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Chieming drückt in Sachen Umgehungsstraße aufs Tempo

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Chiemings Bürgermeister Benno Graf stellte in Grabenstätt mögliche Trassenverläufe einer Ortsumfahrung von Chieming vor. Während der neue Vorschlag (rote Markierung) nordöstlich von Chieming in Richtung Kreisverkehr Laimgrub führen würde, würde jene Trasse, die 2002 im gemeindlichen Flächennutzungsplan verankert wurde (schwarze Markierung rechts) erst nördlich von Sondermoning wieder auf die Staatsstraße 2096 zurückführen. (Foto: Müller)

Grabenstätt/Chieming – Besonders gut besucht war die jüngste Monatsversammlung der Freien Wählergemeinschaft Grabenstätt im Gasthof Chiemseebräu und das lag zweifelsohne am Referenten Benno Graf, dem Bürgermeister der Nachbargemeinde Chieming (UW Chieming), der über den aktuellen Planungsstand zur Chieminger Umgehungsstraße sprach.


Das Thema ist auch für die in Erlstätt, Tettenmoos und Marwang lebenden Grabenstätter von Bedeutung, haben sie doch seit jeher Angst, dass Chieming die Ortsdurchfahrt – wie es die dortigen Bürger auch immer wieder fordern – für den Schwerlastverkehr sperren könnte, der dann zwangsläufig durch ihre Ortsteile rollen würde. Diese Sorgen seien absolut unbegründet, so Graf, da man unter seiner Führung niemals nach dem Florians-Prinzip verfahren werde. Vielmehr gelte es »an einem Strang zu ziehen«, Probleme oder potenzielle Bedrohungen gemeinsam zu lösen und nicht einfach auf andere zu verschieben, so Graf.

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Frühestens 2021 ist mit Realisierung zu rechnen

»Seit über 50 Jahren wird in Chieming von einer Umgehungsstraße geredet«, erinnerte er und betonte, das Thema werde vor allem in Wahlkampfzeiten immer wieder aus der Schublade geholt und instrumentalisiert. »Ihr habt es geschafft, ihr habt die Umgehung gekriegt«, beglückwünschte Graf den Grabenstätter Bürgermeister Georg Schützinger und dessen Gemeinderäte und stellte klar, dass es Grabenstätt ohne diese 2006 eröffnete Umgehungsstraße aufgrund des stetig zunehmenden Schwerverkehrs »zerreißen würde«. Bis es aber in Chieming soweit sei, sei es noch ein weiter Weg. »Da wir uns mit dem Vorhaben 'Ortsumfahrung Chieming' nur in der 1. Dringlichkeitsstufe – Reserve befinden, ist frühestens 2021 bis 2025 mit einer Realisierung zu rechnen«, trat Graf auf die Euphoriebremse. Andere Bauprojekte hätten Vorrang.

Während der vom Straßenbauamt neu ins Spiel gebrachte Trassenverlauf von Unterhochstätt kommend östlich an Chieming vorbeiführen und in Richtung Kreisverkehr Laimgrub weiterführen würde, würde die Trasse, die 2002 in den gemeindlichen Flächennutzungsplan aufgenommen worden sei, am Chieminger Ortsteil Eglsee vorbeiführen und erst nördlich von Sondermoning wieder auf die Staatsstraße 2096 treffen, so Graf. Bei dieser Variante mit Umgehung Sondermoning käme freilich auch die Nachbargemeinde Nußdorf ins Spiel.

Derzeit sei in Sachen Trassenverlauf aber noch alles offen. Falls man die Chieminger Ortsumgehung in kommunaler Sonderbaulast vorantreibe, hätte die Gemeinde zwar die Federführung und mit der Planung könnte umgehend begonnen werden, andererseits müsste man einen finanziellen Eigenanteil aufbringen und die Planung vorfinanzieren, so Graf. Fördergelder würden erst ab vollziehbarem Baurecht fließen, eine verlorene Planung sei nicht förderfähig. Probleme beim Trassenverlauf könnte es vor allem zwischen Pfaffing und Aufham geben, wo die Umgehungsstraße bis auf 200 Meter an die Wohnsiedlung heranreichen und noch dazu »durch einen besonders sensiblen Bereich mit einem Quellschutzgebiet« führen würde.

Jeder Bürger soll sich einbringen können

Demnächst werde die Gemeinde Gespräche mit dem Straßenbauamt und einem Ingenieurbüro führen. Zudem soll unter Einbindung des Gemeinderats und externer Fachleute ein umfassender Fragebogen erarbeitet werden, der dann im Rahmen einer öffentlichen Info-Veranstaltung verteilt werde. Jeder Bürger könne sich somit einbringen. Falls man von der Bürgerschaft auf diesem Weg eindeutig positive Rückmeldungen erhalte, werde man im Gemeinderat in Sachen »Ortsumfahrung Chieming richtig Gas geben«, versprach Graf. Eine knappe Mehrheit würde dabei nicht genügend Rückhalt bringen, 75 Prozent an Zustimmung sollten es schon sein.

Für den Luftkur- und Fremdenverkehrsort Chieming würde eine Umgehung »gewaltige Chancen« bringen, weil man in der Ortsmitte bis zu 75 Prozent weniger Durchgangsverkehr hätte, beispielsweise eine Tempo-30-Zone einrichten und andere Umgestaltungen zur Aufwertung des Ortsbildes vornehmen könnte. Derzeit sei das alles nicht möglich, betonte Graf und verwies auf das immense Verkehrsaufkommen, das sich in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt habe. Derzeit fahren täglich rund 10 000 Fahrzeuge auf der Staatsstraße 2096 durch Chieming.

Die geänderte Beschilderung in Matzing (Autobahnschild Richtung Traunstein) habe sich übrigens auf den Schwerverkehr in Chieming kaum ausgewirkt, meinte Graf, da die Lkw-Fahrer alle mit Navi fahren und somit den kürzesten Weg wählen. mmü

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