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Busfahrer streikten auch in Traunstein

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Für die Gleichbehandlung der RVO-Busfahrer, die erst nach dem Jahresende 2005 eingestellt wurden, streikten gestern die Busfahrer auch am Standort Traunstein. (Foto: Hohler)

Traunstein – Mit erbosten Anrufen von Eltern und Schulleitungen mussten sich gestern die Damen im Büro des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) mitsamt ihrem Niederlassungsleiter Michael Schmidt auseinandersetzen. Denn insgesamt waren es rund 100 RVO-Busfahrer, die an den Standorten Traunstein, Berchtesgaden und Rosenheim dem Aufruf zum eintägigen Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gefolgt waren – praktisch alle RVO-Busse blieben in den Depots.


Allein in Traunstein beteiligten sich rund 40 Busfahrer an dem kurzfristig einberufenen Warnstreik. »Wir haben ja gestern Abend noch übers Radio über den Streik informiert, da hätte der RVO noch Ersatzbusse beschaffen können«, erklärte dazu der örtliche EVG-Streikleiter Frank Hauenstein gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. »Natürlich tut es uns leid, dass so viele Fahrgäste betroffen sind, aber die Situation der Busfahrer muss einmal öffentlich werden.«

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»DB ist kein zuverlässiger Tarifpartner mehr«

Seit April 2014 verhandle man vergeblich mit der Deutschen Bahn, deren Tochtergesellschaft der RVO ist. »Aber die DB ist kein verlässlicher Tarifpartner mehr, wenn sie neue Gesellschaften gründet, um tarifflüchtig werden zu können«, so Hauenstein. »Wenn sich nach diesem Warnstreik nichts rührt, müssen wir die Urabstimmung einleiten.«

Nach Angaben der EVG zeichnet sich bei den Tarifverhandlungen für die rund 650 Beschäftigten keine Lösung ab. Verhandlungsführer Isidoro Peronace verweist darauf, dass die Mitglieder bereits akzeptiert hätten, dass es seit April 2014 keine Lohnerhöhung gebe, sondern pauschal monatlich 70 Euro. Künftig solle es analog zur DB AG 5,1 Prozent mehr in zwei Stufen (4 Prozent ab Januar 2016 und weitere 1,1 Prozent ab Januar 2017) geben.

»Wir fordern weiterhin, dass es keinen Unterschied mehr zwischen vor und nach dem 31. Dezember 2005 eingestellten Arbeitnehmern gibt und eine schrittweise Angleichung beim Weihnachtsgeld und beim Urlaub bis 2020«, so Peronace. Die Arbeitgeberseite habe das alles abgelehnt. »Das ist absolut inakzeptabel!«

Dagegen verweist die DB auf das, was bereits ausgehandelt wurde: die 70 Euro mehr im Monat für 1. April 2014 bis 30. Juni 2016 für alle und 4 Prozent mehr ab 1. Juli 2016 für alle.

Altersvorsorge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld verbessern

Für die nach dem 31. Dezember 2005 eingestellten Mitarbeiter solle es unter anderem Verbesserungen bei Leistungen zur betrieblichen Altersvorsorge, den vermögenswirksamen Leistungen, beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld und beim Urlaubsanspruch geben. Das habe die EVG beim letzten Verhandlungstermin abgelehnt. Uneinigkeit herrsche vor allem bei der Gesamtforderung der Gewerkschaft über Verbesserungen beim Entgelt und weiteren tariflichen Komponenten, die in Summe über 10 Prozent liege.

Allein in Bayern würden 2015 über 50 Ausschreibungen erwartet. Die DB-Busgesellschaften konkurrieren dabei in erster Linie mit Busunternehmen, die im Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) zusammengeschlossen sind. DB-Busfahrer verdienten zwischen 4 und 14 Prozent mehr als LBO-Fahrer.

Dennoch, die streikenden Busfahrer in Traunstein unterstreichen ihre Probleme: »Wir fangen um 5 Uhr an und kommen um 8 rein. Dann ist Pause bis um 1, aber die Zeit können wir nicht nutzen.« Heimfahren dürften sie nicht mit ihrem Bus, die Autos stünden aber daheim, wo ja auch der Dienst beginne. Und selbst wenn sie das Auto dabei hätten – »bei den Spritpreisen und einem Verdienst von 1300 bis 1500 Euro netto lohnt sich das nicht, täglich zweimal zusätzlich heim und wieder zur Arbeit zu fahren«, erklärt Hauenstein. Und in der neuen Gesellschaft wären es nochmals 15 Prozent weniger.

»Es geht ja hier nicht um Tarifflucht, es geht um die Wettbewerbsfähigkeit und damit um die Arbeitsplätze«, erklärt dazu der Traunsteiner RVO-Niederlassungsleiter Michael Schmidt, der mit seinen Mitarbeitern im Büro händeringend nach Ersatzbussen und -fahrern sucht, damit das Chaos wenigstens am Mittag einigermaßen in Grenzen bleibt. Die wütenden Anrufe, denen er und seine Kollegen ausgesetzt sind, belegen, dass erstens nicht jeder rechtzeitig Radio gehört hat und sich zweitens unabhängig davon das Verständnis vieler Betroffener in Grenzen hält.

»Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit«

Bei allem Verständnis für seine Busfahrer könne er natürlich auch die verärgerten Kunden gut verstehen: »Es tut mir wirklich unglaublich leid, dass da gestern früh so viele Schulkinder und Berufstätige davon betroffen waren.« Auch er hoffe auf eine baldige Einigung mit Augenmaß: »Schließlich geht es um die Wettbewerbsfähigkeit und damit um die Arbeitsplätze der Busfahrer.« coho