weather-image
25°

Chiemgauer Gaudibredl: Spritzig-witziges Theater

5.0
5.0
Bildtext einblenden
»Willi« (Hans Ring) wird im neuen Stück des Chiemgauer Gaudibredls von »Schantall« (Silvia Steiner) bezirzt. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Sehr lustig, aber – wie im Programmheft angegeben – nicht jugendfrei, präsentierte das neu gegründete Chiemgauer Gaudibredl seine erste Komödie »Zoff im Puff« im Gasthof Prinzregent in Marquartstein. Die Premiere im traditionsreichen Prinzregentensaal war schon wochenlang ausverkauft – und die vielen erwartungsvollen Besucher wurden nicht enttäuscht. Die von der erfahrenen Regisseurin Angelika Fischer bestens einstudierte Aufführung bekam mehrfach spontanen Zwischenapplaus, und am Schluss dankte das Publikum sogar mit stehenden Ovationen für die durchwegs gelungenen Leistungen der Schauspieler und die witzigen Bühneneinfälle in der Komödie von Markus Scheble und Sebastian Kolb aus Bad Feilnbach.


Schon das Bühnenbild (Caroline Spindler) und der verheißungsvolle Eingang zum Theatersaal, bestückt mit »verruchten« Dessous, dazu die altbekannte Melodie von »Je t´aime« vor jedem Akt, versetzte das Publikum in die richtige Stimmung, die manch einer sich so bei Bordellbesuchen erwarten mag.

Anzeige

Im Puff waren Puffmutter Berta (Doris Kandler), die »leichten Mädchen« (Silvia Steiner als »Schantall« und Alexandra Mittermeier als »Desiree« oder »Desi Resi«), trotz ihrer nicht ganz zarten äußeren Formen verführerisch herausgeputzt, was eine der Damen so kommentierte: »Nicht dick, sondern mit größerer erotischer Nutzfläche«, wobei die gelungenen Masken von Maria Metz stammten.

Obwohl das Etablissement treue Freier hat, wie den vereinsamten Witwer »Willi« (Hans Ring, der mit seinen 87 Jahren noch wunderbar Theater spielt), dem durch und durch unappetitlichen »Bockleitner« (Max Schönsteiner) oder dem nur in Dichterversen sprechenden »von Dinkelstein« (Benjamin Anweldt), hat das Provinzbordell mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Dies wird besonders gefährlich durch den nichtsnutzigen Sohn der Puffmutter, »Ringo« oder »Burli« (Josef Riedmaier), der beim Pokern 200 000 Euro Schulden bei der Mafia gemacht hat.

Die Mafiosi »Dragan« (Michael Hartl) und später »Nikolai« (Kurt Lohwasser) bringen die ganze Puffmannschaft gehörig ins Schwitzen. Mit dem gerissenen »Hausl« oder Haus-meister (Peter Stinauer) wird eine nicht ganz hasenreine Strategie überlegt, wie sich der ganze Betrieb aufrechterhalten lässt. Dabei spielt der masochistisch veranlagte Bankdirektor »Sauerberg« (Momo Weberegger) eine entscheidende Rolle; er erntete zusammen mit dem Hausl die meisten Lacher im Saal.

Für ein glückliches Ende sorgen schließlich die resolute Putzfrau Erna (Linde Laubhuber) – wenn auch nicht absichtlich – und der kurz vor Schluss auftauchende »Dr. Kinkel« (Kevin Strauch), der eine teils frohe teils traurige Botschaft bringt.

Hervorragend klappte die Technik während der Aufführung, für die Ronny Oh verantwortlich zeichnete, und vom Einsatz der Souffleuse Monika Riedmaier war nichts zu merken.

Die bayerische Komödie aus dem Rotlichtmilieu wird nochmals am heutigen Freitag, am Sonntag sowie an den gleichen Tagen am 10. und 11. Mai jeweils um 20 Uhr gespielt. Karten im Vorverkauf gibt es unter Telefon 08641/957399 täglich zwischen 15 und 19 Uhr. gi