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Bund Naturschutz und sein Schutzkonzept für die Hirschauer Bucht

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Der Landesvorstand des Bund Naturschutzes Bayern machte am Chiemsee in der Hirschauer Bucht Station und verteidigte das Betretungsverbot in der Kernzone des Naturschutzgebietes: (von links) Beisitzer im Landesvorstand Christian Hierneis, die Vorsitzende der Kreisgruppe Traunstein, Beate Rutkowski, der Landesvorsitzende Hubert Weiger, Beisitzer im Landesvorstand Günter Krell, der stellvertretende Kreisvorsitzende Hermann Eschenbeck, BN-Landesbeauftragter Richard Mergner, und Ilse Englmaier von der Kreisgruppe Traunstein, auf dem Beobachtungsturm Hirschauer Bucht.

Grabenstätt. Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern will Menschen aus der Hirschauer Bucht weitgehend aussperren. Eingriffe in der Kernzone des Naturschutzgebietes lehnt der Verein kategorisch ab. Die Wege in der Kernzone sollen gesperrt werden.


Der Landesvorstand um den Vorsitzenden Hubert Weiger machte sich ein Bild von der Kernzone des Naturschutzgebietes rund um das Delta der Tiroler Achen. Weiger bezeichnete die Schutzzone um das größte Binnendelta Mitteleuropas bei einem Pressegespräch im Gasthof Hirschauer Bucht als »Glanzstück des bayerischen Naturschutzes«.

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Er betonte, dass man dies auch in Zukunft »verteidigen« werde. Am Betretungsverbot dürfe nicht gerüttelt werden und Eingriffe wie die Müllentsorgungsaktion des Wasserwirtschaftamtes Ende vergangenen Jahres müssten die absolute Ausnahme bleiben. Die Verlandung sei ein seit der letzten Eiszeit vor 12 000 Jahren voranschreitender »natürlicher Prozess«, den man »nicht durch eine Kunstwelt ersetzen darf«. Während der Chiemsee noch etwa 7000 Jahre vor sich habe, werde es die Hirschauer Bucht schon in 50 Jahren nicht mehr geben, so die BN-Kreisvorsitzende Beate Rutkowski. So wie der Mensch private Rückzugsbereiche brauche, »benötigt auch die Natur Ruhezonen, in denen sie zu keiner Zeit gestört werden darf«, stellte Weiger klar. Deshalb müsse auch das beim Hochwasser im Juni tonnenweise angeschwemmte Treibholz in der Hirschauer Bucht verbleiben.

Naturschutz und Tourismus könne man nur erfolgreich zusammenführen, wenn der Tourismus bereit sei, gewisse Grenzen zu akzeptieren. Um dem Wunsch der Menschen nachzukommen, die Natur hautnah zu erfahren, »brauchen wir zusätzliche Gelder und mehr geschultes Personal«, so Weiger. Rutkowski brach hier eine Lanze für die Arbeit der beiden Gebietsbetreuer im Landkreis Traunstein, deren Stellen »extrem gefährdet sind«, weil sich die EU aus der Finanzierung zurückgezogen habe. Einigen Forderungen der Interessengemeinschaft »Hirschauer Bucht«, die sich deren Rettung auf die Fahnen geschrieben hat, stehe man durchaus positiv gegenüber, auch wenn zum Teil unterschiedliche Interessen dahinter stünden, betonte Rutkowski und verwies auf die Zurückverlegung des Achendeiches nördlich der Autobahn, die Wiedereröffnung eines alten Seitenarms und die Wiederbelebung des Auwaldes. Wenn man den immensen Schwebstoffeintrag in den Chiemsee reduzieren wolle, gelinge dies nicht mit Kiesfallen im Unterlauf der Tiroler Ache, da müsse man schon »an die Ursachen ran«, so Weiger. Rutkowski hatte zuvor die Flächenversiegelung, Eingriffe in den natürlichen Bergwald, Begradigung von Fließgewässern und die Trockenlegung von Mooren als Gründe für die Verlandung beiderseits des Achendeltas aufgeführt. Beim Hochwasserschutz seien vorbeugende Maßnahmen in Einklang mit der Natur ratsamer, als später riesige Summen für Reparaturen auszugeben, riet Weiger. mmü