen.

Der Fischerjahrtag hatte mit dem vom Verbandspfarrer Andreas Przybylki zelebrierten Gottesdienst im Münster begonnen. Ein Kirchenzug mit der Fischerstandarte führte zum Kriegerdenkmal unter den Linden. Lex legte zum Gedenken an die toten Fischer und besonders die gefallenen Fischersöhne einen Kranz am Denkmal nieder. Unter den Klängen der Musikkapelle Prien ging es zurück zur Versammlung. th

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