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Bürgermeister Herbert Häusl ist seinen Schlüssel los

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Zweiter Bürgermeister Hans Kern (von links), Dritter Bürgermeister Christian Reiter und Bürgermeister Herbert Häusl übergaben dem Feichtener Fegerl-Verein gestern den »Rathausschlüssel« zum Faschingsauftakt. (Foto: Buthke)

Waging am See. Nachdem der Fegerl-Verein aus Feichten im vergangenen Jahr beim Rathaussturm von den Gemeindeoberhäuptern mehr missachtet als beachtet wurde, hatte er heuer zum Faschingsauftakt erstmals den Faschingsverein »So Halunke« Waging und die Waginger Faschingsmusi als Verstärkung mitgebracht, um der Forderung nach Herausgabe des Rathausschlüssels mehr Nachdruck zu verleihen.


Angesichts der geballten Narrenschar war in diesem Jahr gleich alle drei Waginger Bürgermeister am gestrigen Sonntag um kurz nach 11 Uhr angetreten. »Weil wir uns beim letzten Mal fast a bisserl blamiert haben«, wie Bürgermeister Herbert Häusl freimütig bekannte. Ein typischer Fall von Untertreibung. Dabei war er im vergangenen Jahr, wenn auch mit Verspätung, als Einziger von der Gemeindeführung überhaupt gekommen.

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Ihre Freude darüber, dass alle da waren und sie nicht warten mussten, brachte Claudia Babl zum Ausdruck: »Es freut uns, dass es heuer so zackig gegangen ist.« Immerhin hatten sie 2011 eine geschlagene Stunde im Treppenhaus des Rathauses warten müssen. »Wir hoffen, dass ihr ein schlechtes Gewissen habt«, stellte sie fest.

Dann übergab sie das Wort an Irmi Templer, die den Antrag des Fegerl-Vereins für den Besuch am Unsinnigen Donnerstag vorbrachte: ausreichend alkoholische Getränke, eine Kleinigkeit zu essen und natürlich Musik. Sie monierte das Nachlassen der faschingsmäßigen Dekoration des Sitzungssaals und regte an, dies doch den Damen der Gemeinde zu überlassen, weil sie wohl den besseren Geschmack hätten. Ebenso forderte sie wieder einmal eine Kuschelecke, was Häusl sogleich mit einem bestimmten »Die kimmt net« abschmetterte, denn die würde nicht gut ankommen.

Kritik erntete die Gemeinde von Babl wegen der Getränkeversorgung am vergangenen Unsinnigen Donnerstag. Für den Bau einer »Mords-Turnhalle« sei das Geld da, für die Rathausstürmerinnen werde jedoch nur warmer und abgelaufener Sekt ausgeschenkt, auf dessen Flaschen noch das Preisschild in D-Mark zu sehen sei. »Wir können doch nicht heiraten, damit wir kalten und frischen Sekt bekommen wie die Hochzeitpaare bei Trauungen«, monierte sie.

Wegen der kalten Temperaturen auf dem Platz vor dem Rathaus drängte sie den Bürgermeister dann auf rasche Herausgabe des Rathausschlüssels und liebäugelte zugleich mit einem Griff in die Gemeindekasse. Dem Faschingsverein »So Halunke« verweigerte sie jedoch energisch die Schlüsselgewalt über das Rathaus. Dem Vorsitzenden Schorsch Seehuber erklärte sie höflich, aber bestimmt: »Ihr habt zwar mitgestürmt, aber den Schlüssel kriegt ihr nicht.«

Zusammen mit dem Zweiten Bürgermeister Hans Kern und dem Dritten Bürgermeister Christian Reiter rückte Häusl den Schlüssel schließlich heraus. Bezüglich der Gemeindekasse erklärte er jedoch kategorisch: »Da ist nichts drin«. Außerdem sei der Kämmerer nicht da. Der Fegerl-Verein gab sich darum mit dem Rathausschlüssel zufrieden.

Nach einer Schunkelrunde zum Aufwärmen vor dem Rathaus, zu der die Waginger Faschingsmusi schwungvoll aufspielte, zogen die Rathausstürmer gemeinsam zum Gasthaus Seerose, wo der Waginger Faschingsauftakt bei einem Frühschoppen in gemütlicher Runde ausklang. Bjr